Weil sie keinen Schleier trugen, wurden sie überfahren | The European

Mann überfährt zwei Frauen wegen „unislamischer“ Outfits

Martin Walzer11.08.2021Medien, Politik

Ein Autofahrer in Nordwesten Irans überfährt zwei Frauen. Zunächst hatte der Mann lautstark wegen der Kleidung der Frauen protestiert. Als diese nicht reagierten, drückte er auf das Gaspedal und überfuhr die beiden Frauen. Diese kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Der Hidschab ist das islamische Kopftuch, das Haare, Hals und Ohren bedeckt, mitunter auch die Schulter. Viele muslimische Frauen tragen es. Quelle: Shutterstock

Im Nordwesten Irans hat sich ein tragisches Unglück abgespielt. Ein Mann hatte aus Wut zwei nicht verhüllte Frauen überfahren, weil sie nicht verhüllt waren. Wie die Nachrichtenagentur „Ilna“ mitteilte, hatte sich der Vorfall in der Stadt Urmia ereignet. Zuerst hatte der Autofahrer lautstark gegen das nicht traditionelle Outfit protestiert, dann fuhr er die Frauen einfach um.

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 werden Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit gezwungen, ein Kopftuch (Hidschab) sowie einen langen, weiten Mantel zu tragen. Haare und Körperkonturen gilt es per Konvention zu verhüllen. Obwohl diese Verbote seit 42 Jahren auf der Tagesordnung stehen, gibt es immer in den Großstädten immer mehr Frauen, die sich nicht daranhalten. Der vom Klerus verhängte Zwang stößt bei der Mehrheit der Frauen jedoch auf Widerstand, aber auch Teile des Klerus und Offizielle haben in den letzten Jahren Hidschab-Gesetz in der islamischen Republik kritisiert. Auch die Polizei toleriert mittlerweile die laxere Kleiderordnung. Dennoch kommt es immer wieder zu Protesten konservative Gruppen, die den fortschrittlichen Frauen mit „schlechtem Hidschab“ vorwerfen, islamische Werte zu gefährden. Neben verbaler Gewalt reagieren Konservative und Fundamentalisten auch immer wieder mit körperlicher Aggression.

Die beiden Frauen, die ob ihres Outfits angefahren wurden und schwere Verletzungen erlitten, sind mittlerweile außer Lebensgefahr. Der Täter, der zunächst Fahrerflucht beging, wurde später von der Polizei festgenommen. Die Justizbehörde in Urmia hat die Tat unterdessen verurteilt. Man will keine Selbstjustiz von Bürgern dulden, so „Ilna“. Die scheidende Vizepräsidentin und Frauenbeauftragte Massumeh Ebtekar bezeichnete den Vorfall als „versuchten Mord“ und forderte eine harte Strafe für den Fahrer.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland verspielt außenpolitisches Vertrauen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verändert die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas. Der russische Angriffskrieg zwingt die NATO und die EU dazu, die Bewahrung von Frieden und Freiheit in dem Teil Europas, in dem wir das große Glück haben zu leben, wieder zur vorrangigen politischen Priorit

Das Maggie Thatcher-Double dürfte Boris Johnson beerben

Im Machtkampf um Johnsons Nachfolge hat Liz Truss beste Siegchancen. Die Parteibasis der Torys liebt sie, weil sie allerlei Erinnerungen an Margaret Thatcher weckt. Doch diese Rolle spielt sie recht dreist. Von Wolfram Weimer

Theater des Schreckens

Die Geschichte der Todesstrafe und ihrer Vollstreckung zeigt: Menschen drängten zu allen Zeiten danach, Augenzeuge einer Hinrichtung zu sein, möglichst nah dabei zu sein, um das blutige Ritual zu verfolgen. Entsetzen und Schaudern, Entzücken und Empörung, Emotion und Aktion – die Symbolik de

Deutschland braucht eine neue Standortagenda

Deutschland steht am Rande einer Rezession. Die Kaufkraft der Konsumenten leidet unter dem Inflationsschub, der durch die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln angestoßen wurde und inzwischen viele andere Gütergruppen erfasst hat. Solange der Ukraine Krieg und die Sanktionen gegenüber Russl

Wir wären vollkommen verrückt, wenn wir die Kernkraftwerke vom Netz nehmen

Es gibt keinen Grund zur Panik. Aber es gibt angesichts möglicher Energieversorgungsengpässe im Herbst dringenden Handlungsbedarf – im Sommer trotz der Parlamentsferien. Von Friedrich Merz

Merkel vor Kohl: So werden die Kanzler seit der Wiedervereinigung bewertet

Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition. Wenn man heute fragt, welcher Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung die Interessen Deutschlands am besten vertritt oder dies getan hat, belegt Alt-Kanzlerin Angela Merkel (38 Proz

Mobile Sliding Menu