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Disziplin, Dominanz und Unterwerfung

Wenn jemand sein Interesse für BDSM erkennt, möchte er schnell einen passenden Gegenspieler dazu kennenlernen. Das ist nicht immer leichter, aber so schwer auch wieder nicht. Matthias T. J. Grimme, Autor des SM-Handbuchs, erklärt, warum man bei Erstkontakten nicht gleich seine Einschränkung auf grüngestreifte Gummiseile offenbaren sollte.

BDSM steht für Bondage (Fesseln) und Disziplin, Dominanz und Submission (Unterwerfung) und Sadomasochismus. Im deutschsprachigen Raum wird meist von SM geredet, gemeint ist aber im Allgemeinen die gesamte Palette erotischer Spiele, die mit Macht und Ohnmacht, Hingabe und Rollenspiel, aktiv und passiv zu tun haben. Oft entwickelte sich in Menschen ein verzerrtes Bild darüber, was BDSM wirklich ist, die Medien tun ihr Übriges.

Wenn man von den allseits beliebten Umfragen über sexuelle Vorlieben, Fantasien und Wünschen ausgeht, sind um die 25 Prozent unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger bereit, sich innerhalb sexueller Spiele von ihrem Partner fesseln zu lassen. Das kann ein eher angedeutetes Fesseln durch Festhalten der Hände oder Beine sein oder auch das ausführliche Umwickeln mit meterlangem Seil. Von Handschellen, Lederfesseln, Schals, Leinen bis hin zu ausgefuchsten Bondage-Hilfsmitteln wie Fesselsäcken reicht die Palette.

Ein kleiner Leitfaden

Entdeckt man Interesse an BDSM, gilt es einen geeigneten Partner zu finden, ein kleiner Leitfaden kann helfen:

1. Die Kontaktanzeige: Ob in einem SM-Magazin wie den Schlagzeilen oder auch im Printbereich bieten sich diverse Möglichkeiten, Anzeigen aufzugeben. Um die Chancen einer Antwort auf eine Anzeige zu erhalten, ist es sinnvoll, ein paar Spielregeln zu beachten: Die Leserin oder der Leser einer Anzeige möchte wissen, mit wem er es zu tun hat, was sie zu erwarten hat und was von ihm gewünscht wird. Dabei liegt es nahe, dass je ausgefeilter die Vorstellungen des “Was suche ich?” sind, desto geringer werden die Chancen sein, jemand genau dazu passenden zu finden. Auch die Unsitte mancher Männer, mehr auf die körperlichen Vorzüge ihrer angestrebten Partnerin hinzuweisen, ist nicht sonderlich Erfolg versprechend. Es verschreckt potenzielle Partner/innen eher, als dass es sie animiert, die Anzeige zu beantworten. Honoriert werden originelle, ehrliche, gefühlvolle und möglichst klischeearme Anzeigen.

2. SM-Gruppen und Stammtische: Gruppen und Stammtische bieten oft neben der Gelegenheit, Gleichgesinnte kennenzulernen, auch das Angebot, an Seminaren zum Thema SM-Techniken teilzunehmen. Manche SM-Shops und -Initiativen bieten zudem auch die Möglichkeit, Basiswissen zu unterschiedlichen Themen zu erwerben. Doch nichts spricht dagegen, die Initiative zu ergreifen und selbst eine Gruppe ins Leben zu rufen. Natürlich mag es keine Gruppe, wenn man glaubt, der Existenzzweck läge nur darin, eine Art Bizarr-Partnervermittlung zu sein.

3. SM- und Fetisch-Partys: Heute kann man in größeren Städten monatlich oder gar wöchentlich auf SM-Partys gehen. Die SM-Szene brauchte viele Jahre, um die augenblickliche Angebotsvielfalt zu entwickeln. Dennoch wird es immer wieder Partys geben, die der eine nicht mag und der andere dafür besonders schätzt.

4. Online: Wer sich viel im Internet herumtreibt, weiß, wie man virtuell Menschen kennenlernen kann. Aber nicht hinter jeder “Susanne, blond, Barbiefigur” versteckt sich auch wirklich eine Frau. Und wer sich den Nickname “Geiler Sadohengst” gibt, ist mitnichten ein guter Gesprächspartner. In der virtuellen Welt ist es, ähnlich wie im “richtigen” Leben, durchaus angemessen, sich höflich und respektvoll zu verhalten.

5. Die freie Wildbahn: Ja, es funktioniert – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Je nach Befragung liegen die Chancen bei 1 zu 10 oder 1 zu 30. Mehr als ein “Nö, wie bist Du denn drauf?!” kann man sich auch nicht einfangen – jedenfalls solange man nicht gleich kettenklirrend und mit der Reitpeitsche winkend “ins Haus fällt”. Einen guten Einstieg bietet allemal ein gemütliches Gespräch über sexuelle Fantasien und wenn man sich da näherkommt, kann man ja vorsichtig anfangen zu probieren. Am besten funktioniert es, wenn dieses Probieren keinen der beiden Beteiligten zwingt, sich auf die aktive oder passive Rolle festzulegen – egal ob man in seinen Fantasien das eine oder andere bevorzugt. Immerhin bedarf es ja eines erheblichen Maßes an Vertrauen, sich dem anderen so weit auszuliefern, dass man sich von ihm fesseln oder gar schlagen lässt.*

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Alissia Passia.

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