Durch den Bruch ist eine totale Leere entstanden. Christian Mackrodt

Mission Freiheit

Der Liberalismus hat Zukunft – als Absicherung des Einzelnen gegen das Diktat des Staates und der Wirtschaft. Sein Ziel ist die Verwirklichung des eigenen, selbstbestimmten Lebens. Bürgerrechte und Machtkontrolle sind klassische Themen, die heute enorm aktuell sind. Die Grünen haben auf diesen Gebieten bisher eindeutig versagt.

Wer braucht eigentlich noch die FDP? Diese Frage hört man dieser Tage oft. Auf den ersten Blick scheint sie plausibel. Denn Umfragewerte und die jüngsten Landtagswahlen zeichnen das Bild einer Partei, für die sich kein Mensch mehr interessiert. Der zweite Blick jedoch verrät, dass unser Land eine Partei mit konsequent liberalem Programm mehr denn je braucht. Und: Dass sie auch im Vergleich mit anderen besser ist, als sie derzeit erscheint. Macht die FDP dies glaubwürdig kenntlich, wird sie bei Wahlen auch wieder erfolgreich sein. Aber wie stellt sie das am besten an?

Bis hierher und nicht weiter!

Menschen respektieren Menschen und Organisationen, die sich für etwas einsetzen, das richtig und wichtig ist. Sie respektieren eine gute Mission. Die hat die FDP zweifelsohne, auch wenn einige das nicht glauben mögen: In einer Welt, in der jeder einzelne Bereich des Lebens immer mehr verregelt und vernormt ist, in der jeder Eigensinn mit Ächtung bedroht ist, in der Privatheit Angriffen des Staates wie auch von Global Playern ausgesetzt ist und in der Menschen, die sich ihren Aufstieg erarbeiten, als Streber verhöhnt und dem Spott und der Umverteilung preisgegeben werden, braucht es eine Kraft, die bei all dem sagt: „Bis hierhin und nicht weiter! In unserem Land muss es anders zugehen! Wir wollen Prinzipien ermöglichen wie: Verwirkliche Deinen Traum! Lebe Dein Leben, so wie Du es leben möchtest! Mach was aus Dir! Und: Gib auch anderen die Chance dazu! Unsere Mission heißt: Freiheit leben in der Gesellschaft mit anderen!“

Dass die eigene Mission von den Wettbewerbern verfemt wird, darf niemanden schrecken. Natürlich müssen die Grünen die FDP als Ein-Themen-Partei angreifen. Schließlich müssen sie davon ablenken, dass sie selber nur ein Thema haben. Zwar reden sie von vielen anderen Dingen neben der Ökologie. Aber auf all diesen anderen Feldern haben sie immer versagt: Schutz der Bürgerrechte? Die Grünen haben alle Grausamkeiten des Innenministers Otto Schily in der rot-grünen Koalition durchgewinkt! Ohne jede Diskussion. Das Beispiel ist zu alt? Vor ein paar Tagen hat der künftige grüne Ministerpräsident Kretschmann in seinem Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg die Vorratsdatenspeicherung ohne Not gleich mit unterschrieben. Das ist der wohl härteste Eingriff in die Bürgerrechte, der derzeit diskutiert wird!

Wer jetzt immer noch glaubt, dass die Freiheit in unserem Land von der grünen Welle alternativlos überrollt wird, der möge sich an eine historische Parallele erinnern: Ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl errangen die Grünen bei der Bundestagswahl 1987 ihr damaliges Allzeithoch. Bei der folgenden Bundestagswahl wären sie ihrem Ergebnis nach eigentlich aus dem Parlament geflogen, wenn es nicht eine wahlrechtliche Sonderregel gegeben hätte. Für diese hatten sie sich vorher noch selbst eingesetzt. Natürlich nicht pro domo, sondern nur für die gute Sache versteht sich!

Die FDP muss sich auf ihre Mission besinnen und erkennbare Beiträge zu ihrer Verwirklichung liefern. Sie muss das Lebensgefühl, das dieser Mission unterliegt, – leben wie man leben möchte, eigene Ziele verwirklichen, was aus sich machen und anderen auch zu all dem die Chance geben – nicht nur nüchtern beschreiben, sondern aktiv und glaubhaft vorleben durch ihre Arbeit in der Regierung und durch ihre Repräsentanten. Dann – aber auch nur dann – wird sie dem Land und seinen Menschen nützen, Vertrauen zurückgewinnen und wieder Erfolge feiern.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: The European Redaktion, Christian Lindner, The European.

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