Demokratie ist nicht angeboren. Michael Hardt

Ihr kommt hier nicht rein

Um unseren Planeten schwirren Hunderte gefährlicher Asteroiden. Ein einzelner Einschlag könnte Städte und ganze Länder auslöschen. Aber wir sind nicht wehrlos.

Asteroiden und Kometen sind sowohl Chance als auch Risiko. Einerseits geben sie uns die Möglichkeit, mehr über das Entstehen unseres Sonnensystems zu lernen, sie können Rohstoffe liefern oder das Ziel einer kommenden Weltraummission sein. Andererseits sind sie eine Gefahr: Ihr Einschlag könnte gewaltige Zerstörung bis hin zum Massensterben verursachen.

Die große Mehrheit aller bekannten Asteroiden entstammt dem Asteroidengürtel – einem Ring zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Jedoch nur ein Teil aller Asteroiden unseres Sonnensystems gehört zur Kategorie der „Erdnahen Objekte“ (NEOs). 1.300 dieser NEOs sowie 150 Asteroiden werden derzeit als potenziell gefährlich eingestuft. Doch wir müssen davon ausgehen, dass ein Großteil von ihnen bislang unentdeckt ist.

Viele Asteroiden ziehen nur knapp vorbei

Es ist klar: Die Größe des Objekts bestimmt sein Gefahrenpotenzial. Ein Asteroid mit einem Durchmesser von einem Kilometer gibt 100.000 Megatonnen Energie ab. Solch ein Einschlag hätte Konsequenzen für den gesamten Planeten. Bereits Objekte mit einem Durchmesser von 100 Metern würden über 100 Megatonnen Energie freisetzen und damit beim Einschlag ins Meer Tsunamis verursachen oder ganze Landstriche und Großstädte zerstören.

Im letzten Jahrhundert wurden viele Einschläge registriert. 1908 explodierte acht Kilometer über dem sibirischen Tunguska ein Asteroid mit einem Durchmesser zwischen 40 und 70 Metern. Er hatte die Sprengkraft von zehn Megatonnen TNT. 2002 explodierte ein Zehn-Meter-Objekt über dem Mittelmeer und setzte dabei das Äquivalent von immerhin 26 Kilotonnen TNT frei. Einen vergleichbaren Einschlag gab es 2009 bei Indonesien.

Angesichts unseres sehr großen Sonnensystems ziehen erstaunlich viele dieser Brocken nur knapp an der Erde vorbei. Der „Feuerball von 1972“ war ein in nur 57 Kilometer Entfernung vorbeiziehender Meteorit, den man in Teilen der USA und Kanada sogar mit bloßem Auge erkennen konnte. Im März 1989 wurde ein Asteroid mit mehr als 300 Metern Durchmesser entdeckt, der die Erde um 700.000 Kilometer verfehlte. Wäre er eingeschlagen, hätte er die Explosion der größten jemals von Menschen gezündeten Kernwaffe in den Schatten gestellt. In jedem Jahr dieser Dekade gab es solche Ereignisse.

Laserstrahl, Raumschifframme, Atombombe

Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur den Himmel beobachten und die Listen gefährlicher Objekte aktualisieren, sondern direkt etwas gegen mögliche Einschläge unternehmen. Von Atombomben über als Ramme fungierende Raumschiffe bis hin zu starken Laserstrahlen: Diverse Vorschläge liegen auf dem Tisch, bislang wurden sie aber noch nicht im Rahmen einer Weltraummission getestet.

Drei Varianten sind denkbar: Techniken zum Ablenken der Asteroiden funktionieren, indem Raketen oder Sonnensegel an dem Himmelskörper angebracht werden. Per Anschub könnte er so aus seiner Bahn gelenkt werden.

Ein anderer Ansatz – die sogenannte „Impulstechnik“ – setzt entweder auf Raumschiffe, die den Asteroiden mit hoher Geschwindigkeit rammen, oder auf Atombomben, die in seiner Nähe gezündet werden. Auch eine Wolke aus Nanopartikeln könnte wie ein Dämpfer auf den Asteroiden wirken und so seine Flugbahn verändern.

Die dritte Variante kommt ohne Kontakt zum Objekt aus. Laserstrahlen oder gebündeltes Sonnenlicht könnten auf die Oberfläche des Asteroiden gerichtet werden. Der Rückstoßeffekt des dann freiwerdenden Gases würde ihn aus der Bahn werfen. Alternativ dazu bieten sich auch hoch beschleunigte Ionen und Sonnenlicht an, deren Aufprall den Brocken ebenfalls ablenken könnten.

Einige dieser Möglichkeiten sind effektiver als andere. Zum Beispiel erscheinen Ionenstrahlen effektiver als Rammvorhaben, und Laserstrahlen lassen sich leichter fokussieren als Sonnenstrahlen. Es gibt aber keine Patentlösung für Asteroiden jeder Größe, und skalierbar sind die Vorschläge nur bedingt. Nuklearexplosionen setzen pro Kilogramm Masse zwar die größte Energie frei, und kinetische Einschläge erscheinen am einfachsten durchführbar. Beide werfen jedoch die Frage auf, ob sich die Ablenkung kontrollieren lässt. Das Anschieben eines Asteroiden ist dagegen besser zu kontrollieren, verlangt aber nach Raumschiffen, die kontrolliert an den Asteroiden heranfliegen können.

Europa investiert massiv in die Entwicklung neuer Techniken. 2011 etwa erhielt ein Konsortium namens „NEOShield“ mehr als vier Millionen Euro zur Erforschung von Ablenkungstechniken. 2012 erhielt die schottische University of Strathclyde die gleiche Summe für das Projekt „Stardust“. Es soll eine ganze Generation von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Entscheidern ausbilden, die dann neue Techniken erforschen und sich nebenbei auch des Problems Weltraumschrott annehmen.

Die Folgen eines Asteroideneinschlags werden gerne mit anderen Naturkatastrophen – wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen – verglichen. Schon ein Objekt mit mehr als 300 Metern Durchmesser reicht aus, ein kleines europäisches Land zu zerstören. Wie oft so etwas geschehen könnte, unterscheidet sich je nach Studie. Schätzungen schwanken zwischen 500 und über 60.000 Jahren.

Die aktuellen technischen Entwicklungen und Forschungsprogramm wie „NEOShield“ und „Stardust“ werden uns dabei helfen, Katastrophen zu verhindern. Aber Asteroidenabwehr ist kein rein technisches Problem: Wenn wir nicht mehr Ressourcen für diese Arbeit bereitstellen, bleiben die Ideen bloße Vorschläge auf dem Papier.

Übersetzung aus dem Englischen

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Marc Lipsitch, David Quammen, Bill McGuire.

Print2_cover_klein

Dieser Beitrag ist in der Printausgabe 1/2013 des The European enthalten.

Darin finden Sie u.a.: Weitermachen, der Weltuntergang fällt aus: Lesen Sie, wie sich die Menschheit gegen Asteroiden, Pandemien und Co. zur Wehr setzt. Außerdem: Warum die SPD-Troika den Sozialdemokraten schadet und welche Wirtschaftsweisheiten 2013 endgültig in den Papierkorb der Geschichte gehören.

Sie können es hier direkt bestellen.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Atombombe, Technologie, Naturkatastrophe

meistgelesen / meistkommentiert