Danke, liebe Eltern

Madeleine Hofmann18.11.2014Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Die junge Generation ist unpolitisch und karrieregeil – so weit das Klischee. Zu verdanken haben wir das den Alten.

Zwei aktuelle Studien haben jüngst bestätigt, was Journalisten und Wissenschaftler schon lange beklagen: Die Jugend von heute ist politisch desinteressiert und egoistisch.

Das “zwölfte Bildungssurvey”:http://www.bmbf.de/de/25020.php sowie eine „Infratest“-Studie zeigen, dass immer weniger Studenten Politik als „sehr wichtig“ empfinden. Stattdessen legen sie Wert auf eine makellose Ausbildung und ein berufliches Vorankommen.

Karriere statt Revolution

Für die älteren Generationen sind diese Zahlen keine Überraschung. Schon lange regen sie sich über die „heutige Jugend“ auf. Wo bleibt der Revolutionssinn, fragen die 68er. Wo bleibt die Gelassenheit, fragen die Babyboomer. Und so müssen junge Akademiker – wahlweise als „Generation Praktikum/Y/Ich“ oder jüngst sogar „Generation Merkel“ verschrien – immer mehr Kritik einstecken. Von Rebellion sei bei den jungen Studenten und Absolventen nichts mehr zu spüren, heißt es, sie seien egotaktische Leistungsstreber.

Als Vertreterin der viel diskutierten Gruppe muss ich zugeben: Sie haben uns ertappt. Es stimmt, viele von uns konzentrieren sich auf ihre Ausbildung und auf eine vielversprechende Karriere. Auch ich fand es traurig, dass die letzten Studentenproteste im Sand verlaufen sind, weil Kommilitonen vor der wichtigen Klausur keine Vorlesung mehr verpassen wollten oder schon auf dem Weg zum zukunftsweisenden Praktikum waren. Auch ich finde Ego-Studenten unsympathisch.

Bevor man aber über die politische Antriebslosigkeit einer ganzen Generation schimpft, muss die Frage erlaubt sein, wer uns „junge Leute“ denn zu dem gemacht hat, was wir sind. Nicht wir sind schuld an der angeblich fehlenden Aufbruchstimmung, sondern diejenigen, die uns genau dafür tadeln: Unsere Vorgängergenerationen, die Entscheider der letzten Jahrzehnte, die Generation 50plus.

Burn-out als Teil des Lehrplans

Die Generationen unserer Eltern sind es, die dafür sorgten, dass Schüler am Gymnasium plötzlich ein Jahr weniger Zeit bis zum Abitur hatten. Das bedeutet vollere Stundenpläne, noch mehr Nachmittagsunterricht, noch mehr Auswendiglernen. Wir „zwischen 1985 und 2000 Geborenen“ sind wohl die ersten, die noch vor dem Abitur im Unterricht die Definition von „Burn-out“ auswendig lernen mussten. Dank G8 haben einige von uns so früh ihren Schulabschluss in der Tasche, dass sie ohne Begleitung ihrer Eltern nach 24 Uhr nicht mehr auf der Erstsemesterparty sein dürfen.

Die 68er und Babyboomer sind es, die dafür sorgten, dass die Bologna-Reform das Universitätsleben dem Schulalltag immer mehr angleicht: Die Stundenpläne bleiben voll, die Anwesenheit bei Lehrveranstaltungen ist verpflichtend und die Semesterferien werden durch lange Prüfungsphasen immer kürzer.

Unternehmen fürchten uns

Kein Wunder, dass bei einem so straffen Zeitplan kaum mehr Platz für politisches Engagement bleibt. Auch kein Wunder, dass wir uns nach einem streng durchgetakteten Ausbildungsplan zur Belohnung einen gut bezahlten Job wünschen. Und schließlich sind da auch noch die Horrormeldungen vom Rentensystem. Keiner kann uns sagen, ob und wie viel Rente uns im Alter bleibt. Auf die Einhaltung des Generationenvertrags können wir uns nicht mehr verlassen.

Also, liebe Generation 50plus, seien Sie nicht so streng mit uns. Während Sie uns noch für unseren fehlenden Revolutionsgeist tadeln, werden wir von Unternehmen bereits gefürchtet. Mit unseren Wünschen nach Work-Life-Balance und flexiblen Arbeitsmodellen können Personaler noch nichts anfangen. Schon jetzt heißt es, dass wir Jungen den Arbeitsmarkt sehr stark verändern werden.

Doch Moment, bedeutet das nicht, dass wir einen tiefgreifenden Wandel bewirken? Und wären wir dann, liebe 50pluser, streng genommen nicht sogar doch noch revolutionär?

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Die Bundesregierung muss Donald Trump die Gefolgschaft verweigern

Dritter Tag im neuen Jahrzehnt und ein Krieg mit gigantischen Folgen droht. Die US-Morde an dem Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden Qassem Soleimani und dem Vizekommandeur der irakischen Volksmobilmachungskräfte (PMF) Abu Mahdi al-Muhandis sollen offenbar einen US-Krieg gegen den Iran vom Zaun

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu