Nachhaitigkeit

von Maren Neugebauer5.08.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Haiti ist vergessen, die Hilfe wurde drastisch heruntergefahren. Auf der Insel hat wieder “business as usual” eingesetzt. Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit bei der Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Gedenken an die Opfer fiel still aus. Denn sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti sind keine ausländischen Kameras auf die Insel zurückgekehrt, um über das traurige Jubiläum zu berichten. Nach und nach haben sich in den letzten Wochen auch viele Hilfsorganisationen verabschiedet. Entwicklungshilfe ist etwas anderes als Katastrophenhilfe. Und doch werden beide nur allzu oft über einen Kamm geschoren, denn die erste ähnelt meist zu sehr der zweiten. Kurzum, häufig leidet Entwicklungshilfe an einem Myopieproblem, basierend auf einem simplen Dilemma: Hilfsorganisationen wollen und müssen nachweisen, dass sie die Lebensumstände vor Ort verändern, um nicht ihren Ruf und zukünftige Spendengelder aufs Spiel zu setzen. Dies verleitet dazu, dort zu helfen, wo die Not am größten und die Hilfsbedürftigkeit am dringlichsten ist – ein legitimes Unterfangen, denn jede Hilfe ist besser als keine Hilfe.

Mehr Nachhaltigkeit

Doch allzu oft bedeutet dies auch, dass mit einer Gießkanne auf einen riesigen heißen Stein gegossen wird, bis dieser aufhört zu glühen. Dann geht es sofort weiter, denn die nächste Krise wartet bereits. Wir plädieren für einen anderen Weg, für Entwicklungshilfe, die auf zwei Säulen beruht: Hilfe zur Selbsthilfe, “Empowerment” genannt, und Nachhaltigkeit. Zeitgemäße Entwicklungshilfe muss Strukturen schaffen, ohne dabei ein neues Abhängigkeitsverhältnis zu kreieren. Sie darf sich nicht nur darauf beschränken, die Armen und Schwachen dieser Welt zu stützen, sondern muss ihnen in einem zweiten Schritt die Instrumente an die Hand geben, mit denen sie sich selbst helfen können. Anstelle des Feuerlöschers oder der überdimensionalen Gießkanne bedarf es eines gezielten, stetigen Wässerns einer Pflanze, des Aufbaus einer Zivilgesellschaft, der den historischen, kulturellen und ethnischen Gegebenheiten vor Ort Rechnung trägt. Nur wo das Pflänzchen einer robusten Zivilgesellschaft entstehen und gedeihen kann, können vermeidbare Katastrophen wie Misswirtschaft, Hungersnot, Korruption, Bürgerkriege und Unterversorgung in jeglicher Hinsicht verhindert werden. Dies trifft besonders auf Afrika zu.

Mehr Empowerment durch Bildung

Wir haben uns dieses Ansinnen nach Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt und hierfür Aiducation International gegründet. Denn wir glauben daran, dass moderne Entwicklungshilfe nicht mit der Bereitstellung von Infrastruktur endet, sondern dass sie stattdessen den Bürgern eines Landes ermöglichen muss, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Nur so kann eine organische, zukunftsfähige und langfristige Veränderung aus der Mitte der Bevölkerung kommen. Nur Empowerment, die Hilfe zur Selbsthilfe, kann strukturell Armut verringern. Doch bedingt sie Investitionen nicht in Rohstoffgewinnung und Infrastrukturprojekte, sondern in Humankapital, allen voran in Bildung. Nach Informationen der Weltbank werden 40 Millionen Kinder in Entwicklungsländern ihrer Zukunftschancen beraubt, weil sie keinen Zugang zu weiterführenden Schulen besitzen, obwohl sie talentiert genug wären. Kann sich die Weltgemeinschaft wirklich leisten, dieses riesige Potenzial brachliegen zu lassen? *Dieser Kommentar wurde von Maren Neugebauer in Zusammenarbeit mit Eva Köberl verfasst.*

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu