Die Geld- und Schuldenfalle

von Mark Calabria29.12.2010Wirtschaft

Wenig hat sich an den Finanzmärkten verändert. Das Geld sitzt immer noch zu locker, Banken erwirtschaften Gewinne immer noch aus der Kreditvergabe anstatt aus Eigenkapital. Wir müssen das System nicht umwerfen, mehr Marktdisziplin einführen müssen wir schon.

In den letzten sechs Monaten haben die Bankenaufsichten schon mehrere Ehren- und Jubelrunden gedreht, da die Verhandlungen zur Baseler Eigenkapitalvereinbarung schneller verliefen als erwartet und der US-Kongress den Dodd-Frank-Act verabschiedete. Die Selbstbeweihräucherung war allerdings voreilig und unangebracht; Behörden und Gesetzgeber haben in Wahrheit nur wenig getan, um die Ungleichgewichte und die perversen Anreize, die zur Finanzkrise geführt haben, umzukehren. Während Basel III mit der Zeit mehr Kapital in das Bankensystem bringen wird, werden die Anreize für Banken weiter in die Richtung gehen, Hypotheken- und Staatsschulden aufzuladen. Es ist kein Zufall, dass genau diese beiden Bereiche die Quelle für die schlimmsten Probleme während der Finanzkrise waren. Krisen wie die in Griechenland oder bei Fannie Mae sind nicht ohne Risiko, und jedes System der Bankenüberwachung, das ihre Schulden als risikofrei behandelt, lädt das Unheil ein.

Wir brauchen mehr Marktdisziplin

Zwingt man Finanzinstitutionen dazu, als subventionierte Nachfragequelle für Regierungs- und Hypothekenschulden zu agieren, führt das dazu, dass diese Sektoren auf Kosten von produktiven Investitionen Kapitalzuwächse verzeichnen. Dies wird schließlich zu einem niedrigeren Wachstum führen. Das wichtigste Ziel einer Reform hätte die Rückkehr von Marktdisziplin auf unsere Finanzmärkte sein sollen. Implizite und explizite Garantien durchdringen das Finanzsystem und führen zu einer weitverbreiteten subjektiven Risikoanhebung und der Vernachlässigung von Risiko. Indem sie eilig Gläubiger schützten, haben die Regierungen den Niedergang von Marktdisziplin beschleunigt. Durch Festschreibung der FDIC-Garantie für Bankschulden und das Anheben der Einlagensicherungsgrenze hat Dodd-Frank das Verlustrisiko für alle Absichten der Bankgläubiger eliminiert. Das wäre kein grundlegendes Problem, wenn Banken wesentliches Eigenkapital besäßen. Aber selbst mit Basel III wird die Hauptquelle der Bankenfinanzierung weiterhin die Kreditvergabe sein und nicht Eigenkapital. Die Banken – und übrigens auch die Finanzminister – wären verrückt, ihre Verschuldungsgrenze mehr als vorgeschrieben zu reduzieren angesichts der großen Steueranreize von Schulden im Vergleich zu Eigenkapital. Die meisten nationalen Abgabenordnungen subventionieren Schulden, indem sie Zinszahlungen absetzbar machen, aber Gewinne beim Eigenkapital besteuern. Diese Behandlung treibt einen großen Keil zwischen die Kosten von Schulden und Eigenkapitalfinanzierung. Der massive Verschuldungsgrad, der zur Finanzkrise beigetragen hat, hätte für niemanden eine Überraschung sein sollen. Die Enttäuschung ist, dass diese Steuerverzerrungen bestehen bleiben.

Fortschritt – Fehlanzeige!

Auch die Reform unserer Geldsysteme macht keine Fortschritte. Schlecht gehandhabte Geldpolitik von Zentralbanken in der ganzen Welt, vor allem der FED, trug zum Entstehen von Spekulationsblasen bei. Währungsmanipulationen führten zu Ungleichgewicht, das die weltweiten Kredit- und Produktmärkte verzerrte. Die jüngsten Maßnahmen der FED, inklusive einer neuen Runde quantitativer Lockerung, deuten daraufhin, dass die Währungshüter weitermachen wie bisher, anstatt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Während ein gewisser Grad der Ruhe auf die Finanzmärkte zurückgekehrt ist, ist das mit Sicherheit nur der Vorbote weiterer Probleme. Die Kräfte, die die Finanzkrise auslösten – leicht verfügbares Geld, fehlbewertete oder versteckte Regierungsgarantien und steuerbasierte Schuldensubventionierung –, all das bleibt bestehen. Die sofortige Aufmerksamkeit für diese Ungleichgewichte ist erforderlich, wenn wir die Hoffnung haben, eine Wiederholung der jüngsten Finanzkrise zu vermeiden.

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