Waidmannsheil

von Malte Lehming19.12.2011Innenpolitik

Christian Wulff ist zum Abschuss freigegeben – zumindest wenn es nach den großen deutschen Medien geht. Dass der Skandal eigentlich keiner ist, sondern künstlich entfacht und am Leben gehalten wird, rückt dabei vollständig in den Hintergrund.

Vielleicht muss man es mal gesehen haben, dieses Blitzen in den Augen von Journalisten, diese plötzlich erwachende Jagdlust, die ohnehin nur auf der Lauer gelegen hatte. Vielleicht muss man es mal erlebt haben, diese Schnelligkeit, mit der aufgrund eines vagen Verdachts Recherchegruppen gebildet werden, um Informanten anzuzapfen. Vielleicht muss man es mal gehört haben, dieses leise vor sich hin gemurmelte und als Selbstanfeuerung gemeinte „Jetzt ist er fällig“. Vielleicht allerdings muss man ihr auch mal widerstanden haben – dieser Versuchung, sich als Bob Woodward fühlen zu wollen, der einen Richard Nixon zu Fall bringt, weil die Einsicht gereift war, stattdessen nur ein williger Mitvollstrecker jener vampirischen Hetzmeute zu sein, die ohne Blut nicht lange leben kann und Opfer sucht, weil sie Opfer braucht.

Politischer Vampirismus

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