Alle gegen alle

Lukas Hermsmeier10.10.2013Gesellschaft & Kultur

Bayerns Trainer Guardiola wirkt wie der Familienvater, der sich neben seinem Job noch um die Probleme seiner pubertären Kinder kümmern muss. Seine Kinder: Hoeneß, Rummenigge und Sammer.

Ein attraktiver Mensch kann seine Umgebung aufwerten. Doch genauso gut kann er die Primitivität seiner Mitmenschen entlarven. So ist das beim FC Bayern. Der neue Trainer Pep Guardiola steht den Münchnern gut, er hat sie noch internationaler, noch schicker, noch zielorientierter geformt. Doch neben dem charmant-smarten Spanier wirken die anderen Vereinsmächtigen – Rummenigge, Hoeneß und Sammer – wie grobe Bauern. Ein Problem – weil es nicht nur die Optik betrifft.

Der FC Hollywood ist back!

Die Bayern haben noch kein Pflichtspiel in dieser Saison verloren. Dominierend in der Liga auf Platz eins, überragend in der Champions League, souverän im Pokal-Achtelfinale. Todo bien, eigentlich. Doch als wären die Vereinschefs vom Erfolg gelangweilt, produzieren sie in fast schon penetranter Regelmäßigkeit unsportliche Nachrichten. Rummenigge gegen Sammer, Hoeneß gegen Sammer, Lahm gegen Sammer, Sammer gegen alle. Bayern-Beef – der FC Hollywood ist back! Doch leider weniger dramatisch und glamourös, dafür peinlicher und provinzieller als damals, Mitte der 90er-Jahre, als dieser Nickname geboren wurde.

Was muss sich der bislang so erfolgreiche Guardiola denken, wenn er die Nachrichten liest?

Vor einem Monat überdreht Sport- und Meckerchef Sammer nach einem 2:0-Sieg gegen Hannover, spricht von „Dienst nach Vorschrift“. Sowohl Vorstandschef Rummenigge als auch Präsident Hoeneß als auch Kapitän Lahm weisen Sammer in die Schranken. Was bleibt: kleiner Sammer! Vor einer Woche hat Hoeneß nichts Besseres zu tun, als sich mit Zlatan Ibrahimovic, dem überselbstbewussten Stürmer von Paris St. Germain, anzulegen. Am Ende des Streits macht sich Ibrahimovic über Hoeneß Namen und Steuer-Affäre lustig. Vor wenigen Tagen schimpft der unsouveräne Hoeneß dann über die Nationalmannschafts-Nominierung des dauerverletzten Mario Götze. Und wer unterstützt Löw? Ausgerechnet (oder selbstverständlich) Mahner Sammer. Was bleibt: kleiner Hoeneß!

Für Ruhe müsste der Chef sorgen

Alle klein. Viel Lärm um nichts. Skandale ohne Substanz. Und mittendrin Guardiola. Ein Typ, der selbst nur spricht, wenn er auch was zu sagen hat. Wünscht sich der Ex-Trainer von Barcelona eine Zeit zurück, in der Hoeneß der Steuer-Ermittlungen bedingt Klebeband vorm Mund hatte? Hofft er insgesamt, dass Matthias Sammer endlich eine Rolle in diesem Verein findet, die ihn ausfüllt? Noch reagiert Guardiola stets wie ein Gentleman. Wird er von Reportern auf Querelen und Kritiken angesprochen, wiegelt er ab und bleibt ruhig. Zu oft schon musste sich der Trainer mit Angelegenheiten beschäftigen, die ihn von seiner Arbeit ablenken: seine Mannschaft nach vorne bringen. Von außen betrachtet wirkt der 42-Jährige wie der Familienvater, der sich neben seinem Job noch um die Probleme seiner pubertären Kinder kümmern muss. Wie lange halten seine Nerven?

Für Ruhe müsste eigentlich der Chef des Vereins, Karl-Heinz Rummenigge, sorgen. Doch an Hoeneß traut er sich nicht ran und an Sammer kommt er nicht ran. Diese beiden Hürden muss Rummenigge überwinden. Damit Guardiola nicht schneller vergrault wird, als dem FC Bayern lieb ist.

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