Phönixe aus der Asche

Marco Vieira16.04.2011Politik

Die Südhalbkugel ist auf dem Vormarsch. Transnationale Organisationen von Schwellen- und Entwicklungsländern können die Dominanz des Westens in den kommenden Jahrzehnten beenden – und bieten die Chance für eine Neudefinition des Governance-Begriffs.

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Eine der zentralen Fragen zur Weltordnung des 21. Jahrhunderts ist, wie sich der Mechanismus der Global Governance als Resultat des ökonomischen und politischen Niedergangs der USA und Westeuropas und des Aufsteigens einflussreicher Staaten aus dem Süden, wie China, Brasilien, Indien und Südafrika, verändern wird. Die aktuellen akademischen und politischen Debatten über die geopolitischen Auswirkungen dieser Entwicklung haben zum größten Teil die Rückkehr einer Nord-Süd-Schere ignoriert. Offizielle Organisationen und informelle Treffen aufstrebender südlicher Staaten – wie BRICs, BASIC und IBSA – stellen das hierarchische und von der Nordhalbkugel dominierte Modell der Global Governance infrage. Das Modell basiert auf einer nach 1945 formulierten Weltordnung, die durch das Bretton-Woods-System und die Vereinten Nationen umrahmt wird. Gegen diese Ordnung richten sich die neuen Organisationen, ihr Ziel ist es, die Teilnahme von Entwicklungsländern an wichtigen Entscheidungsprozessen zu vergrößern.

Das Ende von Bretton Woods?

Das 2003 gegründete indisch-brasilianisch-südafrikanische Dialogforum (IBSA) ist der eindeutige Ausdruck einer gemeinsamen Ideologie, die auf eine Ausweitung des Einflusses der südlichen Länder abzielt. Auch wenn jeder dieser aufstrebenden Staaten seine eigene Außenpolitik verfolgt – die geprägt ist von den spezifischen geostrategischen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten – so sehen sich diese Staaten doch alle als Teil der Südhalbkugel. Sie stehen in der Tradition früherer Süd-Süd-Bewegungen wie der G-77, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und der Bewegung der Blockfreien Staaten (NAM). Die gescheiterten Doha-Verhandlungen, in denen Indien und Brasilien eine Schlüsselrolle spielten, haben deutlich gezeigt, dass der Rest der Welt das Modell des Westens immer weniger akzeptieren wird. Die Schwellen- und Entwicklungsländer sind erstarkt und inzwischen vernetzt genug, um der Dominanz der USA und Europas entgegenzutreten. Gleichzeitig zeigt beispielsweise das Treffen der G-20 Finanzminister im Zuge der Krise 2008 auch, wie etablierte Institutionen mit den veränderten Realitäten zurechtkommen können. Zum ersten Mal wurden Probleme der Repräsentation und der Gleichberechtigung im Kontext multilateraler Beziehungen angesprochen. Die Zukunft multilateraler Organisationen ist immanent verbunden mit der Fähigkeit alter und neuer Mächte, einen weiter gefassten Konsens zur Lösung drängender Probleme zu erzielen.

Süd-Süd-Koordinationsmodelle als legitimere Alternative

Internationale Beziehungen waren in der jüngeren Vergangenheit oftmals von Hegemonialstrukturen geprägt. Dagegen ist die Geschichte des 21. Jahrhunderts bisher von einer erweiterten und dezentralisierten globalen Führung ohne ein ersichtliches hegemoniales Zentrum bestimmt. Unter diesen speziellen Umständen könnte der multilaterale und demokratische Charakter der Süd-Süd-Koordinationsmodelle eine legitime Alternative bieten. Strukturen wie die IBSA-Partnerschaft, mit ihrem Fokus auf Verteilungsgerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftlicher Entwicklung, können bisherige westliche Governance-Modelle ersetzen, die auf den Erfahrungen des Imperialismus, des Kolonialismus und des westlichen Interventionismus basierten.

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