Wenn es auf dem Weltfinanzmarkt brennt, dann muss gelöscht werden. Selbst wenn es sich um Brandstiftung handelt. Peer Steinbrück

Homo superior

Jetzt ist er also weg. Auf einen Schlag. An einem Dienstag?! Traurig! Aber wahr. Oder doch nicht? Denn eigentlich kann ein Übermensch doch gar nicht abtreten…

Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Das soll uns zumindest weisgemacht werden. Ich hege Zweifel. Beträchtliche Zweifel. Seit ich Nietzsche gelesen habe. Denn seither bin ich mir sicher: zu Guttenberg ist kein „normaler“ Mensch. Er ist ein homo superior, ein Übermensch. Und Übermenschen treten nicht ab.

Der doppelte Guttenberg

Gerade seit der Plagiatsaffäre glaube ich fest daran, dass der (Noch-)Verteidigungsminister ein solches „höchstes Exemplar“ darstellt. Aus zwei Gründen:

Erstens, während ich die vom niederen Pöbel (Doktoranden) inszenierte Schmierenkomödie um KTzG genauer verfolgt habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Karl-Theodor zu Guttenberg und Kai Diekmann sind ein und dieselbe Person! Wenn das nicht übermenschlich ist, was dann?! Dieser Umstand erklärt dann auch, warum „Gutti 1“ weder betrogen noch gelogen hat: Während er am ministerialen Schreibtisch saß, hat einfach „Gutti 2“ (Codename „Dieki“) seine Arbeit angefertigt. Take that, Oliver Lepsius! (Und dafür braucht man wirklich keinen Psychologen.)

Da bei der „Bild" weder Konsistenz noch sonderliche editorielle Sorgfalt verlangt werden, hat „Gutti 2“ das getan, was er immer tut. Munter drauflos gereimt, bis das Endprodukt dem Willen des Autors entsprach. So ist denn die Missachtung aller wissenschaftlichen Standards in Guttenbergs Arbeit in der Tat nichts anderes als ein lapidares, (über-)menschliches Versehen.

Zweitens, geben Übermenschen Zeichen. Man muss sie nur deuten. Voilà! Die (vermeintlich) letzten Worte des Ministers: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht!“ Ein Zitat, welches der 39-Jährige bewusst gewählt hat, stammt es doch – zumindest wollen das findige Twitter-Nutzer ausgemacht haben – aus dem philosophischen Traktat der Neuzeit: „Star Trek II, Der Zorn des Khan“. Und dieser Khan ist selbstverständlich was? Ein gentechnisch optimierter Übermensch! Volk, hör’ die Signale!

Dr. (Über-)Faust

Aber warum hat sich dann der 39-jährige Familienvater diesem ganzen Stahlbad der letzten Wochen ausgesetzt? Warum hat zu Guttenberg nicht einfach eine Promotion niedergeschrieben, was er – ob seiner übermenschlichen Fähigkeiten – doch spielend leicht zustande gebracht hätte? Auch hierfür liefert Nietzsche die Antwort: Denn jedem homme supérieur wohnt der übermenschliche Wille zur Macht inne.

Und die Macht im Staate, die beansprucht bislang eine andere: Mutti Merkel. Doch der Übermensch wäre nicht Übermensch, wenn er nicht einen gewieften Plan in petto hätte, um möglichst schnell an sein Lebenselixier zu kommen: Vorgetäuschter Rücktritt. Welch ein Plan! Erst die Kanzlerin düpieren, dann die Wahlschlappen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abwarten, um schließlich als Retter der Union und Merkel-Nachfolger zurückzukehren – natürlich in Personalunion mit „Gutti 2“, der sich sodann ein eigenes Propagandaministerium schafft.

So, ihr Intellektuellen und Neider – zu früh gefreut! Denn der Hyperanthropos zu Guttenberg führt euch mit einem wahrlich faustischen Plan hinters Licht. Moment mal! Faust? Ha, da ist er ja wieder, der Doktortitel …

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Mark T. Fliegauf: Das magische Feuer

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Karl-theodor-zu-guttenberg, Philosophie, Plagiat

Kolumne

Medium_e994cea974
von Stefan Gärtner
08.02.2013

Kolumne

Medium_ee80644634
von Jennifer Nathalie Pyka
08.02.2013

Kolumne

Medium_096be94fdd
von Martin Eiermann
07.02.2013
meistgelesen / meistkommentiert