Griechenlands Geschenk

Mark T. Fliegauf22.06.2011Außenpolitik, Innenpolitik

Griechenland hat Europa Namen und kulturelle Identität verliehen. Nun wird es das politische Projekt in eine neue Lebensphase führen. Denn die griechische Krise agiert als Katalysator der europäischen Integration.

Staatsbankrott hin, “Solarstromexport(Link)”:http://www.zeit.de/2011/26/Interview-Schaeuble/seite-3 her. Die Griechen werden es schaffen. Und mit ihnen die europäische Währung. Trotz “malthusischer Prognosen(Link)”:http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/griechenland-krise-finanzprofis-fuerchten-um-deutschen-aufschwung_aid_638777.html und “vorschneller Schuldzuweisungen(Link)”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769386,00.html. Sie waren es, die Europa erst ins Leben gerufen haben. Sie haben dem Kind den Namen gegeben und ihm gleichzeitig die Errungenschaften der abendländischen Kultur in die Wiege gelegt. Und nun führen sie den politischen Jüngling in einen neuen Lebensabschnitt. Dabei hat auch die politische Einigungsidee ihren Ursprung in der Ägäis. Doch der Panhellenismus scheiterte. Dafür könnten die Griechen nun ganz unfreiwillig zum Vater des politischen Paneuropäismus werden. Denn ihre Krise wird die Europäische Union nicht spalten. Ganz im Gegenteil. Sie hat die Integration bereits vorangetrieben und wird dies noch weiter tun.

Europa als Solidargemeinschaft

Im Zuge der griechischen Schuldenkrise hat das Solidarprinzip nun auch offiziell Einzug in die europäische Politik gehalten. Daran mögen auch kleinkarierte, nationale Petitionen nichts ändern. Ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht, wir haben de facto einen pan-europäischen Länderfinanzausgleich, auch wenn dieser unter dem Damoklesschwert des griechischen Staatsbankrotts operiert. Und diesem liegt mehr als die nationale Eigennutzmaximierung oder die Vermeidung einer neuerlichen (Welt-)Wirtschaftskrise zugrunde. Solidarität kann Verbundenheit mit und Unterstützung der Ziele anderer bedeuten. Sie bezeichnet aber ebenso den Zusammenhalt zwischen Gleichgesinnten. Und es ist im letzten Sinn, dass Deutsche, Franzosen et al. den Griechen im Rahmen einer Solidargemeinschaft zur Seite stehen – wenngleich zähneknirschend. Denn es geht ums große Ganze, die Erhaltung der wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas.

Impetus für europäische Strukturen

Deshalb wird es nicht bei der bloßen Errichtung eines “dauerhaften Rettungsfonds(Link)”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769416,00.html bleiben, mit dem in Zukunft schneller und effizienter auf finanzielle Schieflagen in Mitgliedstaaten reagiert werden kann. Mittelfristig werden gemeinsame Institutionen inklusive verfestigter Problemlösungs- und Entscheidungsmechanismen folgen (müssen). Dies bedeutet nichts anderes als einen weiteren Integrationsschub für das europäische Projekt. Denn auf Dauer werden sich die Mitglieder der Union nicht damit zufriedengeben, dass bei deutsch-französischen Gipfeltreffen oder ad hoc einberufenen Gesprächen zwischen Regierungschefs und IWF über das gemeinsame Schicksal entschieden wird. So mag sich die griechische Krise letztlich als ein Segen für Europa erweisen.

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