Denn sie wissen nicht, was sie tun

von Martin Eiermann8.01.2012Gesellschaft & Kultur, Medien

Christian Wulff steht vor einer medialen Phalanx. Es zeigt sich: Wenn’s hart auf hart kommt, haben harte Kerle immer noch bessere Karten als der nette Präsident von nebenan.

Wenn ein unliebsamer Konkurrent in einen neuen Job weggelobt werden soll, dann darf man vielleicht nicht unbedingt davon ausgehen, dass ebendieser Kandidat auch die notwendigen Qualifikationen mitbringt. Was zählt, ist allein die herrschende Machtkonstellation. Daher sollte es nicht überraschen, dass Herr Wulff sich jetzt als oberster Repräsentant des Landes nicht unbedingt mit dem ihm von Amts wegen her angedachten Ruhm bekleckert. Schlagzeilenträchtig wären also weniger seine Tritte in immer neue Fettnäpfchen als vielmehr Erfolgsmeldungen aus Bellevue: „Bundespräsident erklärt erfolgreich die Welt“. Oder: „Helmut Schmidt arbeitslos: Alle Welt hört jetzt auf Wulff“. Dieser Eventualfall ist nicht eingetreten, Wulff hat seine Skeptiker nicht enttäuscht. Eigentlich könnten wir uns jetzt gemütlich zurücklehnen und ihm dabei zusehen, wie er die Gravitas des präsidialen Amtes munter zersägt und zerredet. Die Würde, von der Sigmar Gabriel noch Ende Dezember gesprochen hat, sie ist schon lange die Spree heruntergespült worden.

Wulff gegen die Phalanx der Medien

Trotzdem zetert die mediale Republik sich seit Wochen zur Weißglut ob des „Betrugs“ und des „Angriffs auf die Pressefreiheit“ durch den Bundespräsidenten. Und obwohl das hier eigentlich eine Medienkolumne ist, habe ich dazu bisher nichts geschrieben, weil es eben aus meiner Sicht nicht allzu viel Sinnvolles zu schreiben gab. Wo war eigentlich die Aufregung, als es in Ungarn wirklich übel um die Pressefreiheit bestellt war (und immer noch ist)? Selbst die Enthüllung, dass Politiker sich im Schoß ihrer Schattennetzwerke allzu sanft geborgen wissen und darüber hinaus das Regieren fürs Allgemeinwohl vielleicht aus den Augen verlieren, ist nun wahrlich nichts Neues. Gut möglich, dass Wulff sich irgendwann in seinen eigenen Stricken verfängt. Gut möglich, dass irgendwann der Rücktritt als einzig mögliche Option bleibt. Solche Eventualitäten ändern aber nichts an der Fragestellung, warum gerade jetzt reflexartig genau diejenigen zu den Waffen springen, die vor weniger als einem Jahr einen penetranten Abschreiber und Blender bis aufs Messer verteidigt haben. Fast – aber auch nur fast – mag man Mitleid mit dem Bundespräsidenten haben: Wohl selten hat sich ein deutscher Politiker in jüngerer Vergangenheit einer solchen medialen Phalanx gegenübergesehen. Als Guttenberg im Frühjahr 2011 endlich zurücktrat,

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