Weniger ist mehr

von Marlene Mortler30.07.2015Gesellschaft & Kultur

Alkohol gehört noch immer in vielen gesellschaftlichen Situationen mit zum guten Ton. Dennoch werden wir vielleicht irgendwann keine Promille mehr brauchen, um fröhlich zu feiern.

Der Alkohol spielt in unserer Gesellschaft leider immer noch eine viel zu große Rolle. Die enormen Gefahren werden oft zu leichtfertig weggelächelt. So nach dem Motto „ein Bierchen hat noch keinem geschadet“ oder „auf einem Bein kann Mann nicht stehen“, wird Alkohol zu einem scheinbar ungefährlichen Späßchen stilisiert. Gerade als Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist es mir daher wichtig, dieses Thema immer wieder anzusprechen. Es darf nicht vergessen werden: Jedes Jahr sterben rund 74.000 Menschen an den direkten Folgen ihres Alkoholkonsums.

Reden wir ehrlich über Alkohol! Nur wenn sich die Gesellschaft einen Spiegel vorhalten lässt, kann sie sich auch wandeln. Auch Politik und Politiker sind Teil der Gesellschaft. Wir definieren uns über die Wählerinnen und Wähler, über ihre Ängste und Sorgen, über ihre Lebensentwürfe und ihre Anliegen für ein gerechtes und gesundes Leben. Und wir erleben gemeinsam einen Wandel. Auch im Bundestag setzen immer mehr Abgeordnete und Beschäftigte auf einen gesunden Lebensstil.

Mentale Revolution

Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholvergiftung gehen kontinuierlich zurück, immer mehr Jugendliche trinken gar keinen Alkohol oder trinken bewusst maßvoll. „Komasaufen“ ist nicht mehr cool, stattdessen chillen die Kids heute mit angesagten Trendgetränken – ohne Alkohol. Eine Lebenseinstellung, auch gegen das Gewohnte. Jugendliche wollen sich abgrenzen, wollen anders sein als ihre Eltern und Großeltern. Die heutige Jugend schafft das bravourös. Sie entwickelt sich immer mehr zu guten Vorbildern.

Erinnern wir uns zurück: In den 60er, 70er Jahren wurde selbst im Plenum des Bundestags geraucht, bis die Luft fast gelblich war. Heute sind wir längst rauchfrei. Und heute schauen wir bewusster hin, wenn jemand ein Alkoholproblem hat. Dennoch bleibt es noch ein langer Weg. Denn der Alkohol – so hat es uns die Gesellschaft von klein auf beigebracht – gehört in fast allen Lebenslagen wie selbstverständlich dazu. Ein fataler Irrglaube, der sich in unseren Köpfen festgesetzt hat. Die gesundheitlichen Risiken rücken dadurch in den Hintergrund.

Was wir momentan erleben ist eine mentale Revolution im Umgang mit Alkohol. Ich bin froh darüber, als Drogenbeauftragte diesen Prozess aktiv mitgestalten zu können. Vor wenigen Tagen titelte zum Beispiel die

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