Wahlzweikampf

von Lukas Hermsmeier17.04.2013Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Fußball wird immer politischer – zwangsläufig. Doch Sport und Staat sind sich oft noch sehr fremd.

Es gibt keinen Erfolg, der ganz ohne Probleme auskommt. Das wissen Parteien, die plötzlich gewählt werden und Positionskämpfe aushalten müssen. Das wissen Lottogewinner, die plötzlich ganz viele gute, alte Freunde haben. Und das weiß der Fußball.

Der wurde immer schneller, besser, professioneller, teurer, beliebter. Wenn auch nicht plötzlich, sondern über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Nichtsdestotrotz: Je schneller, besser, professioneller, teurer und beliebter der Fußball wurde, desto mehr Probleme entstanden, desto überforderter sahen die Protagonisten aus. Mit der Kommerzialisierung ging die Politisierung einher. Ab einer gewissen Größe und Masse an Menschen, die mitreden wollten, waren interne Lösungen nicht mehr möglich. Das Spiel musste geordnet, relativiert und geregelt werden. Eine Ebene drüber. Und das war und ist dann meist die Politik.

Von „Milliardengeschäft Fußball“ ist oft die Rede, fast immer ist das negativ konnotiert. Wenn Experten von einer „Politisierung des Sports“ sprechen, dann selten mit euphorischer Stimme. Und die „Übermacht der Verbände“ gleicht meist einer Warnung. Fans (und Reporter) wollen ihren Lieblingssport unberührt. Spiel und Spaß, keine Veränderung. Dabei sind sie es, und niemand anders, die ihn verändern. Für exorbitante Gehälter, TV-Rechte und Sponsoren-Macht gibt es nur eine einzige Grundlage: das grenzenlose Interesse der Fans.

Doch wie steht es um die Beziehung zwischen Sport und Staat? Man muss nicht mal weit ausholen oder Historiker bemühen, um ein Verständnis für dieses diffizile Verhältnis zu bekommen. Jede Woche gibt es Geschichten, die Fragen aufwerfen: Wie politisch darf, wie politisch muss Fußball sein?

Wo Fußball politischer sein müsste

Kaum ein Sportfoto ist so hässlich wie das: Ein Mann in Unterhemd, vor der Fankurve, die Zähne fletschend, die Augen schwarzböse, den rechten Arm zum Hitler-Gruß ausgestreckt. Das eklige Motiv: Paolo di Canio, Kapitän von Lazio Rom. Aufgenommen nicht 1945, sondern 2005. Der Italiener war bekennender Rechtsradikaler und ist es immer noch. Es macht einen fassungslos, dass dieser Faschist in der englischen Premier League arbeitet. Nicht als Zeugwart, als Trainer. Vor drei Wochen präsentierte der AFC Sunderland di Canio als neuen Coach. Ein Mussolini-Anhänger in einer wichtigen Funktion, Wochenende für Wochenende auf allen britischen Sendern. Wie war noch das Motto der UEFA? Respect Diversity. Der AFC Sunderland hat ein Zeichen gesetzt, das falsche: Uns ist egal, wer für uns arbeitet, Hauptsache, wir versprechen uns Erfolg. Unpolitisch, ohne Statement – falsch. Man kann nur hoffen, dass Sunderland absteigt und die sportlichen Gesetze den rechten Ausrutscher auf politische Weise geraderücken.

Wo Politik versagt

Von der folgenden Geschichte gibt es verschiedene Versionen. Die wahrscheinlichste: Anfang März wurde in einer nordrhein-westfälischen Bezirksliga der nigerianische Torhüter Ikenna Onukogu von Zuschauern rassistisch beschimpft. So lange und so heftig, bis er eine Plastikflasche in Richtung der Pöbler warf. Das Spiel musste abgebrochen werden, der Vorfall schrie nach Reaktionen und Sanktionen. Tatsächlich: Gesperrt wurde der Keeper, und zwar für Wochen.

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