Die Logik der Bombe

von Mark T. Fliegauf3.08.2010Außenpolitik, Innenpolitik

“Der Iran wird die Bombe bauen”, prophezeit Bestsellerautor Samuel Huntington. Statusdenken, die Politik Israels und seiner US-Verbündeten sind gute Gründe für das Regime in Teheran, atomare Bestrebungen fortzusetzen. Dabei handeln die Machthaber rationaler, als wir es ihnen zugestehen wollen.

Im grauen Hörsaal mit den schwarzen Plastikstühlen sitzen die Studenten sogar auf den Stufen, als sich Harvard-Professor und Bestsellerautor Samuel Huntington (“Clash of Civilizations”) dem Iran widmet. Und schon nach einem Satz stockt ihnen der Atem. Der Iran, so Huntington, werde eine Atommacht und sich die Bombe aneignen. Zwar wollen die Vereinigten Staaten im Verbund mit Israel einen atomaren Iran verhindern, doch militärische Mittel werden dies nicht bewerkstelligen können. Denn das Regime von Mahmud Ahmadinedschad besitzt drei relevante Gründe, nach der Bombe zu streben: Statusdenken, Israel und Amerika.

Irans Gründe für die Bombe

Der Iran hat die Größe, Bevölkerungszahl und Militärpräsenz, um die dominante Regionalmacht im Nahen Osten darzustellen. Einem solchen Anspruch steht die Realität einer persischen Außenseiterrolle gegenüber, weil die schiitische Theokratie den meisten säkularen Machthabern und ihren überwiegend sunnitischen Gesellschaften im Vorderen Orient suspekt erscheint. Darüber hinaus bildet das israelische Atomwaffenpotenzial eine wirkungsmächtige Restriktion der iranischen Ambitionen. Doch die Bombe würde den Iran schlagartig über seine sunnitischen Nachbarn hieven und auf eine machtpolitische Stufe mit Israel stellen. Eine atomare Rückschlagsmöglichkeit diente als Abschreckung gegen etwaige Militäraktionen Israels und seines Hauptverbündeten, den Vereinigten Staaten. Gerade das amerikanische Vorgehen im Irak hat zu verstärkten iranischen Bestrebungen zum Bau der Bombe gesorgt, um gegen ein ähnliches Schicksal gewappnet zu sein.

Wie böse ist der Iran?

Der Iran hat also jenseits aller antiisraelischen Vernichtungsrhetorik gute Gründe, sich in den exklusiven Club der Atomwaffenstaaten einzureihen. Was die Frage aufwirft: Wie böse ist der Iran? Und wie wahrscheinlich wäre ein offensiver Militärschlag des Mullah-Regimes gegen Israel? Denn bisher haben Atomwaffenstaaten einen eindrucksvollen Hemmreiz entwickelt, die so mühsam und kostspielig akquirierte Bombe einzusetzen. Politische Führer – und dies trifft auf Diktatoren und autokratische Herrscher ebenso zu – sind erstaunlich rational. Wir können daher annehmen, dass der “Irre aus Teheran” so irr(ational) gar nicht ist. Was wäre die Konsequenz eines atomaren Angriffs auf Israel? Der antisemitische Hetzer und kaltblütige Diktator Ahmadinedschad kann sich ausrechnen, dass ein amerikanischer Gegenschlag, der die völlige Auslöschung des Iran bedeuten könnte, unausweichlich wäre. Eine Lösung des Problems “Iran” bedarf daher einer konsequent gedachten und umgesetzten Strategie für den ganzen Nahen Osten. Leider sind die Vereinigten Staaten davon weiter entfernt denn je. _Dieser Beitrag beruht auf dem Gedächtnisprotokoll einer Vorlesung von Samuel Huntington an der Harvard University im März 2006. Er hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt._

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