Internet/in?

von Margaret Heckel10.02.2012Außenpolitik, Innenpolitik

Eigentlich ist der digitale Raum die ideale Gelegenheit für Frauen. Er ist weitgehend barrierefrei und erlaubt flexible Arbeitszeiten. Doch nur wenige Vorzeigefrauen mischen ganz vorne mit.

Mark Zuckerberg hat kurz vor seinem Börsengang Post bekommen. Einer der größten Investoren weltweit kritisiert, dass es zu wenige Frauen in den Führungspositionen bei Facebook gibt. „Wir sind enttäuscht, dass im Verwaltungsrat von Facebook keine Frau vertreten sein wird“, schreibt Anne Sheehan vom Pensionsfonds kalifornischer Lehrer laut einem “Bericht von „Wall Street Journal Online“(Link)”:http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424052970204136404577211010951508818.html?mod=WSJDE_latestheadlines. Ihr Wort hat Gewicht, denn der Pensionsfonds zählt zu den größten der Welt. Über verschiedene Fonds hat die Rentenkasse bereits bei Facebook investiert und plant eigentlich auch, beim Börsengang weitere Anteile zu erwerben.

Mehr Frauen an die Firmenspitze

Der Vorgang ist bemerkenswert: Hier geschieht endlich einmal, was im Kapitalismus eigentlich andauernd passieren soll, zumindest nach der reinen Lehre. Die Aktionäre melden sich laut und hörbar zu Wort. Und dann auch noch mit einer gesellschaftlichen Forderung: Mehr Frauen an die Firmenspitze. Nun hat Facebook mit Sheryl Sandberg zwar eine Frau als offizielle Nummer zwei zumindest im operativen Tagesgeschäft. Auch ist Sandberg bekannt dafür, dass sie Frauen fördert und schon etliche in wichtige Positionen bei Facebook geholt hat. Doch die vom Lehrer-Pensionsfonds aufgeworfene Frage bleibt interessant: Ist das Internet männlich? Auf den ersten Blick scheint das so zu sein: Die bekannten Gründer, egal ob in den USA oder hier – fast alle Männer. Viele davon haben als Programmierer begonnen, was zumindest ein Erklärungsansatz ist. Doch es waren auch Männer, die einige der beliebtesten Internetshops für Frauen gegründet haben wie den Schuhversender Zalando oder den Markenversender BrandsforFriends.

Das ist zu wenig

Zwar gründen Frauen auch im nicht-virtuellen Leben seltener ein Unternehmen, doch hier ist die Diskrepanz weit weniger groß. Dass sich Frauen nicht ins Internet trauen würden, hat als Erklärung ebenfalls wenig Sinn. Die Nutzerzahlen sind ausgeglichen, ebenso die Dauer, in denen gesurft, bestellt und gefacebookt wird. Eigentlich wäre gerade das Internet wegen seiner weitgehenden Barrierefreiheit der optimale Ort, an dem sich Frauen unternehmerisch austoben könnten. Eine Webseite kann im Notfall auch von zu Hause gepflegt werden, und starre Arbeitszeiten sind dort auch unbekannt. Deshalb lohnt der zweite Blick: So ein paar Vorzeigefrauen im Internet gibt es dann doch. Marina Weisband von der Piraten-Partei. Die rheinland-pfälzische Oppositionsführerin Julia Klöckner von der CDU, die durch ihren schnellen Tweet mit den Ergebnissen der Bundespräsidentenwahl bundesweit bekannt wurde. Arianna Huffington, die die Internet-Zeitung „Huffington Post“ gegründet hat. Das ist zu wenig. Hilfreich wären ein paar mehr Vorzeigefrauen, die anderen Mut machen, sich im Internet zu verwirklichen. Das Internet ist ein tolles Medium, in dem sich zunehmend auch gut Geld verdienen lässt. Programmieren muss frau dafür auch nicht mehr können. Packen Sie es an, meine Damen.

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