Es gibt keine Belege, dass Gott zu Deutschland gehört

von Marc Röhlig8.03.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Innenminister Hans-Peter Friedrich startete sein Amt mit Islam-Kritik. Und dachte dabei zu kurz: Wenn der Islam keine Tatsache im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist, dann sind es Christentum und Judentum auch nicht.

Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich ist nicht Friedrich der Große. Damit der Bürger seine Ankunft auf der politischen Bühne dennoch wahrnimmt, brauchte es ein klares Statement: „Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt.“ Sagte Friedrich kurz nach seinem Amtsantritt vergangene Woche. “Der Spruch ist eine klare Entgegnung zum Bundespräsidenten Christian Wulff, der die deutschen Muslime erst vergangenen Sommer in die Gesellschaft einlud(Link)”:http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article12705432/Islam-ist-Teil-von-Deutschland.html. Friedrich mag recht haben, wenn er meint, die muslimische Religion sei kein Baustein deutscher Geschichte. Unsere Gesellschaft, unser Staat, ging klar aus anderen Elementen hervor als den Lehren des Koran und des Propheten Muhammad. Wenn wir religiöse Spurenelemente in unserem Staatserbgut finden wollen, dann sind die christlich. Aber Friedrich geht es in seinem Stammtisch-Statement nicht bloß um „Historie“ – er zielt auf das “Hier und Jetzt des Islam in Deutschland(Link)”:http://www.theeuropean.de/miguel-vicente/5011-der-kampf-der-kulturen. Und auf die Frage, ob der Islam im Deutschland des 21. Jahrhunderts eine Realität ist oder nicht.

Ohrfeige an alle deutschen Muslime

Ist er. Wer behauptet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, der spricht allen hier lebenden Muslimen die Teilhabe an der Gesellschaft ab. Schlimmer noch: Er erteilt den deutschen Muslimen eine „Ohrfeige ins Gesicht“, wie es die deutsche Islamwissenschaftlerin und Buchautorin Lamya Kaddor formulierte. Der Islam gehört zu Deutschland. Denn: Meinungspluralismus und Glaubensfreiheit gehören zu Deutschland. Ein Land, das seinen Bürgern erlaubt, frei zu denken und zu glauben, muss akzeptieren, dass ein jeder sich Gott, Allah, Vishnu oder Buddha zuwenden möchte. Und das damit alle Religionen eine Tatsache, Teile Deutschlands sind. Fürwahr, die Religionen sind damit noch keine prägenden Elemente unserer Gesellschaft. Ein Minarett macht kein Stadtbild und ein Glockenschlag definiert nicht den Sound der Gemeinschaft. Wenn wir also dem Islam im 21. Jahrhundert die Existenz innerhalb der deutschen Gesellschaft absprechen wollen, muss dies auch für alle anderen Glaubensrichtungen gelten. Alles andere ist Populismus und ein Schlag ins Gesicht für jeden Muslim, der sich als Teil Deutschlands betrachtet. Auch die christlich-jüdische Tradition ist für die heutige Bundesrepublik ein konstruierter Begriff. Jüdische Kultur und Wissenschaft, klar, die blühten – und erblühen wieder – in Deutschland wie in keinem anderen europäischen Land. Aber prägend für unsere Mehrheitsgesellschaft ist die jüdische Tradition nicht. Wer das behauptet, argumentiert aus falsch gebrauchtem Schuldgefühl. Und auch die christliche Tradition lässt sich nicht so einfach festhalten: Die deutsche Gesellschaft zeichnet sich nicht durch Gottesfurcht aus – sondern vielmehr durch ihr ständiges Ringen mit religiösen Obrigkeiten. Wir vertreten die moralischen Grundfesten aus dem Alten Testament, ja, aber wir schauen ebenso zurück auf die Reformation, die Aufklärung, den Säkularismus. Unsere Tradition stützt sich auf christliche Werte, aber sie ist nicht christlich-gar-jüdisch. Sie ist freiheitlich-demokratisch.

Hauptsache, die Leute sind ehrlich

Was dem neuen Innenminister Friedrich noch nicht klar ist, wusste damals schon der Preußenkönig Friedrich II., der Große, über den hohen Wert religiöser Toleranz zu berichten: „Alle Religionen sind gleich und wenn nur die Leute, die sich bekennen, ehrliche Leute sind, auch wenn es Türken und Heiden sind, die kämen und das Land besiedeln wollten, so bauen wir ihnen Moscheen und Kirchen.“ “Eine Gesellschaft kann nicht durch Abgrenzung an Stärke gewinnen(Link)”:http://www.theeuropean.de/dieter-lehmann/4812-deutschland-braucht-zuwanderung. Braucht der Innenminister also zwingend eine Religion, auf der er unsere Tradition errichten kann, so sollte diese Religion „Toleranz“ heißen.

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