So wichtig wie Essen und Trinken

Markus Berger-de León29.09.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Soziale Netzwerke erreichen Reichweiten wie kaum ein anderes Medium. Das liegt daran, dass sie kostenlos Möglichkeiten zu Kommunikation bereitstellen – einem Grundbedürfnis der Menschheit. Die Erfolge, die Unternehmen über diese schnelle, virale Verbreitung erreichen, sind enorm. Dabei wird erst ein Bruchteil der enormen Möglichkeiten genutzt.

Soziale Netzwerke im Internet haben sich in den letzen Jahren zu einem weltweiten neuen Massenmedium entwickelt. Über 700 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt bewegen sich hier täglich, um sich mit Freunden, Kollegen, alten und neuen Bekanntschaften auszutauschen. Jeder zweite Internetnutzer ist laut einer aktuellen ComScore-Studie in mindestens einem Netzwerk registriert. Alleine die VZ-Netzwerke zählen heute schon über 15 Millionen Mitglieder und wachsen jeden Tag um mehrere Tausend Nutzer. Die Aktivität ist zudem extrem hoch: Täglich werden hier über zwölf Millionen Nachrichten versendet. Darüber hinaus tauschen sich die Nutzer in neun Millionen Gruppen über zahlreiche Themen und Interessen aus. Soziale Netzwerke erreichen Aktivitätsraten und Reichweiten wie kaum ein anderes Medium – ein Endspiel der Fußballweltmeisterschaft oder die Trauerfeier für Michael Jackson einmal ausgenommen. Für viele stellt sich daher die Frage: Warum sind soziale Netzwerke so erfolgreich? Der zentrale Erfolgsfaktor ist – vor allen anderen – die kostenlose Bereitstellung der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten. Denn Kommunikation ist ein Grundbedürfnis der Menschheit. Und je einfacher die Wege und Mittel der Kommunikation sind, desto häufiger und stärker werden sie genutzt. Soziale Netzwerke im Internet decken genau diese Faktoren ab und erreichen nicht nur täglich Millionen Menschen, sondern haben die Kommunikation im Internet und auch in der Gesellschaft grundlegend verändert.

Sinnvolle Erweiterung der Medienangebote

Soziale Netzwerke wachsen – jeden Tag – und entwickeln sich mit ausgewählten Funktionalitäten immer weiter. Die Kommunikation etwa über E-Mail oder Handy wird noch stärker als bisher in den Netzwerken stattfinden. Das Austauschen unter Freunden, Bekannten und Gleichgesinnten – also das soziale Moment – spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das enorme Potenzial, das sich daraus ergibt, haben Medien und Werbetreibende bereits erkannt. Schließlich ist eine Empfehlung für ein Produkt, ein Restaurant, ein Suchergebnis bei Google oder einen Artikel bei Spiegel Online um vieles glaubwürdiger, wenn sie von Freunden kommt. Die Erfolge, die Unternehmen über diese schnelle, virale Verbreitung erreichen, sind enorm: Innerhalb kürzester Zeit verzeichnen zum Beispiel Edel- oder Politikerprofile bei uns mehrere Tausend Anhänger. Insbesondere für die klassischen Medien wie Zeitungen und TV – die heute mit Ihren Inhalten immer weniger Leser und Zuschauer erreichen – ergeben sich große Chancen in sozialen Netzwerken. h6 Die soziale Dreifaltigkeit Sie bieten optimale Voraussetzungen für eine sinnvolle Erweiterung der Medienangebote. Und zwar in dreifacher Hinsicht: Erstens erreichen Sie ihre Zielgruppe dort, wo sie sich aufhält. Zweitens gibt es einen direkten Rückkanal vom Empfänger zum Sender und drittens können sich die Rezipienten untereinander über die Inhalte austauschen und diskutieren. Der Erfolg und die Wichtigkeit sozialer Netzwerke werden auch in Zukunft zunehmen. Andere Medien werden hier noch stärker als bisher integriert. Die Frage ist also nicht, ob soziale Netzwerke auch in 20 Jahren noch erfolgreich existieren, sondern vielmehr, inwieweit sie die Kommunikation noch grundlegender verändern werden. Schließlich stehen wir heute erst am Anfang und nutzen nur einen Bruchteil der unendlichen Möglichkeiten, die das Internet und soziale Netzwerke noch bieten können.

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