Talkshow-Flut im Ersten | The European

High Five für die ARD

Manuel Weis25.07.2012Medien

Die Debatte um zu viele Talkshows im Ersten ist übertrieben. Baumarkt-Themen sollten zu Maischberger, Beckmann ist der Schwächste im Quintett. Aber das wirkliche Problem sind die Schwerpunkte der Sendungen.

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Ganz ehrlich: Ich habe die Diskussion über die sogenannte Talkshow-Flut im Ersten nie verstanden. Es gab Zeiten, da hatte das ZDF mit Johannes B. Kerner an vier Abenden eine Gesprächsrunde im Programm und noch dazu am Donnerstag „Maybrit Illner“. Eine Diskussion, ob das nun zu viel sei, ob sich Gäste ähneln oder doppeln, gab es nicht. Das Problem, das die ARD seit geraumer Zeit hat, ist aber vermutlich auch ein selbst gemachtes. Bei Kerner damals oder „Markus Lanz“ heute ist es ganz selbstverständlich, dass neben politischen Themen (Norbert Lammert war in diesen Tagen bei Lanz) auch sehr bunte Gäste auftauchen. Diskutiert Plasberg in „Hart aber fair“ mal über Baumärkte oder Anne Will über Fußball, folgt sofort ein erstes Naserümpfen.

Baumarkt-Themen zu Maischberger

Der Blick auf die Zuschauerzahlen zeigt eines ganz klar: Alle Shows sind auf einem gutem Weg. „Günther Jauch“ am Sonntag kann mit seiner Art ganz klar als Bereicherung angesehen werden. Wer die Sendung kritisiert, der meckert auf ganz, ganz hohem Niveau. „Anne Will“ hat für meinen Geschmack am Mittwochabend sowohl was Quote als auch was inhaltliche Qualität angeht dazugewonnen. Dass Frank Plasbergs „Hart aber fair“ zu unpolitisch geworden ist, mag sein. Das ist auch zu bedauern. Ihm bleibt wegen der zeitlichen Nähe zu „Günther Jauch“ meist aber keine Wahl. Es ist richtig, man würde Baumarkt-Themen vielleicht lieber bei Maischberger sehen, damit Plasberg, der vielleicht aktuell beste Polit-Talker, weiterhin die politischen Brennpunkte besprechen kann. Entgegen der grundsätzlichen Infragestellung „Fünf Talkshows sind einfach zu viel“, sollte es also eher heißen, wie die ARD Schwerpunkte innerhalb von Sendungen anders verteilen kann und wie man das auch mit den entsprechenden Moderatoren vereinbaren kann. Da hat ja jeder auch wieder seine ganz persönliche Vorstellung. Die wenigsten Argumente hat dabei sicherlich „Beckmann“, der nach Jahren am Montagabend nun auf den Donnerstag gerückt ist, dort aber gegen das Duo Illner/Lanz im ZDF wenige Chancen hat. Seine Quoten sind in den Keller gerutscht. Eine offene Debatte über ein Aus oder eine Rückverlegung auf den Montag hilft seinem Team aber auch nicht.

Fünf für die ARD

Es ist schon so, dass auch nach dem persönlichen Geschmack des Autors der Beckmann-Talk der unattraktivste ist. Das soll aber nicht heißen, dass er nicht aus der Sommerpause zurückkehren soll. Hier sind vielleicht konzeptuelle Optimierungen am nötigsten. Die ARD wird auch weiterhin mit fünf Talks erfolgreich sein – begrüßenswert wäre es, wenn sie nicht selbst intern die Diskussion über die Talk-Flut wieder und wieder anheizen würde.

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