Höhere Gewalt

von Mark T. Fliegauf8.02.2012Außenpolitik, Innenpolitik

Im Winter stehen oft die Züge still – man darf trotzdem nicht den Bezug zur Welt verlieren.

Ich sitze fest. Im Zug, in Günzburg, im bayerisch-schwäbischen Niemandsland. Vielen Dank, liebe Bahn! Der Frost kriecht lautlos durch die offene Waggontür und unaufhaltsam in meine Knochen. Doch während ich zittere, kann ich nicht einmal genau sagen, ob dies auf die Kälte oder mein inneres Kochen zurückzuführen ist. Denn seit einer Stunde sind dieser Zug und ich nun schon schweigend vereint – ich sitzend, er stehend. Die Waggontür schließt auch nach mehreren Anläufen nicht. Im Gegensatz zu dem Gate am Flughafen, welches ich nun mit absoluter Sicherheit nicht mehr erreichen werde. Dabei kommt ein erneuter Schwall an Wut in mir hoch. Zeit ist schließlich Geld und von beiden hat unsere Generation überraschend wenig. Und so wächst mein Entschluss: Das zahl’ ich dir heim, Deutsche Bahn!

Still(e)stand

Denn was mich so wütend macht, ist nicht der Ausfall meines Zuges an sich. Es ist dieses unbeteiligte Schweigen: keine Anzeige, keine Ansage, keine Durchsage. Nichts. Alleingelassen fühle ich mich, und meinen Sitznachbarn geht es offenbar nicht anders. Nur der grau melierte Herr im Anzug hat einen Weg gefunden, die Stille zu durchbrechen und seine Wut zu kanalisieren. Der Weg hat ihn zum Führerhaus gelotst. Eben dorthin, wo jegliche Navigation stillsteht. Also poltert er nun auf den Lokführer ein und ich fange Fetzen wie „Unverschämtheit“, „Termin“ und „Ulm“ auf. Als ob dies etwas nützen würde. Nein, denke ich mir, ich will die Bahn treffen und keinen unschuldigen Lokführer. Also werde ich an jenes gehen, das ihr zum Maß aller Dinge geworden ist – an ihr Geld.

Die Frage

Und so gehe ich mit kühlem Genuss, als ich dann endlich am Ulmer Hauptbahnhof ankomme, ins nebengelegene Hotel der Bahn und buche zuerst einmal einen neuen Flug: 161 Euro. Die Nutzungsgebühr der Workstation werde ich mir auch zurückerstatten lassen: 3 Euro. Und im Kopf überschlage ich, auf wie viel sich der Verdienstausfall belaufen wird. Alles, liebe Bahn, einfach alles werde ich dir in Rechnung stellen. Selbst die gerade erstandene Quarktasche, die ob ihrer lieblichen Süße so gar nicht nach Bahnhofsbäckerei schmecken will. Nun stehe ich also am Schalter und frage nach dem Erstattungsformular. „Des könnet Sie scho haben“, schnurrt die freundliche Katze im bahnspezifischen, nadelgestreiften Wolfspelz hervor. „Nützen wird Ihnen des nix.“ „Wenn Sie sich da mal nicht täuschen“, erwidere ich mit gespielter Überheblichkeit. „Des tu i ned“, schallt es zurück. „Da hat sich einer vor die Gleise g’worfen, des isch höhere Gewalt.“ Wie angewurzelt bleibe ich stehen, gebe ihr das Formular zurück, schaue in der Eingangshalle auf das blaue Meer der überdimensionalen Anzeigetafel. Und frage mich hier, inmitten des Ulmer Bahnhofs, wann ich solch ein selbstzentrierter Schnösel geworden bin.

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