Zypern ist überall

von Marcel Tyrell23.03.2013Wirtschaft

Der Angriff auf die privaten Sparanlagen in Zypern wäre ein unerhörter Tabubruch gewesen. Nicht die Sparer müssen an die Kandare genommen werden, sondern die Banken – und das ist ein Job für die EU.

Die zeitweise angedachte Zwangsabgabe auf Spareinlagen zypriotischer Banken hat zu einer tiefgreifenden Verunsicherung im Euro-Land geführt. Die Euro-Krise, die man insbesondere aufgrund unorthodoxer Maßnahmen der Europäischen Zentralbank besser im Griff zu haben glaubte, meldet sich mit voller Kraft zurück.

Hat die Euro-Gruppe die potenziellen Auswirkungen ihres Rettungsplans einfach falsch eingeschätzt, oder ist bewusst ein Versuchsballon gestartet worden, um die Reaktionen der Anleger und Märkte zu testen? Man gewinnt den Eindruck, dass ähnlich wie 2008 im Fall von Lehman Brothers eine eindeutige Fehleinschätzung hinsichtlich der möglichen Reaktionen vorlag. Zumindest lässt sich anders das chaotische Verhalten aller Entscheidungsträger nach Bekanntgabe des Rettungsplans kaum erklären.

Das Vertrauen ist erschüttert

Die Euro-Gruppe hat durch ihre Handhabung der Zypern-Krise in fataler Weise gezeigt, dass sie in der Euro-Krise immer noch nicht die notwendige Handlungsfähigkeit besitzt. Sie hat sich mit den zypriotischen Verhandlungsteilnehmern unter Einschluss von EZB, IWF und EU-Kommission auf ein Rettungspaket geeinigt, von dem eigentlich klar war, dass es keinen Bestand haben würde.

Der Grund dafür ist einfach: Die Funktionsfähigkeit des Geldwesens basiert auf Vertrauen, und dieses Vertrauen ist zutiefst erschüttert, wenn man Geld von den Konten von Kleinsparern mittels eines Verwaltungsaktes zur Rettung des Staates vor der Insolvenz heranzieht. Die Folge daraus sind panische Reaktionen der Anleger, die dann das gesamte Finanzsystem zum Erliegen bringen können, mit Auswirkungen in die Realwirtschaft hinein, die die Krise nochmals verstärken.

Genau das kann man momentan in Zypern beobachten, und deshalb bleiben die zypriotischen Banken auch weiterhin geschlossen. Trotzdem hätte man dies alles zunächst als ein zypriotisches Problem mit begrenzter Außenwirkung auf den gesamten Euro-Raum abtun können, wenn es nicht negative Rückkopplungseffekte in weitere Euro-Krisenländer geben würde. Diese manifestieren sich jedoch gerade und können auch in diesen Ländern zu Reaktionen führen, die im Endeffekt krisenverschärfend sind. Der versuchte direkte Zugriff auf Spareinlagen von Kleinanlegern ist somit der Tabubruch, der kaum verziehen wird.

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