- „Der Opernball als großes Medienevent hadert immer wieder damit, wie er von manchen Medien dargestellt wird.“

von Maria Großbauer22.12.2018Gesellschaft & Kultur, Medien

Der jährlich im Februar stattfindende Wiener Opernball ist mit 5.500 Besucherinnen und Besuchern das wichtigste gesellschaftliche Ereignis Österreichs. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, hat mit der Organisatorin Maria Großbauer über Demokratie, Falschmeldungen und „Women Empowerment“ gesprochen.

_Frau Großbauer, als 50. Gesicht der Demokratie möchten wir auch Sie zu allererst fragen: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?_

Demokratische Werte sind die Grundlage unseres Zusammenlebens! Ich finde es daher enorm wichtig, diese Werte und auch das praktische Funktionieren einer Demokratie jungen Menschen möglichst früh näher zu bringen. Ganz persönlich fühle ich mich sehr geehrt, Teil des Nationalrats sein zu dürfen. Es erfüllt mich immer wieder mit Ehrfurcht und Respekt.

_Der Wiener Opernball zählt alljährlich zu den wichtigsten gesellschaftlichen Höhepunkten in Österreich. Haben Sie das Gefühl, dass der Opernball in den letzen Jahren „politischer“ geworden ist?_

Im Gegenteil: Der Opernball soll ein Ort sein, an dem alle Menschen zusammenkommen, die die Wiener Staatsoper und generell unsere Kunst und Kultur schätzen und hochleben lassen möchten – egal, welcher politischen Fraktion sie angehören. Der Sinn des Opernballs ist unter anderem auch, Einnahmen für das Budget der staatlich subventionierten Staatsoper zu generieren. Ich glaube früher war der Ball mit seinen Großdemonstrationen „politischer“. Ich habe aber das soziale Engagement des Opernballs ausgebaut und stark betont: Seit zwei Jahren sammeln wir im Rahmen der „Benefizquadrille“ Geld für Obdachlose und Kinder, die sonst keinen Musikunterricht haben. Bisher waren das über 50.000,- Euro.

_Die Europawahlen 2019 werfen ihre Schatten voraus. Zugleich nehmen rechtspopulistische Strömungen in Teilen Europas und auch in Österreich zu. Wie kann ein Rechtsruck verhindert werden?_

Ich glaube, dass jeder einzelne, auch im vermeintlich Kleinen seinen Beitrag leisten muss. Ich suche stets das Gespräch mit allen, suche das Verbindende. In einer Demokratie sind eben Gott sei Dank verschiedene Ansichten und Meinungen möglich und nötig. Jedenfalls muss man die Sorgen und Ängste der Menschen immer ernst nehmen und sollte sie nicht einfach vom Tisch wischen.

_Falschmeldungen sind laut dem deutschen Bundespräsidenten eine Gefahr für die Demokratie. Über den Wiener Opernball wird weltweit berichtet. Werden „Fake News“ zunehmend zum Problem?_

Fake News und Hass im Netz sind große, brandaktuelle Themen für uns alle geworden. Und ja, beide können ein gewaltiges Problem für die Demokratie werden. Auch der Opernball als großes Medienevent hadert immer wieder damit, wie er von manchen Medien dargestellt wird – da werden Einzelpersonen oder Aktionen der Klicks und Quoten wegen punktuell herausgepickt und so das Gesamtbild manipuliert. Ich finde es nicht nur schade, sondern teilweise auch problematisch für das Ansehen des Hauses. Meine Strategie ist zum einen ein möglichst reger und transparenter Austausch mit Medienpartnern und zum anderen Ideen oder Geschichten, die so attraktiv sind, dass sie es in die Headline schaffen.

_Sie sind die jüngste Frau, die je den Opernball organisiert hat. Dennoch beträgt der Anteil weiblicher Führungskräfte in Österreich derzeit nur 8,4 Prozent. Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern?_

Ich glaube, ich bin nicht aufgrund meines Alters, sondern meiner Kompetenzen wegen ausgewählt worden. Im Parlament bin ich unter anderem auch im Gleichbehandlungsausschuss und ja – auch wenn sich schon vieles verbessert hat, gibt es noch viel Luft nach oben! Für den öffentlichen Dienst haben wir kürzlich schon sehr gute Zahlen im Bericht vorgelegt bekommen. Aber auch hier gilt: Es beginnt im Alltag. Bei Frauen und Männern gleichermaßen. Beim herabwürdigenden Stammtischwitz oder bei unangebrachten Kosenamen unter Kollegen. Auch beim Opernball versuche ich diesbezüglich Akzente zu setzen: Gemeinsam mit Nadja Swarovski engagiere ich mich zum Thema „Women Empowerment“. Denn unseren Debütantinnen mit ihren weißen Kleidern und Krönchen schwappen seit Jahrzehnten Vorurteile entgegen. Das sind junge Frauen, die mitten im Studium oder Berufsleben stehen. Ich will ihnen mitgeben, dass sie sich nicht entscheiden müssen: Sie können schön und stark sein. Unter der Tiara kann viel stecken!

_Am 28. Februar 2019 wird die Wiener Staatsoper wieder zum festlichsten und berühmtesten Ballsaal der Welt. Auf welche Highlights dürfen sich Ihre Gäste im kommenden Jahr freuen?_

Nach der Swarovski Tiara, die seit zwei Jahren immer ein Opernthema umsetzt – für 2019 „Das Rheingold“ von Richard Wagner by Donatella Versace – präsentieren Staatsoperndirektor Dominique Meyer und ich in der traditionellen Pressekonferenz Mitte Januar alle Neuerungen, Überraschungen und Details. Ich kann verraten: Das Haus steht in seinem 150. Jubiläums-Jahr auch beim Ball noch mehr im Mittelpunkt!

_Frau Großbauer, in einem Interview sagten Sie mal: „Ich lebe nicht nur im goldenen Saal“. Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten und wie verbringen Sie die letzten 24 Stunden vor dem Opernball?_

In meiner Freizeit gehe ich am liebsten mit meinem Sohn und meinem Mann im Wald spazieren und genieße dort die Stille oder eben das Lachen und gute Gespräche. Ich koche auch sehr gerne und wir laden gerne Gäste zu uns nach Hause ein – dann kann es schon passieren, dass wir alle gemeinsam musizieren. Die letzten 24 Stunden vor dem Ball sind die besten: Es ist zu spät, um noch etwas zu ändern, aber die Vorfreude ist dann am Größten. Dann heißt es: Go with the flow!

_Vielen Dank für das Interview Frau Großbauer!_

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