Schlecht beraten

von Matthias Dietrich15.02.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Wie zwei kleine Teufelchen den ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden des Stuttgarter Landtags, Günther Oettinger, so richtig in die Bredouille bringen. Eine Odyssee durch Talkshows, Grabreden und die belgische Hauptstadt.

Zwei kleine Teufelchen konnten nicht mehr ertragen, wie sehr der liebe Gott Baden-Württemberg liebte. In ihren Augen war es dort einfach nur sterbenslangweilig und öde. Also machten sie sich auf, Gottes Lieblingsbundesland ordentlich durcheinanderzuwirbeln. Die beiden Teufelchen beschlossen, einen Mann zum Ministerpräsidenten zu machen, mit dem man viel Schabernack treiben kann. Sehr schnell fiel ihr Blick auf den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag: Günther Oettinger, einem hölzernen Finanzfachmann mit katastrophaler Außendarstellung. Es dauerte nicht lange und sie hatten ihren Schützling tatsächlich zum Ministerpräsidenten gemacht.

Der Spaß geht los

Jetzt sollte der Spaß richtig losgehen, doch zu ihrer großen Überraschung stellte sich Oettinger gar nicht so schlecht an: Er ließ die außerhäusliche Kinderbetreuung in Tagesstätten und Schulen ausbauen und führte die vorschulische Sprachförderung ein. Wieder drohte Langeweile, also besorgten sie ihm Einladungen zu diversen politischen Talkshows. Vor dem Fernseher amüsierten sich die beiden Teufelchen köstlich, wenn sie Oettinger dabei zusahen, wie er angestrengt versuchte, Hochdeutsch zu sprechen, und dabei jede Silbe überbetonte. Am besten gefiel es ihnen, wenn er wieder einmal viel zu schnell sprach, sich verhaspelte und krampfhaft versuchte, unverkrampft und locker zu wirken. Als Oettinger schließlich eine unmögliche Grabrede auf Hans Filbinger hielt, konnten die Teufelchen ihr Glück kaum fassen: Endlich war hier mal was los! Sie hatten auf den richtigen Mann gesetzt. Trotz allem gelang es Oettinger, den Landeshaushalt erstmals seit 36 Jahren ohne Neuverschuldung auskommen zu lassen, er brachte “Stuttgart 21” voran und sorgte auf Bundesebene dafür, dass eine verpflichtende Schuldenbremse für Bund und Länder eingeführt wurde. Doch so richtig geliebt wurde er von niemandem. Nicht einmal von seiner eigenen Frau, die ihn für einen Autoverkäufer verließ. Die Teufelchen lachten sich ins Fäustchen.

Der Rest ist Geschichte

Nun kam der liebe Gott hinter die Machenschaften der beiden Teufelchen und sperrte sie ein. Oettinger schenkte er als Wiedergutmachung eine noch hübschere und vor allem jüngere Frau und besorgte ihm den Job als EU-Kommissar. Doch er ahnte nicht, dass Oettinger einen Englischkurs für 60 Euro die Stunde für überteuert hält und stattdessen lieber kostenlose Übersetzungsprogramme aus dem Internet nutzt. Der Rest ist Geschichte und hat mittlerweile fast fünf Millionen Klicks. Der liebe Gott will Oettinger seitdem lieber heute als morgen in Brüssel sehen, damit endlich wieder Ruhe im Musterländle einkehrt. Jetzt ist der ungewollt komische Mann mit dem schmalen Mund bald weg. Keiner weint ihm so wirklich eine Träne nach. Keiner? Nein, denn die beiden Teufelchen vermissen ihn schrecklich! Man munkelt aber, dass sie schon bald wegen guter Führung freikommen und ein neues Jobangebot wahrnehmen werden: in Brüssel.

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