Star gegen stur

von Lukas Hermsmeier18.01.2013Gesellschaft & Kultur

In München wird Erfolgs-Trainer Guardiola auf die Alphatiere Hoeneß und Sammer treffen. Ob dieser Transfer-Coup wirklich nachhaltig ist?

Glückseliges Fußball-Deutschland. Freude, sogar ein wenig Stolz machte sich dieser Tage breit – und das nicht nur bei den Bayern-Fans. Pep Guardiola kommt im Sommer in die Bundesliga, der Champion aus Barcelona. Hmmm, allein der Name ist eine Verheißung (auch wenn viele Probleme mit seiner Aussprache haben). So international, so glamourös. Pep Guardiola steht für einen Fußball, der so nah an der Perfektion ist wie kein anderer. Und das jetzt hier bei uns in Deutschland!? Mal schauen.

Kein Zweifel: dieser Transfer unterstreicht die Ansprüche der Münchner und die führende Rolle des deutschen Fußballs. Wir haben nicht nur die modernsten Stadien und treuesten Zuschauer, nicht nur eine Nationalelf, die Spaß macht, sondern jetzt auch einen Trainer, der für „Sun“, „La Gazzetta dello Sport“ und „Marca“ spannend ist. Ein absoluter Marketing-Coup. Die Frage aber ist doch: Passt Guardiola überhaupt zu den Bayern? Wird er das schaffen, was zuletzt vier namhafte Trainer nicht hinbekommen haben: den Champions-League-Gewinn? Wird er den Ansprüchen gerecht? Zweifel sind angemessen.

Fangen wir bei der Frage an, welcher Trainer der mitteljungen Vergangenheit beim Rekordmeister überhaupt erfolgreich war. Schnell geklärt: Während Felix Magath an den Erwartungen, Jürgen Klinsmann an Buddha-Figuren, Louis van Gaal an seinem Ego und Jupp Heynckes an Chelsea scheiterte, war es Ottmar Hitzfeld, der mit den Bayern von Meisterschaft zu Meisterschaft marschierte und 2001 die Königsklasse gewann – der bis dato letzte große Titel. Hitzfeld und Bayern waren insgesamt sieben Jahre ein eingespieltes Duo. Das lag neben seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten als Trainer auch daran, dass Hitzfeld kein Selbstdarsteller, sondern Teamplayer war. Dass er mit dem allmächtigen Uli Hoeneß harmonierte. Dass er den nötigen Ruhepool zum aufgeregten Bayern-Umfeld darstellte. Und dass Hitzfeld nie Star war. Unkompliziert und uneitel, das war Hitzfeld. Die Mannschaft ordnete sich seiner Spielphilosophie unter. Und er ordnete sich der Vereinsphilosophie unter. Das funktionierte.

Ein Star als Trainer?

Jetzt hat sich der genial-ehrgeizige Machtmensch Hoeneß zwar aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, ist mittlerweile Präsident. Doch sein Nachfolger Matthias Sammer ist nicht weniger daran interessiert, diesen Klub dominant zu führen. Auch wenn er sich bislang mit seinem Temperament vergleichsweise zurückhält. Und Guardiola? Der gilt zwar als ruhig, intelligent, intellektuell – kein Mourinho. Aber Guardiola wird nicht weniger als Mourinho wissen, was er erreichen will und vor allem wie. Die 14 Titel in vier Jahren Barcelona werden den ehemaligen Mittelfeldspieler nicht schüchterner, sondern selbstbewusster gemacht haben. Guardiola ist zwar erst 41, das Lob, das über ihm ausgeschüttet wurde, reicht aber für zehn Leben. Nein, Guardiola wird sich nicht von Sammer, nicht von Rummenigge und nicht von Hoeneß reinreden lassen.

Die Frage ist auch, ob er seine Vorgesetzten dann überhaupt verstehen werden wird. Der Meistertrainer spricht Spanisch, Italienisch und Englisch – aber eben kein Deutsch. Erinnerungen werden an den Italiener Giovanni Trapattoni wach, den man auch nach drei Jahren als Bayern-Trainer nur selten zu 100 Prozent verstand. Aber Guardiola hat ja noch ein halbes Jahr Zeit.

Ich glaube gar nicht, dass es ein Problem wird, dass der Spanier in München nicht das Spielermaterial zur Verfügung hat wie beim FC Barcelona. Ich glaube, dass Bayern keinen Star als Trainer verträgt. Und dafür kann der Guardiola nicht viel.

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