Azubi mit 50

von Margaret Heckel27.12.2012Gesellschaft & Kultur

Oma lernt Chinesisch, Opa macht eine Ausbildung zum Ingenieur. Nie war Älterwerden spannender als heute. Deutschland ist reif für ein radikal anderes Lebensmodell.

Senior-Azubis, die mit 50 noch einmal durchstarten, sind Trendsetter der Gesellschaft des langen Lebens. “Nichts wird Deutschland so sehr verändern wie der demografische Wandel.”:http://www.theeuropean.de/margaret-heckel/11823-rente-mit-67 Es wird Zeit, mit alten Ängsten und Vorurteilen aufzuräumen. Denn die zweite Lebenshälfte ist nicht Verzicht und Vergreisung. Ganz im Gegenteil: Wir leben nicht nur länger, sondern wir sind fitter und gesünder als je zuvor. Und wie immer mehr Studien zeigen, sind wir auch glücklicher als in der ersten Lebenshälfte.

Das sind hervorragende 
Aussichten für die zweite 
Lebenshälfte der heute 40- bis 50-Jährigen, der zahlenmäßig stärksten Kohorte der Deutschen. 13,7 Millionen Menschen gehören dazu, jeder Sechste hierzulande. Ich nenne sie die „Midlife-Boomer“: eine gut ausgebildete Generation, deren Erfahrungen und Qualitäten auch morgen noch gefragt sein werden. Sie haben 20, meist 30 weitere gesunde Jahre vor sich, bis sie dann tatsächlich als Rentner die Hochaltrigkeit mit ihren Beschwerden erreichen. Was werden sie mit dieser geschenkten Lebenszeit anfangen?

Kaum denkbar ist, dass sie so weitermachen wie bisher. Die klassische Dreiteilung des Lebens in die Phasen Ausbildung, Arbeit, Rente hat sich in einer Gesellschaft des langen Lebens überholt. Wir brauchen ein neues Lebenszyklus-Modell. Am anschaulichsten wird das beim Blick auf die Kinder der Midlife-Boomer.

Wer im 21. Jahrhundert 
geboren worden ist, hat eine mindestens 50-prozentige Chance, 100 Jahre alt zu 
werden. Diese Kinder und 
Jugendlichen müssen nicht so durchs Leben hetzen, wie ihre Eltern das heute tun. Sie müssen nicht unbedingt Turboabitur machen und mit 20 bereits voll im Arbeitsprozess sein. Sie können sich mehr Zeit lassen.

Auch die sogenannte „Rush Hour des Lebens“, wenn zwischen 30 und 45 alles erreicht werden muss, könnte entzerrt werden. Statt sich hier auszupowern und dann mit 40 ausgebrannt zu sein, muss es in dieser Lebensphase so viel Flexibilität wie möglich geben – Teilzeit-Angebote, die sich mit Vollzeit abwechseln, kurze und lange Auszeiten, wechselnde 
Zuständigkeiten innerhalb 
der Familie.

Um dieses radikal andere 
Modell eines Lebenszyklus umzusetzen, müssen wir nun handeln. Wir brauchen ein neues
Bild vom Altern. Weg mit den alten Mythen, dass Ältere weniger leistungsfähig sind. Nichts ist unsinniger als die Volksweisheit „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Hans lernt anders als Hänschen – projektorientierter, das Ziel immer im Blick. Sein bester Helfer 
dabei ist ein Gehirn, das bis ins hohe Alter eine für Forscher immer wieder überraschende Formfähigkeit, die so genannte
Plastizität, behält. Deshalb kann auch eine 88-Jährige noch Chinesisch lernen oder sich ein 55-Jähriger zum Ingenieur ausbilden lassen.

Die Midlife-Boomer entwickeln ein neues Drehbuch fürs Leben. Sie beschreiben und kartografieren eine neue Lebensphase zwischen 50 und 80  – nicht mehr jung, aber auch nicht alt; so glücklich wie nie zuvor; aktiv und innovativ. Nie war es spannender, älter 
zu werden.

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