So knallhart rechnete Wolfgang Bosbach mit Merkel ab | The European

„Das Ding ist uns entglitten“ - Bosbach rechnet mit Merkel-Satz ab

Martin Walzer2.02.2021Medien, Politik

Der Ex-Vizechef der CDU Fraktion Wolfgang Bosbach hat erneut mit der Bundeskanzlerin abgerechnet. Schon während der Flüchtlingskrise 2015 meldete sich Bosbach immer wieder kritisch zur Politik der offenen Tore. „Das Ding ist uns entglitten“ ist wie „Wir schaffen das“ eine Floskel für eine Politik, die keinen Plan hat und die das Versagen von einem auf den anderen delegiert.

Podiumsdiskussion: Ist Sicherheit eine Frage des Geldes- Chancen und Risiken bem Einsatz privater Sicherheitsfirmen , Wolfgang Bosbach, CDU Innenexperte Bochum Haus der Geschichte Bochum Nordrhein-Westfalen, Foto: IMAGO / Günther Ortmann

Es war einer dieser Sätze der Noch-Bundeskanzlerin der ungewohnt war. 2015, beim Beginn der Flüchtlingskrise, betonte sie: „Wir schaffen das“ – und meinte die Migration und Integration von fast einer Million Flüchtlingen nach Deutschland. Nun hatte sie vergangene Woche inmitten der Corona-Krise betont: „Uns ist das Ding entglitten.“ War das ein Eingeständnis, dass die deutsche Politik bei Corona gescheitert ist, dass sich ausgerechnet die Krisenkanzlerin dazu freimütig bekennt?

Der ehemalige stellvertretende Fraktionschef der CDU Wolfgang Bosbach (68) sieht das zumindest so. Und er erinnert sich an die legendären Worte „Wir schaffen das!“ Beim Podcast „Die Wochentester“ mit TV-Koch Christian Rach (63) betonte er: „Ich musste bei dem Satz ,Uns ist das Ding entglitten’ deshalb schmunzeln, weil mich der Satz erinnert hat an ‚Wir schaffen das’“.

Schon damals habe er sich gefragt, „wer ist ‚wir‘ und was ist ‚das’? Und auch bei dem Satz ‚Uns ist das Ding entglitten‘ ist mir nicht klar, wer ist ‚uns‘ und was ist mit dem ‚Ding‘ gemeint. Denn etwas kann ja nur entgleiten, wenn man es vorher fest im Griff hatte.“

Und Bosbach wird noch schärfer. Er glaubt nicht, dass die Merkel-Regierung Corona je im Griff hat. Es sei doch vielmehr umgekehrt: Corona hat Merkel im Griff. „Ich weiß gar nicht, ob es mit politischen Entscheidungen möglich ist oder möglich war, Covid fest im Griff zu haben. Vielleicht hat Covid uns alle einschließlich der Regierung mehr im Griff gehabt und auch heute noch mehr im Griff als umgekehrt.“ In der Pandemie, so klagte der Politiker, verstecke sich halt jeder hinter jedem. Und Merkel sei da keine Ausnahme und fügte hinzu: „Bei der Organisation, die wir jetzt haben, kann jeder sagen: ,Nein, ich nicht. Es war der Nachbar. Es war der Bund, das Land, die Kommune, die Europäische Union.’ Jeder zeigt auf den anderen.“ „Für das, was gut läuft, sind immer alle verantwortlich. Für das, was schlecht läuft, sind es meistens die anderen. Und dadurch verliert man Vertrauen in die Politik“, beklagte Bosbach das Pandemie-und Impfstoff-Management in Deutschland und Europa.

Dennoch, sei der ewige Zick-Zack-Kurs aus Berlin sowie die Lockdowns viele Menschen einfach nicht nachzuvollziehen und total unverständlich. Sie erwarten, und haben als Bürger, die dem Staat ihr Vertrauen geschenkt haben, auch das Recht, dass derjenige, der die Kompetenz hat, auch die Verantwortung übernimmt.

 

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