Das ist eine klassische journalistische Behauptung. Sie ist zwar richtig, aber sie ist nicht die Wahrheit. Helmut Kohl

Friede, Freude, Funklöcher

Unfassbar! Die personifizierte Friedenstaube Tony Blair ist zum Abschuss freigegeben! Dabei verdanken ihm die Palästinenser Frieden, Wohlstand – und Mobiltelefone…

Diese Palästinenser! Haben mit ihrem Aufnahmeantrag zu den Vereinten Nationen doch tatsächlich Bewegung in den eingeschlafenen Friedensprozess gebracht und damit ganz nebenbei das Nahost-Quartett vor den Kopf gestoßen. Selbiges hat natürlich umgehend reagiert und – Wait for it! – zu neuerlichen “Verhandlungen aufgerufen”. Löblich, löblich.

Nun wäre nur noch eine klitzekleine Frage offen: Was genau hat das Quartett, allen voran sein Repräsentant Tony Blair, denn eigentlich die letzten Jahre so gemacht? Aber bitte, kein vorschnelles Urteil! Immerhin war Blair unermüdlich im Einsatz für Frieden und Prosperität…

(Weit-)Verzweigte Wege zum Frieden

Und Krisendiplomatie ist nun wahrlich kein Zuckerschlecken! So musste Blair seit 2007 beinahe wöchentlich zwischen den Konfliktherden des Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi (wo er den Investment Fund der örtlichen Herrscherfamilie berät), Richard Bransons Safari-Resort in Südafrika und der Weltmacht Dubai (auch hier ist er als strategischer Berater tätig) hin- und herjetten.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie sehr der gute Tony dabei auf die Annehmlichkeiten seines neu erworbenen Landsitzes (6,5 Millionen Euro) und seines Londoner Anwesens (immerhin vier Millionen Euro) hat verzichten müssen. Zumal er die weitaus meiste Zeit, so scheint es, in der libyschen Wüste verbrachte. Schließlich führt der Weg zum Frieden in Israel durch Gaddafis – nun leider unauffindbares – Zelt.

Doch genug! Blair war oft genug in Israel. Vorzugsweise im luxuriösen American Colony Hotel. Aber auch am Jordan, wie bei der Taufe von Rupert Murdochs Tochter. Deren Patenschaft nahm er übrigens mindestens genauso ernst wie sein Versprechen, den Palästinensern auf der anderen Seite des Flusses nicht nur zu Frieden, sondern auch zu Wohlstand zu verhelfen. Leben doch zwei Drittel von ihnen in bitterer Armut.

Friede, Freude, Funklöcher

Was aber benötigen diese analphabetisierten Hungerleider, um ihrem Schicksal zu entrinnen? Klar, Mobiltelefone! Wie soll man denn auch einen Job finden, wenn man ständig im Funkloch hängt?! Also verschaffte Blair dem Mobilfunkunternehmen Wataniy den Zugang zu Radiofrequenzen im Westjordanland, die bislang von Israel geblockt wurden. Genial! Und ganz nebenbei ermöglichte er in Verhandlungen mit israelischen Behörden die Erschließung eines Gasfeldes vor der Küste Gazas.

Nun ja, sowohl der britische Gasförderer BG als auch Wataniy sind Klienten der amerikanischen Investmentbank J.P Morgan. Aber Investitionen in die Zukunft Palästinas lassen sich eben nur mit Glaube, Hoffnung und einem gehörigen Schuss Venture Capital realisieren. Das weiß niemand besser als Tony Blair, schließlich steht er selbst bei J.P Morgan unter Vertrag – als strategischer Berater für knapp 2,5 Millionen Euro pro Jahr. So what?

Doch schon wollen Neider und „Gutmenschen“ Blair hier einen Interessenkonflikt unterjubeln. Ja, wissen die denn überhaupt was das ist? Soll ich eine private Einkaufstour in Londons Armani-Boutique absagen, nur weil in Gaza Kriegszustand herrscht – DAS ist ein Interessenskonflikt! Und Gott sei Dank hat sich der Friedensdiplomat Tony Blair seine Prioritäten noch nie durcheinanderbringen lassen: Giorgio, here I come!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Mark T. Fliegauf: Das magische Feuer

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