Der „Spiegel“ wird an der entsetzlichen mehltaumäßigen, sozialdemokratisch-grünen Korrektheit zugrunde gehen. Matthias Matussek

Die Verschwörung breitet sich aus

Wir dürfen uns nicht in die Irre führen lassen, schreibt Produzent Fabio Magnifico: Bielefeld gibt es nicht. Der Bürgermeister behauptet zwar das Gegenteil, aber nur, weil er selbst Teil der Verschwörung ist. Den “ultimativen” Beweis soll nun Magnificos neuer Film über die Stadt liefern. Doch der Regisseur meldet selbst Zweifel an: “Bin ich nicht vielleicht selbst auch ein Teil dieser Verschwörung?”

Wir kennen ihn, diesen scheinbar mühelosen Ton der Beteuerungen, mit einem Lächeln vorgetragen – denn wer schreit, hat unrecht. “Ohne Bielefeld gäbe es beispielsweise auch mich nicht”, beteuert der Bürgermeister der Stadt, Pit Clausen. “325.000 Bielefelder können nicht irren.” Der kommunale Vorzeigepolitiker tritt wortgewandt auf, immer die passende Krawatte um den Hals. Ob es um ein Treffen mit Frank-Walter Steinmeier oder Klaus Wowereit geht und auch beim Fernsehduell mit dem politischen Gegner – Clausen weicht keinen Zentimeter vom Idealbild eines Politikers ab.

Sogar der Bürgermeister hängt mit drin

Dass, nebenbei bemerkt, auf vielen Bildern die Schatten der Dargestellten – ähnlich den Schatten der Astronauten bei der Mondlandung – in völlig unsinnigem Verhältnis zur jeweiligen Lichtquelle fallen, scheint niemandem aufzufallen. Oder wenn doch, verleitet es zumindest niemanden zum öffentlichen Aufschrei. Dabei dürfen wir uns aber nicht in die Irre führen lassen: Dieser Bürgermeister ist natürlich selbst Teil der Verschwörung.

Als sogenannter “ultimativer” Beweis für die Existenz der Stadt Bielefeld soll jetzt mein neuer Film herhalten. Aber kann das gelingen? Bin ich nicht vielleicht selbst auch ein Teil dieser Verschwörung? Schließlich bemühe ich mich seit 20 Jahren, die Assimilation mit dem Gespenst Bielefeld zu vollziehen. Ich habe konsequent die Spuren meiner Herkunft aus Italien verwischt. Meine Staatsbürgerschaft habe ich eingetauscht und meinen Lebensstil jenem der Bewohner des Hologramms Bielefeld anzugleichen versucht. In seiner unwirklichen Vollkommenheit mag mir, dem Einwanderer aus einer kleinen Provinzstadt Italiens, Bielefeld als “typisch” deutsch erscheinen. Doch wer will bezweifeln, dass es sich eigentlich um ein von Außerirdischen entworfenes Ferienparadies mit scheinbar idealen Lebensbedingungen für das Versuchsobjekt “Mensch” handelt?

Die Dunkelheit breitet sich weiter aus

Aus welchen Gründen habe ich diesen Film nun gemacht? Nun, vielleicht verstelle ich mich bloß. Der Umstand, dass die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen mein Projekt widerspruchslos mit 10.000 Euro unterstützt, scheint zwar eher das Gegenteil zu beweisen. Doch wer weiß: Ich könnte auch ein ironischer Trojaner sein, der schwelendes Misstrauen an der Existenz Bielefelds durch den Film ersticken will.

Bei dem “Erfinder” der Verschwörung, Achim Held, scheint das ja bereits gelungen zu sein. Angeblich hat er nun erstmals Bielefeld besucht. Tatsächlich? Als einzig Sehendem war ihm doch von Anfang an klar, was es mit der Verschwörung auf sich hat. Dass er nun doch die “Stadt betreten hat”, kann daher nur eines beweisen: Die Dunkelheit breitet sich weiter aus. Das kann nicht mehr der wahre Achim Held sein – er ist es nur noch dem Namen nach. Dieser Mann ist nun vielmehr ebenfalls ein Teil der Verschwörung.

Und so sitze ich denn regelmäßig in der Bielefelder Pizzeria Donatos Ristorante. Obwohl er sonst öffentlich lieber von den Bielefelder Tiefkühlpizzen schwärmt, speist dort an einem anderen Tisch immer wieder auch Bürgermeister Clausen. Damit wir nicht auffallen, nehmen wir beide natürlich keinen sichtbaren Kontakt zueinander auf. Stattdessen schweigen wir uns nur an. Denn wir kennen sie, die Wahrheit.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Pit Clausen.

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