Ich sehe was, was ihr nicht seht

von Martin Eiermann22.11.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

In Kairo kommt es zu neuen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Armee. Wir dürfen uns schon auf die Stimmen freuen, die nach dem Euro auch den Arabischen Frühling für gescheitert erklären.

Zwanzig Tote, Hunderte Verletzte – es ist schwer zu glauben, dass in Ägypten schon in der kommenden Woche Wahlen stattfinden sollen, zum ersten Mal seit dem Sturz Mubaraks. Nur dieses Mal geht das Volk gegen das Militär auf die Straße, gegen die einstigen Garanten der Revolution. Im Frühjahr war auf dem Tahrir-Platz zu hören: „Das Volk und das Militär sind vereint.“ Heute: „Die Armee ist mit Mubarak verbündet.“ Auf den Dächern der umliegenden Gebäude wehen die Fahnen des neuen Ägyptens und drehen sich munter im Wind. Es passiert, was von vielen befürchtet und von einigen geradezu herbeigeschrieben worden ist: Der Arabische Frühling ist nach einem langen (und, im Falle Syriens, einem blutigen) Sommer in den heißen Herbst gemündet. In Damaskus regiert ein Despot mit brutaler Trotzigkeit, in Tunis sind Debatten um einen liberal-säkularen Staat längst abgelöst worden von Diskussionen um die Rolle islamischer Traditionen und Rechtsprechung. Und aus der redaktionellen Sofaecke heraus fragen wir uns: Waren wir zu enthusiastisch? Haben wir das drohende Chaos nicht sehen wollen, das vielleicht unweigerlich an den Zusammenbruch einer jahrzehntealten Autokratie folgen musste?

Prophezeiungen sind schwierig, vor allem über die Zukunft

In seinem hervorragenden Essay zum „Sog der Masse“ hat (der ebenfalls hervorragende) Harald Martenstein

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