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Miesester Transfer seines Lebens

Sein Leben lang war Uli Hoeneß der Mann der Worte. Offen, laut und direkt. Doch ausgerechnet jetzt, wo es darauf ankommt, schweigt er.

Der Steuer-Skandal um den Präsidenten des FC Bayern. Die eine Frage ist: Was hat Hoeneß getan? Die andere: Was tut er jetzt, um den Schaden in Grenzen zu halten? Bislang sieht es so aus, als würde er die falscheste aller Taktiken wählen. „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere“, sagte er dem Münchner Merkur. Klares Bekenntnis zum Nicht-Bekenntnis. Der 61-Jährige möchte zur Aufklärung also nicht beitragen. Dabei wäre genau das – offene Fragen beantworten, Reue zeigen, präsent sein – die einzige Chance. Hoeneß könnte der ganzen Geschichte einiges an Drive nehmen. Stattdessen lässt er einen brutal großen Raum für Spekulationen und (vielleicht unberechtigte) Anschuldigungen.

Ausgerechnet er

Fest steht: Uli Hoeneß hat sich im Januar selbst angezeigt, es geht um ein Konto in der Schweiz, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Fest steht auch die Moral der Geschichte: ausgerechnet der!

Doch viel mehr Fragen sind noch offen. Warum hat der ehemalige Adidas-Chef Louis-Dreyfus Multimillionär Hoeneß auf einem Konto der Schweizer Privatbankgruppe Vontobel 20 Millionen Mark für Spekulationsgeschäfte zur Verfügung gestellt (wenn es stimmt, was Hans Leyendecker in der Süddeutschen schreibt)? Warum ist Hoeneß, der seinen FC Bayern in perfekt-penibler Art zum finanziell gesündesten Verein der Welt gemacht hat und als Wurstfabrikant hocherfolgreich ist, privat so naiv mit Geld umgegangen? Und die juristisch wohl bedeutendste Frage: Was war vorher – die Selbstanzeige oder die Ermittlungen?

Doch Hoeneß will erstmal stumm bleiben, dazu habe ihm sein Anwalt geraten. Aus dessen Sicht auch verständlich, schließlich handelt es sich um ein schwebendes Verfahren.

Schweigen ist nicht Gold

Für Hoeneß’ Ruf ist das Schweigen ein Desaster. Wenn es schief geht, wird der erfolgreichste Sportsmann Deutschlands nie wieder auf die Beine kommen. Bei optimalem Verlauf könnte die Aufregung um den schlechtesten Transfer seines Lebens schon bald verflogen sein. Was gehört zum optimalen Verlauf? Selbstverständlich, dass Hoeneß nicht ins Gefängnis muss, alles begleicht. Aber auch, dass er die Causa so schnell wie möglich selbst in die Hand nimmt. Bislang gehört sie den Medien, für die der Fall nur noch spannender ist, wenn nicht alles ausgesprochen ist. Je schneller Hoeneß eine Version der Geschichte präsentiert, die sein Handeln zumindest ansatzweise nachvollziehbar macht (und das ist meiner Meinung nach absolut möglich), desto schneller wird der Trubel verfliegen. Dann müsste er nichtmal als Präsident zurücktreten.

Ganz konsequent stumm blieb Hoeneß dann aber doch nicht. Es reichte zumindest, um über seinen Anwalt mitteilen zu lassen, dass er gegen einige Medien vorgehen werde. Angriff ist die beste Verteidigung? Das war der Angriff aufs eigene Tor.

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