Guido, König von Lindners Gnaden

Margaret Heckel11.01.2011Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Westerwelle hat das Dreikönigstreffen überlebt; gerettet ist er nicht. Den Zeitpunkt seines Sturzes werden vor allem die innerparteilichen Gegner entscheiden. Sie brauchen Zeit, nachhaltige Pläne zu erarbeiten und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

Zumindest taktisch hat Guido Westerwelle das Beste aus einer katastrophalen Situation gemacht. Selbst wenn er die beste Rede seines Lebens auf dem Dreikönigstreffen gehalten hätte, wäre sie dennoch kritisiert worden. Also hat er eine Nullachtfünfzehn-Standardrede gehalten. Die ist ebenfalls kritisiert worden, aber ob ihrer Gemeinplätze nicht weiter aufgefallen, also besprochen worden. Und da Westerwelle gleich darauf angekündigt hat, sich im April vor dem Parteitag zu Personalfragen zu äußern, hat er der “Debatte über seine Person(Christoph Giesa: Emanzipation von Westerwelle)”:http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/4744-erneuerung-der-fdp das aktuelle Futter entzogen.

Die Gegner entscheiden den Zeitpunkt

Natürlich geht sie trotzdem weiter, wenn auch gedämpft im Verborgenen. Und wenn die FDP bei der wichtigsten Wahl in Baden-Württemberg (und den anderen der vielen Abstimmungen in diesem Jahr) aus der Regierung fällt oder gar die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft, wird das Gemaule über ihn auch wieder stark zunehmen. Ob – und in welchem Amt – er sich halten kann, entscheidet sich jedoch vor allem an der Geschlossenheit und der Stärke seiner Gegner. Noch scheinen Philipp Rößler, Daniel Bahr und “Christian Lindner(Alexander Görlach: Lindner und die Kirche)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5133-lindner-und-die-kirche es nicht für opportun zu halten, ihn zu stürzen. Womöglich, weil sie nicht einig sind, wer von ihnen was machen soll? Das wäre typisch für so viele gescheiterte Putschversuche – siehe die CDU-Männer um Merz, Koch, Rüttgers gegen “Merkel(Die Ära Merkel)”:http://www.theeuropean.de/volker-resing/844-die-aera-merkel. Und enttäuschend, denn dann hätte keiner der drei das taktische, strategische und intellektuelle Potenzial für einen dauerhaften Platz in der ersten Reihe.

Brüderle verhindern?

Es kann aber auch sein, dass sie sich zurückhalten, weil sie Rainer Brüderle als neuen FDP-Chef verhindern wollen. Oder dass sie noch Zeit brauchen, die Nach-Westerwelle-Ära mit Strategiepapieren und Personalplänen zu füllen. Letzteres wäre für das Überleben der Partei sicher am hilfreichsten. Denn der Wiederaufstieg wird zwar hart, ist aber nicht unmöglich. Die Grünen werden weiter nach links rücken. Und die CDU wird in den Wahlkämpfen ihr konservatives Profil betonen. Die SPD ist noch immer so verwirrt, dass sie für Großstadt-Mitte-Menschen keine Alternative bietet. Hier tut sich eine Lücke auf. Eine “programmatisch(Debatte: Die liberale Republik)”:http://www.theeuropean.de/debatte/2861-die-liberale-republik deutlich geweitete Lindner-Rößler-Bahr-FDP mit den Hauptmotiven Freiheit, neue Lust an der Verantwortung und grüne Marktwirtschaft könnte hier neues Interesse wecken. Angesichts der Enttäuschungen, die viele Erst-FDP-Wähler nach der Bundestagswahl 2009 erlitten haben, müssen die Liberalen dafür aber nicht nur Slogans, sondern realitätstaugliche Ideen liefern.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Regierungsbildung in Thüringen: Dies ist ein bitterer Tag für die Demokratie

Dieses Ergebnis ist ein Dammbruch. Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten hat gezeigt, dass CDU und FDP den Wählerauftrag nicht verstanden haben. Gemeinsam mit Stimmen der AfD haben sie die Wiederwahl Bodo Ramelows verhindert. FDP und CDU werden damit zum Steigbügelhalter der rechtsextremen

Mobile Sliding Menu