Die USA haben keine besseren Partner als die Europäer. Philip Murphy

An der Reihe

Moderne Kirchenfrauen tun sich schwer mit dem Vatikan. Die Papst-Wahl ist die perfekte Gelegenheit, um sie wieder an Bord zu holen und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Über die Hälfte der 1,196 Milliarden Katholiken weltweit sind Frauen. Viele, vor allem in Europa, tun sich schwer mit ihrer Kirche. Zölibat, Kondome, Aids, Beratung von Schwangeren und Ökumene – das sind nur einige der diskutierten Themen. Jetzt, in der Sedisvakanz (leerer Stuhl Petri) könnten die Weichen für eine Neu-Positionierung der katholischen Kirche gestellt werden. Im Sinne der Frauen. Für die Frauen dieser Welt. Sicher – es sind nur Männer, die ihren neuen „Papa“ wählen. Katholische Kardinäle, denen man nicht unbedingt eine große Leidenschaft für das Thema Frauen in der Kirche nachsagen kann.

Ein erster Schritt im Vatikan

Aber es bewegt sich was. Als sich zwischen der päpstlichen Rücktrittsankündigung und dem endgültigen Rücktritt die 66 schwarz gekleideten Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe zur lange angesagten deutschen Bischofskonferenz in Trier trafen, zog sich zum ersten Mal die Frage nach der Zukunft der katholischen Kirche wie ein roter Faden durch die Gespräche. Da ging es dann überraschenderweise um „Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche“. Um die Förderung von Frauen im Kirchendienst und in den Gemeinden. Immerhin – das gab es noch nie – waren 16 Referentinnen geladen, um den Bischöfen wieder einmal deutlich zu machen, wie sehr männerdominiert diese ihre Kirche ist. Auch da, wo Leitungsfunktionen nicht mit Priestern besetzt sind. Nur 13 Prozent solcher Ämter haben Frauen inne. „Wir können es uns als Kirche nicht leisten, auf die Kompetenzen und Charismen von Frauen zu verzichten“, das sagte immerhin der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Einen bundesweiten Frauenförderplan hat es dann leider doch nicht gegeben.

Nun tagen sie also in Rom, die 120 wahlberechtigten Kardinäle dieser Welt. Wählen den neuen Papst im Konklave. Mag sein, dass die sechs deutschen Vertreter erzählen werden, was auf der Bischofskonferenz diskutiert wurde. Kurienkardinal Walter Kasper, der emeritierte Präfekt des Ökumene-Rates der Kurie in Rom, hat zwar den deutschen Kollegen gleich zu Beginn erklärt, dass es das Priestertum der Frau nicht geben wird. Aber auch in Rom denke man über ein eigenes Diakonat für Frauen nach. Nicht als Weihe-Amt, sondern mit einer Segnung verbunden. Wie bei den Äbtissinnen. Etwas, das es schon in der frühen Kirche gegeben habe. Also ein Diakonat der Frau – na, wenigstens ein erster Schritt im Vatikan.

Aber das größte Problem der katholischen Kirche ist der Priestermangel. Dies hat der alte Papst nicht angepackt. In ganz Europa gibt es inzwischen Tausende an Pfarrern, die drei, vier Pfarreien versorgen müssen. In der Dritten Welt existieren Pfarreien, die bis zu drei Monate auf eine richtige Messe warten.

Und hier schließt sich für mich der Kreis: Mehr Frauen in der katholischen Kirche an entscheidenden Stellen, ja, auch als Priesterinnen, könnten dieses Defizit auffangen. Auch mit ihren Argumenten das Verhältnis der Kirche zu Sexualität in der modernen Gesellschaft verbessern. Die Themen Kondome und Aids neu diskutieren. Die Kirche den Menschen wieder näherbringen. Die Missbrauchsskandale transparent machen, aufklären und sich bekennen: hier sind Priester an Minderjährigen unglaublich schuldig geworden. Das darf nicht ungesagt, ungeschehen bleiben.

Moderne Frauen tun sich mit der Kirche schwer

In den letzten fünf Jahren haben die Frauenorden in der Welt, also quasi die Fuß-Truppe, die Infanterie der Kirche im Schulwesen, im karitativen Bereich, in den Krankenhäusern – diese Frauenorden haben mehr als 50.000 Mitglieder verloren. Warum wohl? Weil sich die katholischen Frauen der Moderne schwer tun mit ihrer zum Teil rückwärts gewandten Kirche. Hier muss ein neuer Papst nachdenken, ansetzen. Mit Ernennungen nicht wieder die ewig Gestrigen befördern. Es sollten die zu hören sein, die zwar Papabili, aber auch mutig und reformbereit sind. Jetzt ist die Zeit. In der Sedisvakanz. Da sind diejenigen gefragt, die offen reden, die sich trauen, die Probleme anzusprechen.

Diejenigen sollten sich einen der Ihren an die Spitze wählen. Einen Papst, der versöhnt. Der es schafft, den Gläubigen das gemeinsame Gefühl zwischen Lebenswelt, Kirche und Glauben zu geben. „Die Moderne ist zunächst mal andersgläubig, aber nicht zwangsläufig ungläubig“, sagt die katholische Theologin Johanna Rahner. Nicht nur sie, viele Katholiken denken sehnsüchtig an Papst Johannes XXIII. zurück. Der mit seinem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 als mutiger Reformer der Kirche wieder ein Gesicht gab, mit dem sich die Menschen identifizieren konnten. So einen Papst wünschen sich viele. Damit es eben nicht mehr missglückte Reden zum Islam zu verteidigen gibt, oder eine Krise mit dem Judentum wegen des Karfreitags-Gebetes. Gar Diskussionen mit der Wissenschaft ob der Sinnhaftigkeit von Kondomen in den Zeiten von Aids. Die „Pille danach“ haben die deutschen Bischöfe ja jetzt erstaunlicherweise ganz flott unter dem Druck einer empörten Öffentlichkeit abgesegnet. Das lässt hoffen. Sicher – eine Papst-Wahl ist kein Wunschkonzert. Aber als Katholikin darf man doch noch Träume haben? Damit die Kirche eine Zukunft hat …

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Bernd Hagenkord, Norbert Scholl, Andreas Püttmann.

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