Man kann sagen: Viagra schuf mehr Härtefälle als Rot-Grün. Harald Schmidt

Der angeschmierte Präsident

Das farblose Staatsoberhaupt hat seinen Anstrich verpasst bekommen. Weil er Selbstimportanz nicht mit Selbstdisziplin in Einklang bringen konnte.

Angeschmiert. So lässt sich Christian Wulffs derzeitige Situation charakterisieren. Achtzehn lange Monate hat das farblose Staatsoberhaupt nach einem roten Faden gesucht – nun hat Wulff stattdessen einen Anstrich verpasst bekommen. Schuld daran trägt er selbst: erst Kredite, dann Urlaubsreisen und zuletzt die unheilvollen Anrufe bei „Bild“-Chef Kai Diekmann und der letzten Springer-Instanz Mathias Döpfner – kein Farbtopf beziehungsweise Fettnapf zu klein, als dass der Bundespräsident nicht zielsicher den Weg hineingefunden hätte.

Wasser gepredigt, Wein getrunken

Und so wird Wulffs politische Vita (egal, ob er im Amt bleibt oder nicht) stets mit demselben Aufdruck versehen sein: „Wasser gepredigt, Wein getrunken“. Zu Recht. Denn nur mit einem gehörigen Maß an Heuchelei kann ein Staatsoberhaupt zehn Tage nach seiner misslungenen Intervention erklären, dass für ihn „[d]ie Presse- und Rundfunkfreiheit … ein hohes Gut“ darstelle.

Für Christian Wulff ist solche Janusköpfigkeit keine Ausnahme. Während er bereitwillig über seine finanziell karge Jugend berichtete, schwieg er lieber über seine erste, in dieser Zeit erstandene Rolex. War er nach außen immer bescheiden, kokettierte er im vertrauten Kreis mit seiner Beliebtheit. Doch es gibt kein richtiges Leben im falschen. Und so hat Theodor Adornos Diktum nun also auch den Bundespräsidenten eingeholt.

Selbstimportanz & Selbstdisziplin

Als sie ihn für das höchste deutsche Staatsamt vorschlug, merkte Angela Merkel an, Wulff sei mit einem „Wertesystem verhaftet, das Orientierung“ gebe. Nun stolpert Wulff darüber, dass er seinem proklamierten Wertekanon aus Redlichkeit, Aufrichtigkeit und persönlicher Integrität nicht hat folgen können. Und ist damit kein Einzelfall, wenn wir uns die Affären um Christian von Boetticher und Karl-Theodor zu Guttenberg in Erinnerung rufen.

Alle drei Unionspolitiker sind an derselben Schwäche gescheitert. Sie alle haben die für die Politik nötige Selbstimportanz besessen. Nur an der ebenso nötigen Selbstdisziplin hat es ihnen gemangelt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Mark T. Fliegauf: Das magische Feuer

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