Ich sitze an der Front. Abdul Adhim Kamouss

Die Zombies kommen

Wenn es soweit ist und die Untoten kommen, werden sie froh sein, das hier gelesen zu haben. Die sechs wichtigsten Früherkennungsmerkmale einer ausbrechenden Seuche. Ein Auszug aus Max Brooks satirischem Buch „Der Zombie Survival Guide“.

Jede Zombie-Epidemie, ganz gleich welcher Klasse, hat einen Anfang. Das Wissen, was ein Zombie ist, wird dich nicht schützen, falls du eine Epidemie erst erkennst, wenn es zu spät ist. Das bedeutet nicht, dass du deinen „Zombie-Frühwarnposten“ in deinem Keller einrichten, Stecknadeln in eine Landkarte und vor dem Kurzwellenfunkgerät herumsitzen musst. Es ist lediglich erforderlich, nach Zeichen Ausschau zu halten, die der Ungeübte möglicherweise übersehen könnte. Zu diesen Zeichen gehören:

  1. Mordfälle, bei denen die Opfer durch Kopfschüsse oder Enthauptung getötet wurden. Das ist schon häufiger vorgekommen: Die Leute versuchen der Lage selbst Herr zu werden. Fast immer werden diese Leute von den zuständigen Behörden zu Mördern erklärt und als solche behandelt und angeklagt.
  1. Vermisste Personen, besonders in der Wildnis oder in unbewohnten Gebieten. Achte sorgfältig darauf, ob eine oder mehrere Personen eines Suchteams verschwinden. Wenn die Geschichten oder die Fotos im Fernsehen gezeigt werden, solltest du darauf achten, welches Maß an Bewaffnung die Suchtrupps tragen. Mehr als ein Gewehr pro Gruppe könnte darauf hindeuten, dass es sich um mehr als nur einen einfachen Rettungseinsatz handelt.
  1. Fälle von „gewalttätigen Wahnsinn“, bei denen der Betroffene Freunde oder Verwandte angreift, ohne dabei Waffen zu benutzen. Finde heraus, ob der Angreifer sein Opfer gebissen oder versucht hat, es zu beißen. Wenn ja, sind Opfer noch im Krankenhaus? Versuche herauszufinden, ob irgendwelche dieser Opfer binnen Tagen nach dem Biss unter geheimnisvollen Umständen gestorben sind.
  1. Aufstände oder Unruhen, die ohne Provokation oder andere logische Ursache beginnen. Die Vernunft gebietet, dass Gewalt auf Massenebene nicht einfach ohne einen Katalysator wie Rassenunruhen, politische Aktionen oder rechtliche Entscheidungen beginnen. Selbst so genannte „Massenhysterien“ kann stets auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt werden. Wenn keine gefunden werden kann, mögen andere Gründe dafür verantwortlich sein.
  1. Todesfälle nach Krankheit, bei denen entweder die Ursache ungeklärt ist oder zumindest höchst fragwürdig erscheint. In der industrialisierten Welt sind Todesfälle durch Infektionskrankheiten selten, was vor einem Jahr noch ganz anders war. Aus diesem Grund sorgen neue Epidemien stets für Schlagzeilen. Halte nach Fällen Ausschau, bei denen die exakte Art der Krankheit nicht erklärt wird. Und achte außerdem auf fragwürdige Erklärung wie „West-Nil-Virus“ oder „Rinderwahnsinn“. Dies könnten Beispiele für eine Vertuschung sein.
  1. Jeder der oben genannten Punkte, bei denen die Medienberichterstattung eingeschränkt wird. Ein Verbot jeglicher Berichterstattung kommt in den Vereinigten Staaten höchst selten vor. Sollte es doch einmal dazu kommen, müssen sofort sämtliche Alarmsirenen aufheulen. Natürlich gibt es neben einem Angriff von Untoten viele andere Gründe für so etwas. Andererseits verdiente jedes Ereignis, das eine derart mediengeile Regierung wie unsere veranlasst, Medienberichte zu verbieten, höchste Aufmerksamkeit. Die Wahrheit kann nicht gut sein, wie immer sie auch aussehen mag.

Wenn ein Ereignis deine Sensoren ausgelöst hat, verfolge es unbedingt weiter. Finde den Ort und seine Entfernung zu dir heraus. Achte auf ähnliche Vorfälle im Umkreis der ursprünglichen Krise. Falls diese Ereignisse innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen stattfinden, studiere sie gründlich. Achte auf die Reaktion von Gesetzeshütern und anderen Behörden. Wenn sie bei jedem Vorfall drastischer reagieren, ist das Risiko groß, dass es sich um eine Zombie-Epidemie handelt.

Auszug aus: Max Brooks – Der Zombie Survival Guide: Überleben unter Untoten (Goldmann Verlag)

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jamie Oliver, Bill Gates, David Cameron.

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