Wir können uns Zentralbanken fast schon als Geld-Elfen vorstellen. John Lanchester

Guido, König von Lindners Gnaden

Westerwelle hat das Dreikönigstreffen überlebt; gerettet ist er nicht. Den Zeitpunkt seines Sturzes werden vor allem die innerparteilichen Gegner entscheiden. Sie brauchen Zeit, nachhaltige Pläne zu erarbeiten und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

Zumindest taktisch hat Guido Westerwelle das Beste aus einer katastrophalen Situation gemacht. Selbst wenn er die beste Rede seines Lebens auf dem Dreikönigstreffen gehalten hätte, wäre sie dennoch kritisiert worden. Also hat er eine Nullachtfünfzehn-Standardrede gehalten. Die ist ebenfalls kritisiert worden, aber ob ihrer Gemeinplätze nicht weiter aufgefallen, also besprochen worden. Und da Westerwelle gleich darauf angekündigt hat, sich im April vor dem Parteitag zu Personalfragen zu äußern, hat er der Debatte über seine Person das aktuelle Futter entzogen.

Die Gegner entscheiden den Zeitpunkt

Natürlich geht sie trotzdem weiter, wenn auch gedämpft im Verborgenen. Und wenn die FDP bei der wichtigsten Wahl in Baden-Württemberg (und den anderen der vielen Abstimmungen in diesem Jahr) aus der Regierung fällt oder gar die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft, wird das Gemaule über ihn auch wieder stark zunehmen.

Ob – und in welchem Amt – er sich halten kann, entscheidet sich jedoch vor allem an der Geschlossenheit und der Stärke seiner Gegner. Noch scheinen Philipp Rößler, Daniel Bahr und Christian Lindner es nicht für opportun zu halten, ihn zu stürzen. Womöglich, weil sie nicht einig sind, wer von ihnen was machen soll? Das wäre typisch für so viele gescheiterte Putschversuche – siehe die CDU-Männer um Merz, Koch, Rüttgers gegen Merkel. Und enttäuschend, denn dann hätte keiner der drei das taktische, strategische und intellektuelle Potenzial für einen dauerhaften Platz in der ersten Reihe.

Brüderle verhindern?

Es kann aber auch sein, dass sie sich zurückhalten, weil sie Rainer Brüderle als neuen FDP-Chef verhindern wollen. Oder dass sie noch Zeit brauchen, die Nach-Westerwelle-Ära mit Strategiepapieren und Personalplänen zu füllen.
Letzteres wäre für das Überleben der Partei sicher am hilfreichsten. Denn der Wiederaufstieg wird zwar hart, ist aber nicht unmöglich. Die Grünen werden weiter nach links rücken. Und die CDU wird in den Wahlkämpfen ihr konservatives Profil betonen. Die SPD ist noch immer so verwirrt, dass sie für Großstadt-Mitte-Menschen keine Alternative bietet.

Hier tut sich eine Lücke auf. Eine programmatisch deutlich geweitete Lindner-Rößler-Bahr-FDP mit den Hauptmotiven Freiheit, neue Lust an der Verantwortung und grüne Marktwirtschaft könnte hier neues Interesse wecken. Angesichts der Enttäuschungen, die viele Erst-FDP-Wähler nach der Bundestagswahl 2009 erlitten haben, müssen die Liberalen dafür aber nicht nur Slogans, sondern realitätstaugliche Ideen liefern.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Heribert Prantl, Hajo von Kracht, Konstantin Kuhle.

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