Richtiger Rücktritt, schwache Nerven

von Margaret Heckel1.03.2011Innenpolitik, Medien

Der Rücktritt von Guttenberg war folgerichtig. Die Kritik – vor allem aus dem Netz – wurde immer lauter. Guttenberg hat in den letzten Tagen ziemlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Und eine weitere Lektion hat die Nation gelernt: Guttenberg fehlt die Nervenstärke. Kanzlermaterial ist er nicht.

Nerven wie Drahtseile hat er nicht. Kanzlermaterial ist er auch nicht. Das wissen wir jetzt. Zwar war der Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg aus vielerlei Gründen “überfällig . Auch hat er beim Management seiner Plagiats-Affäre so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Ein Tritt in jedes Fettnäpfchen

Doch natürlich hätte er sein Copy-and-Paste-Desaster auch aussitzen können, wenn ihm die Nerven nicht gerissen wären. Aus der von ihm – zu Unrecht – so verfluchten Medienperspektive war die Affäre gerade wieder am Abklingen. So wichtig und moralisch nötig s der Protest der 50.000 Doktoranden auch war, große weitere Schlagzeilen waren damit nicht mehr zu machen. Seine Professoren hatten ihn bereits alle verdammt, der Neuigkeitswert weiterer wäre eher zu vernachlässigen. Dass es früher oder später Kritik aus der CDU geben würde, war klar. Dass der Frust irgendwie abgeleitet werden musste, auch. Dies haben die Wortmeldungen von Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan erreicht. Auch hier waren keine weiteren Steigerungen zu erwarten. So wären die Schlagzeilen der Print-Presse g mit jedem weiteren Tag kleiner geworden. Im Internet ist genau das Gegenteil geschehen: Mit jedem Tag haben sich mehr Bürger in die Debatte um zu Guttenberg eingemischt. Die Fleißarbeit der GuttenPlag – Mitarbeiter hat – weitaus mehr als alles, was in der etablierten Presse geschrieben wurde – transparent gemacht, in welchem Ausmaß der Minister bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Deshalb ist dieser überfällige Rücktritt vor allem auch ein Erfolg der vielen, die sich im Netz eine Stimme – und Gehör n – verschafft haben.

Veränderung? Wohl kaum.

Für das politische Berlin ist das eine komplett neue, noch nie da gewesene Situation. Natürlich werden alle Insassen des Raumschiffs Berlin versuchen, sich an gewohnten Reaktionsmustern festzuhalten. Die Opposition verdammt, die Regierung wird versuchen, die Dämme zu halten. Sollte es CSU-Chef Horst Seehofer gelingen, in kurzer Zeit einen akzpetablen Ersatz für zu Guttenberg im Verteidigungsministerium zu präsentieren, wird Angela Merkel das querzeichnen und so schnell wie möglich versuchen, zur Tagesordnung überzugehen. Dann wird die Affäre kurzzeitig Stimmen kosten, die anstehenden Landtagswahlen Ende März aber nicht entscheidend beeinflussen. Schwieriger wird es, wenn Seehofer keinen Ersatzkandidaten findet und so möglicherweise ein richtiges Minister-Karussell in Gang kommt. Wechseln gleich mehrere Personen ihre Ämter, ist der Schaden für die schwarz-gelbe Regierung deutlich größer. Insofern wäre eine große Kabinettsreform sicher das Letzte, was Angela Merkel anstreben dürfte.

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