Bewegungslegastheniker vor

von Markus Schwerdtel19.10.2010Gesellschaft & Kultur

Im Wohnzimmer wird mobilgemacht. Wii und Co. holen uns von der Couch und drücken uns den Bewegungscontroller in die Hand. Doch das Gehüpfe ist immer noch kein Ersatz für fingerfertige Analog-Gamer.

Sie haben es mir weggenommen! Seit vielen Jahrzehnten gehören wir zusammen, haben viele, viele Stunden miteinander überstanden. Ich habe es gestreichelt, ich habe es an die Wand geworfen. Ich habe mich draufgesetzt, ich habe es mit Spezialreiniger abgewischt. Wovon die Rede ist? Natürlich vom Joypad, dem Controller, dem “Drücker”. Seit der Videospiel-Steinzeit ist das Joypad das Bindeglied zwischen Mensch und Konsole. Und nun kommt Microsoft, nimmt mir mit Kinect für Xbox 360 diese Verbindung weg – und lässt mich allein und verlassen mitten im Wohnzimmer stehen. Na gut, ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Schließlich sind Eingabemethoden seit jeher das Lieblingsexperimentierfeld der Konsolenhersteller. Schon das Steuerkreuz – damals erfunden von Nintendo – war eine bahnbrechende Neuerung im Vergleich zu den sonst üblichen Drehreglern und Hebeln. Und ein paar Jahre später waren es Analog-Sticks bei Sega Saturn, Nintendo 64 und Playstation, die eine kleine Bedienungsrevolution auslösten. Der Unterschied zu heute: Damals freuten sich die Spieler über die Innovation. Heute aber regiert die Skepsis: Was sollen Microsoft Kinect, Playstation Move und Nintendos Wiimote bringen? Sind sie nicht einfach nur der Versuch der Konsolenhersteller, neue Zielgruppen zu erschließen – ohne dass Gaming-Veteranen etwas davon hätten? Unter anderem auch deshalb, weil die meisten Spiele für die neue Hardware in die Kategorie “Casual-Ramsch” fallen?

Couch vs. fuchteln

Ich bin jedenfalls erst mal vorsichtig. Schließlich habe ich in den letzten Jahren dank vieler Reaktionsspielchen-Einlagen mühsam gelernt, Dreieck-, Quadrat-, X- und Sonstwie-Tasten auf dem Pad in Sekundenbruchteilen blind zu treffen – diese Fertigkeit gebe ich doch nicht jetzt für komisches Gehüpfe wieder auf! Denn genau das ist das Problem: Eigentlich sollte die Bedienung durch intuitiven Finger-, Hand- und Körpereinsatz ja vereinfacht werden. Stattdessen zwingen Kinect, Move & Co. den Spieler jedoch in unnatürliche Posen (etwa zur Kalibrierung oder damit die Erkennung überhaupt klappt), verlangen passende Beleuchtung oder lassen einen gleich die Bude ausräumen, damit ja genug Platz für die Fuchtelei ist. Dazu kommt, dass die Bewegungen zeitlich nicht exakt umgesetzt werden. In der Praxis: Wenn ich im Wohnzimmer die Arme hochreiße, reagiert die Figur auf dem Bildschirm erst etwas später. Dabei reichen schon ein paar Sekundenbruchteile Verzögerung, um die Illusion und damit den Spielspaß zu stören. Mal ganz davon abgesehen, dass Sekundenbruchteile bei einem schnellen Actionspiel zwischen Sieg und Niederlage entscheiden können. Immerhin scheint es meist an der Software zu liegen, ob die Erkennung reibungslos klappt; mit wachsender Entwicklererfahrung dürften sie diese Probleme erledigen. Momentan gibt es aber trotzdem – bei aller Neugier auf die vermeintliche Steuerungsrevolution – durchaus noch handfeste technische Hürden.

Wir können auch Lifestyle

Noch sind Kinect und Playstation Move nur ein Feigenblatt. Microsoft und Sony wollen damit sagen: “Hey, bei uns gibt’s nicht nur Geballer und Nerd-Zeugs, wir können auch Lifestyle und Family!” Ich persönlich jedenfalls bleibe erst mal ruhig sitzen und mache mich nicht vor dem Fernseher hüpfend zum Affen. Wenn irgendwann mal “richtige” Spiele Kinect und Move sinnvoll und technisch einwandfrei nutzen, dann freue ich mich drüber. Sollten die Dinger jedoch nach ein paar Jahren einfach wieder in der Versenkung verschwinden, war ich zumindest bei einem spannenden Videospielexperiment ganz vorne mit dabei.

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