Wir verkörpern eine Botschaft, die nicht jedem gefällt: Niemand steht über dem Gesetz. Hans-Peter Kaul

12.000 Euro, einfach so!

Eine Art soziales Experiment sorgt im Internet für Wirbel – und jeder kann sich beteiligen.

Was würden Sie tun, wenn Sie jeden Monat einfach so 1.000 Euro bekämen? Weitermachen wie bisher? Schlagartig gar nichts mehr, oder eine ganz neue berufliche Perspektive wagen? Dank der diese Woche gestarteten Kampagne „Mein Grundeinkommen“ können wir das nun bald ganz praktisch herausfinden. Und vielleicht sogar selbst diese Person werden, die dieses Geld für ein Jahr erhält.

Michael Bohmeyer ist einer dieser Träumer aus dem berühmten Lennon-Song. In seiner Familie lebt er ein geschlechtergerechtes Konzept, das seinesgleichen sucht. Er und seine Freundin bloggen auf Femilyaffair darüber. Arbeit mag er lieber ehrenamtlich und alles, was er tut, muss ihm auch persönlich Freude bereiten. Nun hat er sich etwas ausgedacht, damit auch andere vielleicht damit beginnen, ihren Träumen zu folgen.

Das Prinzip ist einfach

„Die Frage ,Was würdest du aus deinem Leben machen, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?‘ klingt so banal, dabei ist sie die vielleicht frechste und wichtigste Frage, die wir heute stellen können. Und leicht zu beantworten ist sie übrigens auch nicht“, behauptet er.

Ist er verrückt, oder sind es vielleicht all die anderen, die ihre Träume eher in der Nacht und ihren Betten verorten, die sie nicht mehr alle haben? Sollte Bohmeyer mit seiner Vision zum Arzt gehen, oder ist vielleicht er einer der Heiler*innen, die die Armutsepidemie werden eindämmen können? Wir können es nicht wissen, aber der Initiator von mein-grundeinkommen.de gibt uns die Möglichkeit, es ganz einfach herauszufinden.

Am Mittwoch startete die Kampagne und noch bevor die Internetseite fertig gebaut war, waren bereits die ersten 1.375 Euro an Spenden eingegangen. Das Prinzip ist denkbar einfach. In einer Crowdfunding-Aktion werden 12.000 Euro gesammelt. Von diesem Geld soll eine ausgeloste Person ein Jahr lang jeden Monat 1.000 Euro ausgezahlt bekommen. Was genau diese Person dann anstellt mit dem Geld und inwiefern ihr Leben sich dadurch verändert, möchte das Projekt dokumentieren. Ausgelost wird das Geld zwischen all denjenigen, die sich auf mein-grundeinkommen.de anmelden und dort ein kurzes Statement verfassen, was sie persönlich mit diesem Geld anfangen würden.

Angenehme Träume

Wer hier Faulheit wittert und den Wunsch nach finanziertem Nichtstun, dem beweist die Facebookseite des Projekts das Gegenteil. Die ganze Nacht von Dienstag auf Mittwoch programmierte Bohmeyer die Internetseite, damit pünktlich zum Kampagnenstart auch alles fertig wurde. Er selbst sieht dafür keine Bezahlung.

„Ich möchte zeigen, dass alle Menschen etwas zur Gesellschaft beitragen wollen und dass sie das auch tun werden, wenn man den Zwang weglässt“, sagt er.

Vielleicht ist er ja ein Spinner und diese ganze Idee nichts als ein naiver Traum. Herausfinden können wir das nur, wenn wir die Aktion unterstützen und sehen, was dabei herauskommt. Dass man das Ganze nicht als wissenschaftliches Experiment begreifen kann, ist ihm selbst klar.

„Ich möchte der Grundeinkommensidee mit meiner Kampagne den Anstrich geben, den sie verdient: modern, quer-gedacht, individuell und gemeinschaftlich.“

Wer Lust hat, mitzuträumen, kann auf der Internetseite sein Statement abgeben, was er/sie mit einem Grundeinkommen anfangen würde und/oder die Aktion mit einer Spende bei startnext unterstützen.

Ich wünsche angenehme Träume!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Meike Büttner: Der Zuschauerdefekt

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