Es ist schon verrückt, was der Fußball aus mir macht. Oliver Kahn

Super Fake

Selbst am Super Tuesday spielen die republikanischen Kandidaten nicht die erste Geige. Die Macht in der Partei halten andere.

Mitt Romney hat es geschafft. Er wird der republikanische Präsidentschaftskandidat und Herausforderer von Barack Obama. Wenngleich sein Sieg am Super Tuesday – gerade im so wichtigen Ohio („As Ohio goes, so goes the nation“) – wahrlich nicht überzeugen konnte. Doch spielt es überhaupt eine Rolle, wen die Republikaner ins Rennen ums Weiße Haus schicken? Eigentlich nicht.

Denn all ihre Kandidaten haben eines gemein: Sie sind mindestens genauso unbeliebt bei unabhängigen Wählern wie bei ihrem eigenen Parteivolk. Gerade einmal sechs von zehn Republikanern sehen Romney in einem positiven Licht und damit fährt der ehemalige Gouverneur von Massachusetts immer noch besser als Rick Santorum (58 Prozent), Ron Paul (44 Prozent) und Newt Gingrich (42 Prozent). Wundert es bei so wenig elektoralem Rückhalt wirklich, dass die Spitzenkandidaten nur die zweite (oder dritte, oder vierte) Geige in ihrer Partei spielen?

Money …

Denn der erste Sieger stand schon fest, bevor überhaupt ein Stimmzettel in Ohio, Georgia oder Idaho den Weg in die Wahlurne fand: Big Money. Mitt Romney schaltete nur in Ohio Wahlspots, deren Kosten sich auf 1,2 Millionen Dollar beliefen. Sein Super PAC dagegen ließ sich „unabhängige“ Wahlkampfwerbung für Romney einiges kosten: vier Millionen Dollar in Ohio und nochmals sieben Millionen in den anderen Super-Tuesday-Staaten.

Dagegen sind Christian Wulffs Hotel- und Reisekosten wahrlich nur Peanuts. Und so fragt selbst die (erz-)konservative „Washington Post“, ob hier nicht legale Korruption unter der Nase der Wähler und Medien stattfindet? Zumal der Einfluss anderer „unabhängiger“ Organisationen wie Americans for Prosperity, üppig ausgestattet mit Geldern von Big Business, auf die republikanische Wahlkampfmaschine immer mal wieder (allerdings stets nur ansatzweise) aufgedeckt wird.

… und Meinung

Weit mehr im Scheinwerferlicht, wenngleich mit ebenso fraglicher Wirkung, operiert die zweite Säule in der republikanischen Machtstruktur. Rush Limbaugh und andere ultra-konservative Moderatoren, deren Talk-Radio-Shows täglich Millionen von Amerikanern (mis)informieren und zu mobilisieren vermögen. Bezeichnend: Als Limbaugh in der vergangenen Woche eine Studentin, die sich für die Erstattung der Pille durch ihre Krankenkasse einsetzte, als „Prostituierte“ und „Schlampe“ bezeichnete, löste er einen landesweiten Sturm der Entrüstung aus.

Lediglich die republikanischen Präsidentschaftskandidaten, ebenso wie andere GOP-Größen, konnten sich nicht zu einer expliziten Kritik an Limbaugh durchringen. So rief der konservative Kommentator George Will aus, was ohnehin längst kein Geheimnis mehr ist: Dass Romney & Co. in weiten Teilen des Landes – vornehmlich im Süden und mittleren Westen – auf die Mobilisierungsmaschinerie von Limbaugh, Sean Hannity oder Michael Savage angewiesen sind und deshalb regelrecht Angst vor deren Zorn haben.

So wird dann der Super Tuesday zum Super Fake. Denn die Macht halten bei den Republikanern diejenigen, die gerade nicht zur Wahl stehen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Mark T. Fliegauf: Das magische Feuer

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