Die Menschen interessieren sich zu wenig für Europa. Anthony Grayling

Zeichen des Erfolgs trotz Mega-Krawallen

Ausnahmezustand in Hamburg: Die Krawalle im Zusammenhang des G20-Gipfels in Hamburg übertrafen selbst dunkelste Vorahnungen und Szenarien. Bilder von Straßenschlachten, brennenden Autos und verwüsteten Geschäften gingen um die Welt und schockierten. Weit weniger Aufmerksamkeit konnte die eigentliche politische Großveranstaltung, das „Gipfeltreffen der Mächtigsten“ auf sich vereinen. Zu Unrecht.

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Auf der Suche nach einem Fazit zum Hamburger G20-Gipfel stößt wird unversehens allerorten eine Fülle an Gefühlen sichtbar. Mit Frustration, Angst, Empörung oder Enttäuschung überwiegen auf den ersten Blick die negativen Emotionen. Doch selbst im Dunkel der Krawalle sind Zeichen des Erfolgs sichtbar.

Inzwischen sind die Bewohner Hamburgs, die Demonstranten und die Politiker wieder in ihrem Alltag angekommen. Doch was bleibt wirklich übrig von G20 in Hamburg? Eine zufriedene Angela Merkel als Ausrichterin? Ein resignierter, von Rücktrittsforderungen überhäufter Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz? Für wen war der Gipfel ein Erfolg? Auf den ersten Blick doch sicher nicht für die Bewohner des Schanzenviertels, das als Epizentrum der Gewalt rund um den G20-Gipfel traurige Popularität erfuhr. Ebenso nicht für die Geschäftsinhaber, deren Läden zertrümmert und verwüstet wurden – grundlos, scheinbar aus bloßer Lust an Gewalt und Zerstörung.

Auf den ersten Blick gescheitert, aber…

Wozu das alles eigentlich? Haben es die Krawallmacher den staatlichen Eliten wirklich gezeigt? Konnten sie die Welt verändern oder die Inhalte und Entscheidungen der Konferenz drehen? Sicher nicht! Was bleibt, ist „lediglich“ eine Spur der Verwüstung und Gewalt. Von realem, geschweige denn achtbarem Erfolg kann nach menschlicher Einschätzung keine Rede sein.

In der politischen Gesamtbetrachtung betont UN-Generalsekretär Guterres wohlwollend die Ergebnisse im Streit um den Klimaschutz. Lediglich die USA seien weiterhin abtrünnig und isoliert, die restlichen 19 Länder hätten solide zusammengestanden und miteinander beschlossen, den eingeschlagenen Kurs zu halten. Merkel unterstreicht, dass sie, die Staatschefs der G20, in einigen Bereichen durchaus gute Ergebnisse erzielt hätten. Klingt weder konkret noch wirklich nach Erfolg, oder? Auch als Wahlkampfjoker bringt der G20-Gipfel deutschen Politikern keinen Nutzen. Zu unschön waren die teils kriegsähnlichen Zustände in der Stadt, zu wenig hatte man von offizieller Seite die Lage im Griff. Und an politischen Inhalten oder Erfolgen ist in der öffentlichen Wahrnehmung auch nicht viel hängen geblieben.

Politisch gewonnen?

Zu guter Letzt bleibt noch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz als viel gescholtener Buhmann des G20-Gipfels. Hätte er die Gewalt mit besserer Planung verhindern können? Eine Menge Tadel musste er einstecken, Rücktrittsforderungen wurden laut. Schlussendlich entschuldigte er sich bei den Hamburgern für seine Fehleinschätzung: Scholz hatte sich vor dem Gipfel stets optimistisch gezeigt, dass die Sicherheitsvorkehrungen ausreichen würden. Fehlbar, ja, aber die aktive Flucht nach vorne ist allemal erfolgversprechender als etwas passiv auszusitzen.

Erfolg hat viele Facetten, ob persönlich, materiell oder immateriell. So können wir auf das Engagement tausender Polizisten positiv zurückblicken. Sie versuchten und leisteten am Rande des G20-Gipfels ihr Bestes, damit die Lage nicht noch mehr eskaliert. Ob die eingesetzten Mittel immer die goldene Wahl darstellten, ist von anderer Stelle zu prüfen. Dennoch haben die Sicherheitskräfte ihre Arbeit geleistet, bis an und über die Belastungsgrenze hinaus – ein Achtungserfolg im Dienste der Gesellschaft und öffentlichen Sicherheit.

Aktiv handeln für eine erfolgreiche Zukunft

Trotz aller Zerstörung in „ihrer“ geliebten Hansestadt: Die Bürger Hamburgs sind die wahren Gewinner! Es mag wie Hohn klingen, trägt aber vollsten Respekt. Selbst in Anbetracht einer Extremsituation sowie der blanken Zerstörungswut gewaltbereiter Gruppierungen, haben sie sich nicht anstecken lassen, nicht die Nerven verloren, Zusammenhalt demonstriert und gelebt. Sie säuberten miteinander die verwüsteten Straßenzüge, entfernten die sichtbaren Läsionen, die der G20-Gipfel beziehungsweise die Krawalltouristen hinterlassen haben. Mit Ausdauer, Antrieb und Verantwortung nehmen sie ihre Zukunft und das Schicksal der Stadt selbst in die Hand – damit sind und bleiben sie letztendlich die einzigen und wahrhaft erfolgreichen Überbleibsel einer streitbaren Politikveranstaltung. Und setzen aktiv, aus eigener Kraft jene Zeichen des Erfolgs im Dunkel der Krawalle.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der BÖRSE am Sonntag.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Michael Klonovsky , Vera Lengsfeld, Dirk Maxeiner.

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