Super Fake

Mark T. Fliegauf7.03.2012Außenpolitik, Innenpolitik

Selbst am Super Tuesday spielen die republikanischen Kandidaten nicht die erste Geige. Die Macht in der Partei halten andere.

Mitt Romney hat es geschafft. Er wird der republikanische PrĂ€sidentschaftskandidat und Herausforderer von Barack Obama. Wenngleich sein “Sieg am Super Tuesday(Link)”:http://www.huffingtonpost.com/2012/03/06/super-tuesday-results-2012_n_1316235.html – gerade im so wichtigen Ohio („As Ohio goes, so goes the nation“) – wahrlich nicht ĂŒberzeugen konnte. Doch spielt es ĂŒberhaupt eine Rolle, wen die Republikaner ins Rennen ums Weiße Haus schicken? Eigentlich nicht. Denn all ihre Kandidaten haben eines gemein: Sie sind mindestens genauso “unbeliebt(Link)”:http://www.washingtonpost.com/blogs/the-fix/post/voters-to-gop-candidates-we-dont-like-any-of-you/2012/03/05/gIQAux9ltR_blog.html?wprss=rss_politics bei unabhĂ€ngigen WĂ€hlern wie bei ihrem eigenen Parteivolk. Gerade einmal sechs von zehn Republikanern sehen Romney in einem positiven Licht und damit fĂ€hrt der ehemalige Gouverneur von Massachusetts immer noch besser als Rick Santorum (58 Prozent), Ron Paul (44 Prozent) und Newt Gingrich (42 Prozent). Wundert es bei so wenig elektoralem RĂŒckhalt wirklich, dass die Spitzenkandidaten nur die zweite (oder dritte, oder vierte) Geige in ihrer Partei spielen?

Money …

Denn der erste Sieger stand schon fest, bevor ĂŒberhaupt ein Stimmzettel in Ohio, Georgia oder Idaho den Weg in die Wahlurne fand: Big Money. Mitt Romney schaltete nur in Ohio Wahlspots, deren Kosten sich auf 1,2 Millionen Dollar beliefen. Sein Super PAC dagegen ließ sich „unabhĂ€ngige“ Wahlkampfwerbung fĂŒr Romney “einiges kosten(Link)”:http://www.nytimes.com/2012/03/03/us/politics/super-pacs-not-campaigns-do-bulk-of-ad-spending.html?_r=3: vier Millionen Dollar in Ohio und nochmals sieben Millionen in den anderen Super-Tuesday-Staaten. Dagegen sind Christian Wulffs Hotel- und Reisekosten wahrlich nur Peanuts. Und so fragt selbst die (erz-)konservative “„Washington Post“(Link)”:http://www.washingtonpost.com/opinions/super-tuesdays-winner-big-money-politics/2012/03/05/gIQAZtubuR_story.html?wprss=rss_opinions, ob hier nicht legale Korruption unter der Nase der WĂ€hler und Medien stattfindet? Zumal der Einfluss anderer „unabhĂ€ngiger“ Organisationen wie Americans for Prosperity, ĂŒppig ausgestattet mit Geldern von Big Business, auf die republikanische Wahlkampfmaschine immer mal wieder (allerdings stets nur ansatzweise) “aufgedeckt(Link)”:http://www.nytimes.com/2012/03/06/us/cato-institute-and-koch-in-rift-over-independence.html?partner=rss&emc=rss wird.


 und Meinung

Weit mehr im Scheinwerferlicht, wenngleich mit ebenso fraglicher Wirkung, operiert die zweite SĂ€ule in der republikanischen Machtstruktur. Rush Limbaugh und andere ultra-konservative Moderatoren, deren Talk-Radio-Shows tĂ€glich Millionen von Amerikanern (mis)informieren und zu mobilisieren vermögen. Bezeichnend: Als Limbaugh in der vergangenen Woche eine Studentin, die sich fĂŒr die Erstattung der Pille durch ihre Krankenkasse einsetzte, als „Prostituierte“ und „Schlampe“ bezeichnete, löste er einen landesweiten “Sturm der EntrĂŒstung(Link)”:http://abcnews.go.com/blogs/politics/2012/03/the-rush-limbaugh-advertiser-exodus-continues-as-22-companies-pull-ads/ aus. Lediglich die republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten, ebenso wie andere GOP-GrĂ¶ĂŸen, konnten sich nicht zu einer expliziten Kritik an Limbaugh durchringen. So rief der konservative Kommentator George Will aus, was ohnehin lĂ€ngst kein Geheimnis mehr ist: Dass Romney & Co. in weiten Teilen des Landes – vornehmlich im SĂŒden und mittleren Westen – auf die Mobilisierungsmaschinerie von Limbaugh, Sean Hannity oder Michael Savage angewiesen sind und deshalb regelrecht “Angst vor deren Zorn(Link)”:http://abcnews.go.com/blogs/politics/2012/03/george-will-republican-leaders-are-afraid-of-rush-limbaugh/ haben. So wird dann der Super Tuesday zum Super Fake. Denn die Macht halten bei den Republikanern diejenigen, die gerade nicht zur Wahl stehen.

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