Knie nieder

von Margaret Heckel4.05.2012Außenpolitik, Innenpolitik

Woher weiß der Staat, wie viele Knie- und Hüftprothesen notwendig sind?

Seltsame Nachrichten erreichen uns: Weil die Zahl der Hüft- und Knieprothesen um drei Prozent gestiegen ist, aus demografischen Gründen aber nur um ein Prozent hätte steigen sollen, will die Regierung nun regeln, wie viele Menschen wann neue Hüften und Knie bekommen. Doch es kommt noch schlimmer. Kliniken, die besonders viele derartige Operationen machen, sollen ab einer bestimmten Zahl von OPs weniger Geld bekommen. Angeblich würden sie an den Knie-OPs doch so viel verdienen, das müsse man dann stoppen.

Reflexe einer gelenkten Politik

Das ist mehr als bizarr. Wäre die normale Reaktion nicht, über die Festpreise für derartige Operationen zu verhandeln, statt diejenigen zu bestrafen, die offensichtlich viel Erfahrung haben? Und mit welchen Argumenten maßt sich der Staat an, über die Zahl von Ersatzknie und –hüften zu entscheiden? Besser als vieles andere zeigt diese Episode, wie weit die Gesundheitsbranche noch von wirtschaftlichem Handeln entfernt ist. Was hier zu besichtigen ist, sind Reflexe einer gelenkten Politik zum Schaden derer, für die sie vorgeblich arbeitet – die Patienten. Denken wir das Ganze also mal aus Sicht der Patienten. Wir werden älter, und das ist doch eigentlich sehr erfreulich. Damit die Menschen das genießen können, müssen sie mobil und beweglich bleiben – und brauchen im Fall der Fälle Ersatzgelenke. Diese sind heute problemlos und risikoarm zu implantieren.

Grober Unsinn

Am besten können das Ärzte und Kliniken, die sich spezialisieren. Durch eigene Anstrengung und Qualitätsfortschritte wird es vielen in der Tat möglich sein, die Leistungen immer preiswerter anzubieten. Bei dem momentan herrschenden Festpreissystem profitieren sie also, sie verdienen mehr pro Operation als Kliniken, die sich nicht spezialisieren, oft schlechtere Leistungen bieten und weniger Qualitätsfortschritte aufzuweisen haben. Die normale betriebswirtschaftliche Reaktion wäre, die Preise neu auszuhandeln. Würde Wettbewerb herrschen, könnten die Kassen beispielsweise Leistungspakete von sagen wir 100 Knie-OPs ausschreiben und die Kliniken darüber bieten lassen. Stattdessen sollen nun die leistungsfähigen Kliniken bestraft werden. Das ist grober Unsinn. Und es schadet den Patienten. Ohne wirklichen Wettbewerb bei Kliniken und in den Arztpraxen aber werden wir die demografische Herausforderung weit schlechter meistern. Denn es ist keineswegs ein Naturgesetz, dass die Preise für medizinische Dienstleistungen immer weiter steigen müssen. Außer, wenn inkompetente Politiker am Werk sind.

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