Zu viel des Guten

von Lukas Hermsmeier31.03.2014Gesellschaft & Kultur

Pep Guardiola, der Perfekte. Doch was passiert eigentlich, wenn Bayern nicht die Champions League gewinnt?

Mit einem normalen Menschen hat Pep Guardiola nicht mehr viel gemein. So der Eindruck, wenn man die Porträts der vergangenen Monate über den Trainer des FC Bayern addiert. Selten schien ein Lebewesen so nah an der Perfektion wie der 43-Jährige. Er ist fleißig, aber kein Streber. Er sieht schick aus, ohne übereitel zu wirken. Kann genauso emotional wie kühl agieren. Spieler haben Respekt, jedoch keine Angst. Mal Taktiker, mal Motivator. Karriere und Familie funktionieren gleichzeitig. Zusammen ergibt das ein Bild, das jeden von uns auf banale Halbgröße schrumpfen lässt.

Ohne Zweifel, ohne Ironie: Der Spanier ist für den FC Bayern bislang ein maximaler Glücksfall. Oder wie es die „Süddeutsche Zeitung“ in einer detailreichen und ausdrucksstarken Analyse am Wochenende formulierte: „Guardiola hat den alten Meister weiterentwickelt und in die Moderne übersetzt.“ Mehr geht nicht.

Der Hauptgewinn fehlt noch

Das Problem: Es muss noch mehr gehen. Vor einer Woche sind die Bayern in Berlin erschreckend frühzeitig Meister geworden. Im März. Die Bundesliga hat Guardiola so unheimlich souverän bewältigt wie nie jemand zuvor.

Doch die gefährlichste Phase der Saison kommt wohl erst jetzt. Für die Bayern, für Guardiola. Es ist wie im Lotto sechs Richtige zu haben. Kann man sich was von kaufen, klar, ein Erfolg. Aber die Superzahl macht den großen Unterschied. Nur sie bedeutet: Hauptgewinn. Und das, zurück in den Sport, ist die Champions League. Guardiola muss die Königsklasse gewinnen. Sonst war die Saison zumindest auf dem Papier schlechter als die vorherige. Da gewannen die Münchener unter Jupp Heynckes alle Titel.

Einzelnen Spielen sollte man nicht zu viel Bedeutung beimessen. Aber das tabellarisch bedeutungslose 3:3 gegen Hoffenheim hat wohl gezeigt, was die Bayern bis Ende Mai erwartet. Ein ständiger Wechsel zwischen Ent- und Anspannung. Zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Zwischen Augsburg und Manchester. Vom ersten in den sechsten in den ersten Gang. Eine Herausforderung für die Kupplung – für Guardiola. Sechs Spiele sind in der Bundesliga noch zu spielen, die Luft ist hier raus. Doch in der Champions League wird es erst im April und Mai spannend. Viertelfinale, Halbfinale, Finale. Und nebenher noch der DFB Pokal.

Was ist die Saison wert, wenn Guardiola nur Meister wird? Was so viele vor ihm schon geschafft haben, selbst einer wie Felix Magath. Experten, vor allem Bayern-Anhänger, werden die Faust, mindestens aber den Finger heben: Nicht nur Titel zählen, sondern auch die Spielweise. Experten, vor allem Bayern-Anhänger, müssen aber ebenfalls zugeben: Bei keinem anderen Verein sind die zählbaren Erfolge so wichtig wie beim FCB.

Er hat eine perfekte Mannschaft perfekter gemacht

Guardiola hat die Bundesliga langweilig gemacht. Und das ist eine tief beeindruckende Leistung. Was eigentlich unmöglich nach letzten Spielzeit schien (und grammatikalisch falsch ist), gelang dem spanischen Fußballlehrer: Er hat eine perfekte Mannschaft perfekter gemacht. Doch die Titelverteidigung der Champions League ist noch keinem Klub gelungen. Bricht Guardiola den nächsten Rekord?

Wenn nicht, kann man sich einer Sache gewiss sein: Journalisten werden die gleichen Charakterzüge Guardiolas für die Fehleranalyse nutzen. Irgendwie logisch, ist ja der Job von uns Journalisten. Die Gefahr sehe ich in der Gegenwart. Hier, im Erfolg, wird der Spanier so wahnsinnig überhöht, dass die Fallhöhe angsteinflößend ist.

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