Der homophobe Penis

Meike Büttner28.02.2014Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Homophobie ist die Angst vor zu viel Gleichheit. Doch woher mag die wohl kommen? Ein Experiment verspricht Antworten.

Christian Ehring, der Moderator der Sendung „extra 3“, hat einmal gesagt, dass Sie Menschen, die ihre Meinung auf Irrationalität gründen, auch nicht mit rationalen Argumenten davon wieder abbringen können. Diese feine Erkenntnis will ich mir heute einmal zum Vorbild nehmen. Ich werde also nicht versuchen, jemandem seine Homophobie auszureden. Stattdessen plädiere ich für Mitleid mit den Homohassern.

Wer hat Angst vor wem?

Homophobie ist so ein irreführendes Wort. Zunächst könnte man vielleicht denken, es sei die nur allzu verständliche Angst vor Menschen. Bei näherem Hinsehen fällt auf, es geht nicht um das lateinische Wort „homo“, sondern um die griechische „Homogenität“. Homophobie wäre demnach die Angst vor der Gleichartigkeit. Also ist es die Angst vor bestimmten Menschen. Gleichen Menschen nämlich. Nun passt es. Denn Menschen, die uns durch Homophobie auffallen, wie etwa Birgit Kelle, Matthias Matussek oder Eva Herman, verraten sich immer wieder, indem sie auf etwas schimpfen, das sie “„Gleichmacherei“()”:http://www.theeuropean.de/nils-pickert/7667-der-vorwurf-der-gleichmacherei nennen.

Und dieses Wort klingt immer bedrohlich. Man lässt ein bisschen Lenin mitschwingen und ein bisschen Kim Jong Un und schon ist die Angst vor allem, was irgendwie „gleich“ ist, gut begründet. Wer sich vor Homosexualität fürchtet, ist anscheinend immer auch genervt von der Frauen-Gleichstellungsdebatte. Doch was ist das Gleiche, vor dem sich die homophoben Menschen fürchten? Wer ist hier mit wem gemein? Was hat denn jede Frau mit jedem schwulen Mann gemein?

Es ist unerheblich, was die Gleichen untereinander eint. Entscheidend ist, was sie mit denen eint, die sich vor ihnen fürchten. Offenbar fürchten sich homophobe Menschen nämlich vor allem, was ihnen selbst gleich ist. Sie fürchten sich vor dem, was sie gemein haben mit den Homosexuellen. 1996 haben die Forscher*innen Henry E. Adams, Lester W. Wright, Jr. und Bethany A. Lohr von der University of Georgia dazu “ein aufschlussreiches Experiment()”:http://my.psychologytoday.com/files/u47/Henry_et_al.pdf veranstaltet.

Zunächst befragten sie die Probanden nach dem Index für Homophobie _(W. W. Hudson & W. A. Ricketts, 1980)_ mit Fragen wie: “„Würde es Ihnen Unbehagen bereiten, wenn der Lehrer Ihres Kindes schwul wäre?“()”:http://www2.bgsu.edu/downloads/sa/file14259.pdf oder: „Wäre es Ihnen unangenehm, mit einer lesbischen Frau nah zusammenzuarbeiten?“ Im Anschluss wurden den ausnahmslos männlichen Probanden Messgeräte an die Penisse angeschlossen, die jede noch so kleine Schwellung registrieren sollten. Und das taten die Geräte auch. Bei allen Menschen ohne homophobe Einstellung jedoch hielten die Penisse ganz still, wenn man den dazugehörigen Männern pornografische Bilder mit homoerotischen Darstellungen zeigte. Die Penisse der toleranten Männer standen erst auf, wenn sie heteroerotische Bilder zu sehen bekamen. Die Penisse derer jedoch, denen der Index Homophobie bescheinigte, konnten niemals still halten. Homoerotik, Heteroerotik, beides erregte sie gleichermaßen.

Wir können ihnen nicht helfen, den armen Teufeln

Kein Wunder also, dass eine “neue Studie()”:http://www.queer.de/detail.php?article_id=21083 nun behauptet, dass homophobe Menschen früher sterben. Meist wegen Gefäßkrankheiten durch überhöhten Blutdruck. Es ist aber auch ein Stress, wenn man sich selbst nicht kennenlernen und annehmen will. Das ist harte Arbeit, so ein ganzes Leben in Verleugnung seiner Selbst. Darum sollten sie einen homophoben Menschen auch niemals zu überzeugen versuchen. Sie sollten diesen Menschen mit Mitleid und Hilfsbereitschaft begegnen. Jede/r gute Psychotherapeut/in weiß, dass ein Mensch erst sich selbst lieben und annehmen muss, bevor er im Stande ist, die anderen zu lieben. Wir können ihnen nicht helfen, den armen Teufeln. Wir können sie bloß solidarisch mit tragen.

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