Wir müssen unseren freiheitlichen Lebensstil verteidigen. Philipp Mißfelder

Mehr Fleisches-Lust – statt Billig-Wurst

Im Sommer lassen sich viele gern Steak und Würstchen schmecken. Aber das Grillvergnügen hat unerwünschte Nebenwirkungen in Form von CO₂-Emissionen, Flächenverbrauch und schwindenden Regenwäldern. Zum Glück gibt es Alternativen.

Sommerabend, Freunde und Familie, was Schönes zum Trinken, der Grill in der Mitte – für viele von uns ist dieses Szenario ohne Wurst oder Steak nicht denkbar. Die Konsequenzen für Klimaschutz und Hungerbekämpfung müssen ja nicht unbedingt beim Grillen gezogen werden. Dazu bleiben ja auch noch ein paar andere Wochentage.

Aber die Brutzel-Produkte sind oft mangelhaft, wie die Stiftung Warentest zeigt. Und die Bilder geschundener Schweine oder Hühner passen auch nicht zum Grillvergnügen.

Weniger, aber dafür qualitativ besseres Fleisch und bessere Würstchen aus artgerechter oder ökologischer Haltung zu kaufen, das geht. Artgerechte Tierhaltung steht nicht nur für gute Lebensbedingungen für die Tiere, sie verzichtet auch auf Antibiotika u.a. und minimiert so Rückstände.

Auf dem Grill gibt’s genauso Schafkäse, Tofu, Pilzspieße mit Ziegenfrischkäsefüllung und leckeres Gemüse: Dann sind eigentlich alle glücklich.

Weniger Fleisch – besser für’s Klima

Die zweite Frage ist, ob es immer und jeden Tag Fleisch sein muss. Wir Deutschen essen viel zu viel Fleisch, nämlich viermal so viel wie Ernährungswissenschaftler empfehlen. Das schadet nicht nur unserer eigenen Gesundheit, sondern auch dem Klima und der biologischen Vielfalt. Laut Weltklimarat und Welternährungsorganisation stammen 18 Prozent der globalen Treibhausgase aus der Tierhaltung. Die Erzeugung von einem Kilo Fleisch setzt bis zu 45-mal mehr Kohlendioxid frei als die Erzeugung der gleichen Menge Gemüse.

Importierte Futtermittel wie (gentechnisch verändertes) Soja, Grundlage der Massentierhaltung in Europa, gefährden die grüne Lunge der Erde – das Amazonasgebiet. Fast ein Fünftel der Regenwälder dort sind in den letzten 40 Jahren gefällt worden, vorwiegend für den Futtermittelanbau. Experten befürchten Verluste von weiteren 20 Prozent in den nächsten 20 Jahren. Die Folgen sind, dass weitere riesige Mengen CO₂ freigesetzt werden und eine einmalige Artenvielfalt unwiederbringlich verloren geht.

Weniger Fleisch – mehr Ernährungssicherheit

Unser überhöhter Fleischkonsum gefährdet aber auch die weltweite Ernährungssicherheit, viel mehr als z.B. Biotreibstoff. Heute hungern eine Milliarde Menschen. Die Ursache hierfür ist nicht der Mangel an Nahrungsmitteln, sondern eine mangelnde Verteilungsgerechtigkeit. Auf rund einem Drittel der Weltagrarfläche werden heute Futtermittel angebaut. Bis zu neun Kilogramm Getreide sind nötig, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren.

Diese Flächen werden dringend zur Versorgung der Bevölkerung vor Ort benötigt. Der agrarindustrielle Futtermittelanbau führt zu Landvertreibungen und Menschenrechtsverletzungen.

Immer mehr Masse zu erzeugen, mit Gentechnik oder Pestiziden, ist keine Lösung, sondern führt zu noch mehr Bodenzerstörung und Wasserverseuchung.

Einen Tag ohne Fleisch: “Veggie-Day”

Eine internationale neue Lebensstil-Bewegung setzt Zeichen – für Qualität und guten Konsum, mehr Ernährungsgerechtigkeit, gegen Klimazerstörung und Tierquälerei. Ein Tag ohne Fleisch: Den “Veggie-Day” unterstützen viele Jugendliche, Unis, Promis, die Städte Bremen oder Gent. Also los, das wollen wir auch im Bundestag oder in Bundesbehörden unterstützen. Und privat. Kein Zwang oder erhobener Zeigefinger, sondern ein richtig gutes vegetarische Angebot. nicht immer Milchreis oder Restgemüse. Und mehr Bio und Qualität im Gesamtangebot. Wir alle sind immer mehr auf Kantinen angewiesen, da sollten wir auch mehr darauf achten, was es dort gibt und auch, wie und wo die “Lebens-”Mittel denn erzeugt werden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Katharina Rimpler, Jan Küveler, Frank Huhnke.

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