(Mehr) Mut zum Sterben!

von Mark T. Fliegauf20.07.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der Verteidigungsminister fordert ein Ende der Wehrpflicht und alle stimmen zu – warum eigentlich? Denn die Vorzüge einer Berufsarmee sind nicht ersichtlich, schon gar nicht für die Soldaten.

Zu Guttenberg will sie loswerden, Westerwelle auch. Den Grünen war sie von jeher suspekt, der SPD ist sie es geworden. Die Wehrpflicht hat so gut wie ausgedient – nur begründen kann (oder besser: will) dies keiner. Auch Lars Klingbeil lässt in seinem Beitrag gekonnt die Frage offen: Warum braucht Deutschland eigentlich eine Berufsarmee? Aus Kostengründen, wie sie der Verteidigungsminister heranzieht, jedenfalls nicht. Denn zwar fällt durch die Verkleinerung der Truppe ein deutlicher Teil an Lohnausgaben weg. Bei den Umstellungen in anderen NATO-Staaten wurden jene eingesparten Gelder aber zumeist in den Erwerb (und die Entwicklung) von hochmodernem Gerät gesteckt. Somit profitieren aller Voraussicht nach EADS, ThyssenKrupp und Rheinmetall weit mehr als der Bundeshaushalt von einer möglichen Transformation. Zumal der Umbau zur Berufsarmee vor allem eines ist: die Privatisierung der Bundeswehr, im Zuge welcher – ganz nach amerikanischem Vorbild – immer mehr Dienste an private Unternehmen ausgelagert werden.

Politisches Spiel mit dem Leben unserer Soldaten

Was keiner aussprechen will: Dem politischen Berlin dient das Ende der Wehrpflicht als reiner Selbstzweck! Denn eine Armee, die aus den Augen und dem Sinn der Bundesbürger schwindet und zu der die meisten Mittelstandsfamilien jeglichen Bezug verlieren, lässt sich geräuschloser und ohne breite öffentliche Diskussion zu Militäroperationen entsenden. Und so werden mittelfristig mehr Bundeswehrsoldaten in mehr Krisenregionen ihren Helm hinhalten müssen, um – nach offiziellem Sprachgebrauch – “die Sicherheit Deutschlands” zu verteidigen. Die Bundeswehr wird somit zum Jeton im sicherheitspolitischen Elitenpoker des Dreiecks London, Washington und Berlin zweckentfremdet. Die Leidtragenden werden die Soldaten sein; leichtfertig entsandt in den Kampf für eine fragwürdige Sache und ums eigene Überleben. Schon jetzt ist die Bundeswehr ein Quasi-Berufsheer, das sich überwiegend aus Vertretern eines ostdeutschen Prekariats zusammensetzt und am Hindukusch einen Krieg ausficht, dessen Unterstützerkreis sich mittlerweile auf die Berliner Parteizentralen und die Redaktionsräume der Frankfurter Allgemeinen Zeitung begrenzt.

Berufsarmeen verzeichnen mehr Gefallene

Erich Maria Remarque erklärte 1963: “Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die nicht hingehen müssen.” Von denjenigen, die sich vertraglich verpflichten im Ernstfall zu kämpfen, kann man keine Empörung über ihre Entsendung erwarten. Von allen anderen schon? Auch wenn sie keinerlei Beziehungen, keinerlei Verbindung zu dieser gesellschaftlichen “Randgruppe” besitzen? Schon jetzt sterben deutsche Soldaten. Sie sterben leise. In den Worten einer Witwe: “Mein Mann kommt im Zinksarg heim, und kein Mensch schert sich darum.” Nach der Umstellung auf eine Berufsarmee werden noch mehr sterben. Denn im Gegensatz zu Guttenbergs, Westerwelles und Klingbeils (Schein-)Argumenten ist ein Faktum zweifelsfrei nachgewiesen: Demokratische Berufsheere verzeichnen mehr Gefallene als Wehrpflichtarmeen.

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