Bastian Ballack

von Lukas Hermsmeier23.11.2013Gesellschaft & Kultur

Verletzt: Erst das Sprunggelenk, dann der Stolz. Ereilt Bastian Schweinsteiger das gleiche Schicksal wie Michael Ballack?

Ob sich Bastian Schweinsteiger insgeheim gefreut hat, als sich die Verletzung seines Kollegen (Konkurrenten) Sami Khedira als Kreuzbandriss herausstellte? Was für eine zynische Frage. Die Antwort: Natürlich nicht, der Bayern-Mittelfeldspieler hat viel zu viele eigene Probleme.

Zum Beispiel sein Sprunggelenk. Doch die Operation soll gut verlaufen sein. Zum Rückrundenauftakt Ende Januar soll er wieder fit sein. Und bei den WM-Vorbereitungsspielen im Frühjahr soll er dann auch wieder auf dem Platz stehen. Soll. Soll. Soll. Bei Schweinsteiger ist längst nichts mehr im Soll.

Der 29-Jährige muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass seine Nationalmannschaftskarriere bald zu Ende geht. Ob Schweinsteiger bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien überhaupt im Kader steht, ist ungewiss. Es war Bundestrainer Jogi Löw himself, der vor kurzer Zeit nüchtern feststellte: „Der Januar ist für mich die Grenze. Wenn ein Spieler ein halbes Jahr alle Spiele macht, dann kann ich davon ausgehen, dass er in guter Form zu uns kommt.“ Das sagte Löw mit Blick auf die WM. Eine kürzere Vorbereitung würden ihm allerdings Magenschmerzen bereiten. Löw betreibt gnadenlose Personalpolitik.

Anfang vom Ende der Karriere

Wer sich Schweinsteigers Verletzungshistorie anschaut, muss bezweifeln, dass Schweinsteiger erstens im Januar fit wird und zweitens anschließend alle Spiele absolviert. Seit Anfang November fehlt er. Wieder einmal. Wieder das Sprunggelenk. Zehn Mal stand Schweinsteiger in der Bundesliga in dieser Spielzeit auf dem Platz, sammelte dabei drei Scorerpunkte. Seine Leistung ist befriedigend, nicht mehr und nicht weniger. Nur einem einzigen Spiel drückte er den Stempel auf: beim 4:0-Sieg gegen Schalke. Und als Bayerns Trainer Pep Guardiola seinen Schützling nach der Verletzung aufmuntern wollte, musste er in der Vergangenheit kramen. „Er war der beste Spieler im letzten Jahr“, sagte Guardiola. Wenn der Wert eines Fußballers durch Leistungen aus der Vorsaison beschrieben wird, läuft etwas schief. Ahnt Schweinsteiger schon, dass er seinen Status verliert?

Michael Ballack ahnte sicher nicht, was seine Verletzung im Mai 2010 für Folgen hat. Sie bedeutete nicht nur das Aus für die WM in Südafrika, sondern auch den Anfang vom Ende seiner Karriere.
Was war das für ein unwürdiges Hängen und Würgen zwischen Löw und Ballack. Fans, Mitspielern, auch Journalisten fiel es schwer, zu erkennen, dass die Zeit eines Großen vorbei ist. Es dauerte über ein Jahr, bis sich der Trainer traute, seinen einstigen Capitano endgültig abzusägen. Ballacks Nachfolger wurde Sami Khedira, der in den vergangenen dreieinhalb Jahren zum stärksten Nationalspieler avancierte und viele Kollegen, darunter Schweinsteiger, in den Schatten stellte. Jetzt also fällt Khedira mit Kreuzbandriss aus. Aber da weiß jeder Experte: Khedira wird viel mehr fehlen als Schweinsteiger.

Bastian Schweinsteiger ist noch immer ein guter Fußballer. Doch wer Bayern- oder Nationalmannschaftsspiele regelmäßig verfolgt, bekommt immer häufiger den Eindruck, dass es der Mittelfeldakteur ist, der das Spiel verlangsamt. Seine Teamkameraden Reus, Ribery, Müller, Özil und Co. passen, tricksen und denken, so scheint es, immer eine halbe Sekunde schneller. Erkennen Fans, Mitspieler und Journalisten jetzt, dass die Zeit eines Großen vorbei ist?

Schon bei der EM 2012 schleppte sich Schweinsteiger unfit durch das Turnier. Die Folge: Der Münchner wirkte unsichtbar. Schweinsteiger war kein Regisseur, er war höchstens Kabelträger. Im Halbfinale gegen Italien bekam er vom „Kicker“ die Note 6. Noch kann man sich kaum vorstellen, dass Löw seinen Schweini jetzt hängen lässt. Doch das konnte man sich bei Ballack damals genauso wenig.

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