Ich kann sehr glücklich sein und trotzdem eine Szene voller Elend drehen. David Lynch

Freude sei mit euch!

Mal nüchtern betrachtet: Noch nie konnte man so unbeschwert mit den Bayern jubeln. Zeit, das chronische Nicht-Gönnen zu beerdigen.

Selbstverständlich wird es auch jetzt noch Menschen geben, die es den Bayern nicht gönnen. Dortmund-Fans zum Beispiel. Oder sture München-Hasser. Oder welche, die meinen, dass Hoeneß’ Steuerhinterziehung etwas mit Sport zu tun hat. Doch der ganze Rest, die absolute Mehrheit, müsste doch erkennen, dass es an der Zeit ist, sich ehrlich mit dem FC Bayern zu freuen.

Wie unglaublich dominant war diese Saison! Ob in der Bundesliga (25 Punkte vor dem Zweiten), im DFB-Pokal (Final-Niederlage nur theoretisch möglich) oder in der Champions League (Valencia, Arsenal, Juventus, Barcelona und jetzt auch Dortmund geschlagen): Kein Verein hielt mit dieser Qualität in diesem Tempo mit.

Jetzt lässt sich darüber streiten, wer im Finale der Bessere war. Wäre alles anders gekommen, hätten Ribéry und Dante Rot gesehen? „Hypothetisch“, gab selbst BVB-Trainer Klopp nach Schlusspfiff zu – diesmal ein guter Verlierer. Absolut unstrittig ist doch, dass die Bayern auf alle zehn Spiele in der Königsklasse gerechnet der hochverdiente Sieger sind.

Jupp Heynckes, der Dalai Lama des FC Bayern

Einmal das Bild des unsympathischen Großkotz-Klubs im Kopf, fällt es vielen Fußball-Fans schwer, nicht automatisch gegen den Rekordmeister zu pesten. Und bitte jetzt nicht den gerade erst abgewickelten Transfer von Mario Götze als Hass-Argument anführen. So ist Fußball, schon immer: Spieler A wird zu gut für Mannschaft B, will zu Mannschaft C, die das nötige Geld bereit hat. Also, springt über euren Schatten, packt die chronische Hetzerei mal in die unterste Schublade und knallt sie zu. Bayern ist nicht mehr Effe, Kahn, Basler.

Da ist jetzt ein Thomas Müller. Auf dem Platz ein besinnungsloser Kämpfer, außerhalb ein authentischer Stimmungsmacher. Einer der ganz wenigen, die als Profi Fan geblieben sind. Und da ist ein David Alaba, mit 20 Jahren in seinem zweiten Champions-League-Endspiel. Man kann dieser Lachgranate nur übel nehmen, dass er Österreicher ist und nicht die deutsche Außenbahn verzückt. Da ist Javier Martínez, dieser clevere, fehlerfreie Mittelfeldmann, der die 40 Millionen Euro eben doch wert ist. Solch einen Rückenfreihalter wünscht sich doch insgeheim jeder für sein Team. Da sind Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, die gestern eher mit- als voranschwammen, aber nun endlich, endlich ihre erste internationale Trophäe hochhalten durften. Zu oft scheiterten die Leistungsträger der Nationalmannschaft kurz vor Schluss. Wie tragisch, wären diese Karrieren ungekrönt geblieben. So wird dieser Sieg dem deutschen Fußball generell gut tun.

Und da ist Jupp Heynckes, der Dalai Lama des FC Bayern. Dem 68-jährigen (achtundsechzigjährigen!) Trainer muss es doch jeder normal funktionierende Mensch gönnen. Kein anderer steht so erfrischend über den Dingen, ohne Arroganz auszustrahlen. Jetzt der Sieg. Sein Sieg. Die große Karriere noch mal gekrönt.

Auch wenn es vielen schwerfällt: Man kann am FC Bayern in diesem Jahr nichts aussetzen. Eine überragende Mannschaft, verdienter Erfolg, sympathische Spieler. Lässt man mal Arjen Robben weg …

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