Debatte wird im Parlament nur simuliert. Roger Willemsen

Sie trifft die Richtigen

Eine EU-weite Finanztransaktionssteuer kann durchaus positive Effekte haben und mehr sein als Symbolpolitik.

Das Gerangel um die Einführung einer Finanzmarkttransaktionsteuer im Euro-Raum geht in die nächste Runde. Nachdem die EU-Kommission die Einführung einer Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte vorgeschlagen hat, wird nicht nur in der Politik diese Thematik kontrovers über Landesgrenzen hinweg diskutiert.

Auch in den Wirtschaftswissenschaften ist eine intensive Debatte zur Sinnhaftigkeit einer solchen Steuer entbrannt. Und es stellt sich die Frage: Trifft sie eigentlich die Richtigen?

Für die öffentliche Meinung gerade in Deutschland ist die Zielsetzung klar: Die Banken sollen getroffen werden, denn sie haben die Finanzkrise maßgeblich mitverursacht. Deshalb sieht der Vorschlag der Kommission auch vor, Privatleute von der Steuer zu befreien. Aber wenn man sich die Handelstätigkeit auf den Finanzmärkten betrachtet, stellt man fest, dass Banken und auch andere Finanzinstitutionen wie Fonds und Versicherungsunternehmen häufig Wertpapiere im Auftrag von Privatpersonen handeln und damit die Steuer auf die Provision draufschlagen können.

Die Steuer könnte eine positive Wirkung entfalten

Also träfe die Steuer dann doch wieder die Privaten. Insofern verwundert es nicht, dass Investmentfonds und Versicherungen schon vor hohen zusätzlichen Kosten für ihre Kunden gerade in Bezug auf die private Altersversorgung warnen. Obwohl das Argument der Kostenüberwälzung im Grundsatz richtig ist, könnte eine Transaktionssteuer zumindest indirekt eine positive Anreizwirkung entfalten. Man weiß aus einer Vielzahl von Untersuchungen, dass aktiv gemanagte Fonds und Anlageprodukte zu hohe Handelsvolumina generieren, einfach um Gebührenerträge zu maximieren.

Eine Transaktionssteuer würde diese Produkte aus Privatanlegersicht noch unattraktiver machen als sie ohnehin schon sind und Private unter Umständen dazu bringen, in kosteneffizientere, passiv gemanagte Finanzprodukte wie „Exchange Traded Funds“ zu investieren. Dann hätte die Transaktionssteuer durchaus etwas Gutes.

Direkt von der Transaktionssteuer betroffen wären Banken nur in ihrem Eigenhandelsgeschäft. Da diese Aktivitäten jedoch im Nachgang der Krise sowieso schon viel an Attraktivität verloren haben, sind es kaum die Banken, die von einer Transaktionssteuer betroffen wären, sondern die Hochfrequenzhändler. Sie generieren mittels computergestütztem Handel inzwischen bis zu 70 Prozent des Handelsvolumens an bestimmten Börsen. Deren Geschäftsmodelle würden durch eine solche Steuer stark in Mitleidenschaft gezogen. Welche Auswirkungen hätte dies für das Marktgeschehen?

Liguidität sinkt, Unsicherheit nimmt zu

Kritiker der Transaktionssteuer konstatieren, die Marktliquidität würde dann leiden, Volatilitäten könnten zunehmen, und letztendlich würde daraus resultieren, dass die Kapitalkosten der Unternehmen steigen, die sich über Finanzmärkte refinanzieren. Deren Investitionstätigkeit ließe nach, und positive Steuereinnahmen aus der Transaktionssteuer würden über eine geringere Steuerbasis konterkariert.
Auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Hochfrequenzhändler können die konstatierten positiven Wirkungen nur dann entfalten, wenn auch genügend „langsame“ Händler auf dem Markt aktiv sind. Je mehr der Markt jedoch durch Hochfrequenzhändler dominiert ist, desto mehr ziehen sich andere Marktteilnehmer vom Markt zurück. Diese „adverse Selektion“ kann dazu führen, dass das gesamte Marktvolumen sinkt, die Liquidität zurückgeht und die Unsicherheit zunimmt. Insofern könnte eine Transaktionssteuer erst dafür sorgen, dass die Marktbalance zwischen hochfrequenten und langsamen Händlern gewahrt bleibt. Dann wäre die Transaktionssteuer mehr als Symbolpolitik.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Frank Schäffler, Volker Wissing, Markus Söder.

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