Warum Gott nicht gegen Sex ist

Manfred Lütz24.06.2011Gesellschaft & Kultur

Alexander Görlach hat in seiner Kolumne die katholische Kirche heftig kritisiert – zu Unrecht! Wir müssen mit Unwahrheiten über den Katholizismus aufräumen, wenn sich auch junge Menschen weiter für die Kirche begeistern sollen.

Wenn Alexander Görlach in “seinem Kommentar”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/7043-das-katholische-lebensgefuehl „Was verboten ist, macht doppelt Spaß“, in dem er seinen „lieben Freund Matthias“ (Matussek) für sein neues flottes Buch „Das katholische Abenteuer“ herablassend tätschelt, den neuen “Jugendkatechismus „Youcat“”:http://www.zenit.org/article-32324?l=english, für „unglaublich naiv“ hält, nur weil der das alte Frage-Antwort-Schema aufweist, dann ist man versucht, ausnahmsweise auch mal den Kommentar von Alexander Görlach unglaublich naiv zu nennen. Als Chefredakteur von The European schreibt Görlach kluge Kommentare über Gott und die Welt, aber was er da in wenigen Zeilen an Ahnungslosigkeit über die katholische Kirche offenbart, ist atemberaubend. Doch so ist das halt in Deutschland. Über die katholische Kirche kann man hierzulande den größten Unsinn behaupten und keiner widerspricht. Katholiken drängen sich beim mainstreamigen Kirchenbashing besonders gerne nach vorne, da sie sich damit gerne selbst robuste Modernität attestieren.

Ein Blick ins Buch hilft

Hören wir Alexander Görlach: Im „Youcat“ stehe „warum Gott gegen Sex, Alkohol und das ganze Zeug ist“ und das alles sei auch im „Erwachsenenkatechismus“ verboten, wie er, Görlach, „aus jahrelangem Studium“ wisse. Und aus diesem profunden Wissen resultiere nun „nicht von ungefähr“ sein typisch katholischer Minderwertigkeitskomplex. Doch wahrscheinlich kommt, wie wir später erfahren, das profunde Wissen vor allem von Görlachs „Onkel Werner selig“, dessen Pfarrer behauptet habe, „dass Wichsen krumme Finger mache“ und das habe der gute Onkel verdienstvollerweise Ministranten und auch dem Neffen Alexander gegenüber wirksam dementiert. Juristen lernen schon im Studium den beherzigenswerten Grundsatz: Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung. Natürlich steht weder im „Youcat“ noch im „Erwachsenenkatechismus“, dass Gott „gegen Sex, Alkohol und das ganze Zeug“ sei, sondern ziemlich genau das Gegenteil. Das ist kein Wunder, denn 1,2 Milliarden Katholiken haben sich nicht durch Knollen fortgepflanzt und bekanntlich waren es, wie schon Freud wusste, gerade die katholischen Länder, in denen die subtilsten Formen der Erotik blühten. Wer nur mal Max Webers „Protestantische Ethik …“ diagonal gelesen hat, weiß, dass der katholische Mainstream stets sexualfreundlich war. Dass sich die Katholiken – und überhaupt nicht das Lehramt – im 19. Jahrhundert an den verklemmten bürgerlich-protestantischen Zeitgeist anpassten, das hat zu der blödsinnigen Bemerkung des Pfarrers vom hingeschiedenen Onkel Werner beigetragen. Diesen Unsinn verzapften protestantische Pfarrer und auch ganz unchristliche brave Bürger damals genauso, wobei der angebliche „Rückenmarksschwund“ dabei übrigens beliebter war als „krumme Finger“. Wo schließlich stehen soll, dass Gott ausgerechnet gegen den Alkohol sei, obwohl Jesus die Jünger nicht zu ewigem Mineralwasser verdonnert, sondern sogar Wasser in Wein verwandelt und sie immer wieder in den Weinberg schickt, bleibt ein Rätsel. Es sind gerade Bischöfe, die über die besten Weinlagen verfügen.

Wir brauchen den „Youcat“

Wir brauchen den „Youcat“, damit kleine und große Leute nicht weiter ahnungslos über das Christentum daherschwätzen, sondern kurz und klar lesen können, was katholische Christen wirklich glauben. Nur so kommen wir wieder zu geistreichen Debatten über Christentum und Kirche. Und wir brauchen Leute wie Matthias Matussek, die das Risiko eingehen, sich kultiviert und tapfer öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Denn eines ist klar: Christentum als bloßer nostalgischer Ästhetizismus interessiert niemanden mehr.

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