Erster Corona-Patient könnte sich doch in Wuhan-Labor infiziert haben | The European

WHO-Experte schließt Labor-Theorie offenbar nicht mehr aus

Martin Walzer13.08.2021Medien, Politik

Corona hält die Welt weiter in Atem. Die Zahl der Neuinfektionen steigt. Die USA und Israel wurden am Freitag zu Hochrisikogebieten erklärt. Doch woher das Coronavirus seinen Ursprung nahm, gehört nach wie vor zu den ungeklärten Fragen. Jetzt aber hat der WHO-Chefermittler einen neuen Verdacht.

Coronavirus in Wuhan, China, Shutterstock

4,34 Millionen Tote weltweit. Über 200. Millionen haben sich mit dem Virus infiziert – das ist die traurige Bilanz einer der schwersten Pandemien der vergangenen Jahre. Ob das Virus aus einem Labor oder vom Tiermarkt in Wuhan stamme, hält die Welt seit über eineinhalb Jahren in Atem. Ex-US-Präsident Donald Trump machte während seiner Amtszeit keinen Hehl daraus, dass das todbringende Virus aus einem Labor stamme und warf den Chinesen bewusste Vertuschung vor. Peking seinerseits gab sich als Unschuldslamm. Peking hatte eine Untersuchungskommission monatelang hingehalten und keine Laborinspektion zugelassen. Aus Peking tönte als Gegenthese, dass das Coronavirus aus einem Labor des US-Militärs entwichen sei.

Dass sich ein Labormitarbeiter bei Probenentnahmen von Fledermäusen im Feld infiziert habe, sei eine der wahrscheinlichen Hypothesen

Doch nun hat sich der Chefermittler der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ursprung des Coronavirus gemeldet. Entgegen früherer Verlautbarungen hält es Peter Ben Embarek für möglich, dass sich in einem der Wuhan-Labore doch der erste weltweite Corona-Patient durch eine Fledermaus infiziert haben könnte. Wie der Lebensmittelwissenschaftler und Programmmanager, der sich bei der WHO auf Lebensmittelsicherheit und Zoonosen spezialisiert hat, erklärte, sei es ein Mitarbeiter gewesen, „der sich im Feld durch Probenahmen infiziert hat“. Diese Hypothese hält er für die wahrscheinlichste. Damit widerspricht er einer früheren WHO-Bericht, der betonte, dass der Ausbruch des Coronavirus mit der Fledermausforschung in den Laboren von Wuhan nicht zusammenhängt und „extrem unwahrscheinlich” sei.

Zwar hat auch Chefermittler Embarek keine direkten Beweise für seine Vermutung, doch das 13-köpfige Untersuchungsteam der WHO sei auf einige Auffälligkeiten gestoßen. Eines der Labore war Anfang Dezember 2019 umgezogen. Dieses befand sich in unmittelbarer Nähe zum Wildtiermarkt in Wuhan, der in den ersten Dezemberwochen Epizentrum der Ausbreitung des Coronavirus war. Wie Embarek erklärte, sei ein derartiger Umzug immer ein großes Risiko, weil die hochansteckenden Viren transportiert werden müssten. Hier müsse, so der Experte weiter, weiter nachgeforscht werden.

Seit dem Ausbruch der Pandemie im Winter 2019 wird darüber diskutiert, wie das hochinfektiöse Coronavirus auf den Menschen übergesprungen sei. Als eher unwahrscheinlich gilt derzeit das Szenario eines Laborunfalls. Nach dieser wäre das Coronavirus durch einen menschlichen Fehler im Labor freigesetzt worden. Dagegen gewinnt die Hypothese unter Experten immer mehr Kontur, die davon ausgeht, dass das Virus von Fledermäusen über einen Zwischenwirt zum Menschen gelangt sei, es sich also um eine Zoonose handle.

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